Eisengewinnung im Rennofen

Am Wochenende vom 30.08 bis 01.09.2013 haben Mitglieder der AG Lebendige Archäologie, bei besserem Wetter, erneut Versuche zur Eisengewinnung durchgeführt.
Nach dem bei der Aktion „Feuer und Flamme“, durch die Witterung bedingt, der aus Lehm gebaute Rennofen nicht betrieben werden konnte, wurde dies nun nachgeholt. Bei den als Vorführungen angedachten Versuchen handelt es sich um eine möglichst reale Darstellung und Veranschaulichung des Prozesses der Eisengewinnung für Gäste auf dem Gelände der Zeiteninsel und Mitglieder der AG und des Fördervereins.

Ziel war es den Prozess der Materialgewinnung wie er zur Eisenzeit üblich war zu Veranschaulichen, dem interessierten Publikum zu erklären, und natürlich schmiedbares Material zu gewinnen.
Der Vorgang der Eisengewinnung im Rennofen unterscheidet sich im Gegensatz zur modernen Eisenverhüttung u. a. im Ergebnis. Während heute das Eisen in flüssiger Form aus dem Hochofen gewonnen wird, ist das Ergebnis aus dem Rennofen ohne Umwege direkt zur weiten Verarbeitung geeignet.

Für die Herstellung von Eisen im Rennofen wird zunächst das Eisenerz führende Gestein in einem Grubenfeuer geröstet und spröde gemacht, um es anschließend zu pochen, zu zerkleinern. Das zerkleinerte Material wird dann im wiederkehrenden Wechsel Holzkohle und Erz von Oben in den angefeuerten Ofen eingefüllt, der Ofen wird beschickt.

Unter ständiger Zufuhr von Luft, dies kann unter Zuhilfenahme eines Blasebalges, oder bei so genannten Windöfen in Hanglage durch den natürlichen Kamineffekt geschehen, werden Temperaturen von 1300 Grad und mehr erzeugt. Bei dem Erreichen der angestrebten Temperaturen wird das Erz aus dem tauben Gestein heraus geschmolzen, und sammelt sich als so genannte Luppe an der Luftzufuhr, wogegen sich die unerwünschten Nebenprodukte, in Form von Schlacke, in den kälteren Regionen des Rennofens ablagern. Das ständige Nachrutschen des in Schichten eingefüllten Materials, das Rinnen oder Rennen geben dem Ofen dabei seinen Namen.

Nach Ende des Verarbeitungsprozesses wird das gewonnene Material, je nach Typ und Bauart des Ofens, entweder durch Zerstörung, also zerschlagen des Ofens, oder durch das seitliche Abstechen, eine Teilöffnung des Ofens, gewonnen.

Für die Vorbereitung der Versuche wurde 50 bis 60 Prozent erzhaltiges Gestein, dessen Vorkommen so auch in der unmittelbaren Umgebung der Zeiteninsel nachweisbar ist, durch das Rennofenteam gesammelt, geröstet und gepocht.

Der zu erst errichtete Rennofen, aus einem Lehm-Stroh-Sandgemisch bestehend und um ein Hasel-Weidengeflecht herum geformt, entsprach dabei Ofentypen der älteren Eisenzeit ca. 800 v. Chr. Rennofen 1 wurde befeuert und beschickt, dabei sollte der Ofen mit zwei Blasebälgern betrieben werden, jedoch konnte nur ein Blasebalg genutzt werden. Das zu verhüttende Material wurde auf ein Gewicht von 5 kg Eisenerz festgelegt und mit 5 kg Holzkohle, in Schichten von 2,5 kg Holzkohle – 2,5 kg Erz – 2,5 kg Holzkohle – 2,5 kg Erz, in den Ofen eingebracht. Da der Rennofen Nr.1 nicht zerstört, sondern als Anschauungsobjekt erhalten werden sollte, wurde er nicht zerschlagen, sondern, am nächsten Morgen, nach Abkühlung des Inhaltes von der Seite her unterhöhlt und ausgeräumt. Das ausgeräumte Material wurde durchsucht und es zeigte sich das, durch den Betrieb mit nur einem Blasebalg zur Luftzufuhr, nicht die gewünschten Temperaturen im gesammten Innenraum geherrscht hatten, denn es wurden nur 30 g Schlacke geborgen.

Während des Verhüttungsvorganges im Ofen 1 wurde zeitgleich ein jüngerer Ofentyp, anderer Bauart, aus selbem Material wie Ofen 1 auch bestand, errichtet und mittels eines darin entfachten Feuers getrocknet. Der Rennofen 2, chronologisch jünger, war schmaler im Durchmesser, dafür aber höher und in der äußeren Form der eines Kamins ähnlich errichtet worden. Ofen 2 war für den seitlichen Abstich angelegt, und entsprach wie Ofen 1, in Bauart und Typ, archäologisch fassbaren Originalen. Während Rennofen 1 ausgeräumt wurde, wurde Rennofen 2 weiter getrocknet und ausgebessert, um direkt in Betrieb genommen zu werden.

Im Rennofen 2 wurden ebenfalls Erz und Kohle im Mengen und Gewichtsverhältnis 5 kg Kohle zu 5 kg Erz schichtweise eingebracht und verhüttet. Der zweite Rennofen wurde am späten Sonntagnachmittag, wie dafür vorgesehen, seitlich abgestochen und das noch heiße Material wurde ausgeräumt. Verhüttungsversuch 2 blieb dem Rennofenteam den erwünschten Erfolg nicht schuldig, es wurde neben Schlacke als Abfallprodukt eine Menge von 400 g Eisen gewonnen. Der erfolgreich durchgeführte Versuch begeisterte die noch auf der Zeiteninsel verbliebenen Gäste und Zuschauer, besonders die Kinder, sowie das Rennofenteam und die AG Mitglieder.

Das gewonnene Material wird nebst den Öfen zur Anschauung erhalten, und weitere Versuche mit den verbliebenen 50 kg Eisenerz werden folgen. Das in weiteren Arbeitsabläufen zu gewinnende Eisen soll dann einer Weiterverarbeitung durch einen Schmied unterzogen werden.
Danke für diesen ausführlichen
Bericht an Carsten Thurandt

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s