Archäologische Wanderung

Am Samstag trafen sich ca. 20 archäologisch Interessierte und Mitglieder des Fördervereins in Dreihausen, um zur Burganlage „Höfe“ zu wandern.

Der Begriff der „Winterwanderung“ bekam eine völlig neue Dimension, denn der Schneefall nahm während der Wanderung immer mehr zu und wir stapften durch eine reizvolle Winterlandschaft.

Bei den Höfen handelt es sich um eine frühmittelalterliche Befestigungsanlage, etwa 1 km südlich von Dreihausen im Wald auf einer natürlichen Erhebung gelegen. Die Gründung der Burganlage fällt wahrscheinlich in die karolingische Zeit, neuere Erkenntnisse zeigen aber eine Nutzung bis in die salische Zeit.

Der Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Thiedmann erklärte anhand von Schaubildern am ersten Haltepunkt, die Lage der unteren und oberen Burganlage und berichtete von den Ausgrabungen, die in den 70er Jahren durchgeführt wurden.

Die Gesamtanlage ist von einer Ringmauer umgeben. Nach Norden und Osten wird sie durch steil abfallende Hänge begrenzt. In Richtung Westen und Süden war sie durch einen vorgelagerten Graben geschützt. Der ursprüngliche Zugang erfolgte durch ein Tor in der nördlichen Ringmauer. Durch die Unterburg war die Oberburg zu betreten.

Die Fläche umfasst ca. 2 ha, davon entfallen auf die Oberburg (2) 0,75 ha und 1,25 ha auf die Unterburg (1). Erschlossen wurde die Anlage durch ein Tor im Norden (3) der Unterburg und ein Zwischentor (4) im Süden der Trennungsmauer beider Bereiche.

Ein zweiter Haltepunkt war das Tor mit Torgebäude zwischen der Unter- und der Oberburg. Herr Thiedmann wies hier auch auf die geophysikalischen Messungen hin, die eine Bebauung des Plateaus außerhalb des Ringwalls nachweisen.

Der nächste Haltepunkt lag oben auf der Kuppe des Hügels. Hier fand man Reste mehrerer Gebäude. Darunter sind ein steinernes Hauses von 9,8 auf 4,8 m sowie eine Rundkirche mit einem Durchmesser etwa sechs Metern und einer Nordapsis. Im Inneren konnte ein Sockelfundament für eine Säule, Bankettvorsprünge an den Seiten, sowie ein Estrich und Putzreste nachgewiesen werden. Der Zugang erfolgte im Osten über eine Treppe. Durch die Funde im Brandschutt kann das Gebäude mit einer Holzdecke rekonstruiert werden. Außerhalb des Gebäudes fanden sich Lehmmaterial und Flechtwandabdrücke, so dass das Obergeschoss wohl aus Fachwerk bestand. Die dort gefundenen Scherben zeigen, dass es sich bei dem Haus und der Umwehrung um zeitgleiche Bauten handelt.

Die Kirche wird ebenso wie Mauerring und Steinhäuser anhand von dort gefundenen Scherben in das 8./9. Jahrhundert datiert. Rundkirchen dieses Typs sind recht selten vergleichbar ist die Pfalzkapelle von Aachen, die als Vorbild gedient haben könnte. Dies unterstreicht auch der gefundene Porphyrit, der in ganz ähnlicher Form unter dem Thron der Aachener Pfalzkapelle als Fußbodenbelag liegt. Eine Rundkirche deutet wegen ihrer Seltenheit und der vergleichbaren Zentralbauten nicht nur auf herrschaftliches Gut hin, sondern eventuell sogar auf königliches Besitztum. Die Wände der Kapelle wurden aufwändig bemalt, viele farbige Putzreste sind erhalten.

Es ist nicht bekannt wann und warum die Burganlage aufgegeben wurde. Es sind keine Urkunden vorhanden, die auf eine Schenkung oder Veräußerung hinweisen.
Mit der Zeit ist die Anlage verlassen worden und verfallen.

Nach Beendigung des Vortrages von Herrn Thiedmann und der Klärung anschließender Fragen, wanderten wir durch den Schnee zurück nach Dreihausen.
Dort wurden die Autos vom Schnee befreit und es ging zur Einkehr ins Hotel Seebode zum Aufwärmen, Kaffeetrinken und gemütlichem Plausch.
Angeregte Gespräche über archäologische Themen, insbesondere die nächsten anstehenden Termine, ließen die Zeit schnell vergehen.

Alle sind sich einig: es war schön und informativ und sollte unbedingt wiederholt werden – im nächsten Winter. Ein Wunsch wäre eine Führung über den Christenberg.

Vielen Dank für die Organisation durch den Vorstand des Fördervereins und wir hoffen, dass alle gut nachhause gekommen sind, an diesem besonders schneereichen Tag.

Für ausführliche Informationen zu den Höfen klicken Sie bitte hier:
http://www.hoefe-dreihausen.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6fe_%28Dreihausen%29

Literatur:
R. Gensen,Die Höfe bei Dreihausen. Archäologische Denkmäler in Hessen 121
Hessen und Thüringen- Von den Anfängen bis zur Reformation. Eine Ausstellung des Landes Hessen. Hrsg. Hessischens Ministerium für Wissenschaft und Kunst. (Marburg 1992) Seite 79 ff.
H. Roth/E. Wamers (Hrsg.) Hessen im Frühmittelalter, Archäologie und Kunst (Marburg 1984) Seite 249 ff.

Fotos: Volker Teuchert u. Meike Schuler

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