Keramik Workshop

Am vergangenen Wochenende trafen sich sieben Mitglieder der AG Lebendige Archäologie mit Susanne Gütter, Mitglied des Fördervereins und Grabungstechnikerin der HessenArchäologie zu einem Workshop zum Thema „Keramik aus der Umgebung der Zeiteninsel durch alle Zeiten und Versuch der Rekonstruktion“.

Susanne Gütter hat selbst an den Ausgrabungen im Bereich des Kieswerks Niederweimar mitgewirkt und arbeitet seit 15 Jahren „nebenbei“ an Keramik-Rekonstruktionen. Besuchern unserer Veranstaltungen ist sie bereits bekannt durch ihren wunderbaren Keramikstand, an dem sie ihre Rekonstruktionen präsentiert hat.

Ziel der Veranstaltung war es, keramische Funde aus dem Kontext der Zeiteninsel kennen zu lernen und zu versuchen, diese dann möglichst originalgetreu nachzubilden. Der Bogen wurde gespannt von der Linienbandkeramischen Kultur bis zur Keramik der römischen Kaiserzeit.

Im ersten Veranstaltungsteil stellte Susanne Gütter zahlreiche Originalfunde vor, die im Bereich der Kiesgrube bei Niederweimar und beim Bau der Umgehungsstraße geborgen worden waren. Alle Funde wurden ausführlich unter dem Aspekt der Herstellung und Rekonstruktion besprochen, dann suchten sich die Teilnehmer die Keramik aus, die sie selbst gerne nacharbeiten wollten. Susanne Gütter hatte hochaufgelöste Detailaufnahmen der einzelnen Fundstücke, um auf Besonderheiten hinzuweisen und unseren Blick für Details zu schärfen.

Im zweiten Block ging es an die Vorbereitung des Tonmaterials. In den verschiedenen Kulturepochen, die im Umfeld der Zeiteninsel vorkommen, wurde Ton unterschiedlich gemagert und so musste nun von uns Schamotte und Quarzgrus hergestellt werden, der dann in verschiedenen Anteilen unter den Rohton gemengt wurde. Auch Sand spielt bei der Magerung des Tons eine große Rolle.

Dann ging es gemeinsam ans Mischen und Kneten, bis alle Bestandteile gut verteilt waren und sich mit dem Ton verbunden hatten. Der „Stoff“ war nun gebrauchsfertig.

Susanne Gütter hatte auch Tonproben direkt aus der Kiesgrube mitgebracht, um zu zeigen welche Arten es noch heute vor Ort gibt, wie sich diese verarbeiten lassen und wie sie beim Brand reagieren.

Nach einer Mittagspause ging es dann so richtig los mit der Praxis. Zuerst gab es eine kurze Einführung zu den Herstellungstechniken, da die Teilnehmer über einen unterschiedlich großen Erfahrungsschatz in der Herstellung von Keramik verfügten. Susanne Gütter führte auch Beispiele aus der Ethnologie an, um verschiedene Arten von Herstellungsprozessen zu verdeutlichen.

Dann stürzten sich alle mit großem Elan in die Arbeit.

Manche wagten sich gleich an ein Gefäß, andere begannen mit der Herstellung von bronzezeitlichen Löffeln oder Spinnwirteln aus der Eisenzeit – zur Einstimmung.

Doch schon die Herstellung der Löffel war gar nicht so einfach wie gedacht. Wie erhält man eine gleichmäßige Wandstärke, wie wird der Löffel rund und wie kommt der Stiel an den Löffel? Das waren kleine Probleme, die gelöst werden mussten.

Für den Rest des Tages herrschte überwiegend arbeitssame Stille, alle arbeiteten konzentriert an ihren Stücken, um als Tagesziel die Rohformen der Gefäße zu erreichen. Da wurden Gefäße frei aus der Hand geformt oder mit ausgerollten Würsten aufgebaut und manches Gefäß, das seine Form verlor, konnte von Susanne gerettet werden. Am Ende des Tages hatten die meisten ihre ersten Gefäße fertig.

 

Der zweite Tag stand dann ganz im Zeichen der Verzierung. Die fertigen Gefäße vom Vortag waren über Nacht schon ein wenig angetrocknet, so dass angefangen werden konnte, diese vorsichtig zu polieren oder Muster anzubringen durch Drücken oder Ritzen. Dies war gar nicht so einfach, denn die Ornamente mussten freihändig ohne Zittern angebracht werden – für manchen eine große Hürde, die Überwindung kostete.

Susanne Gütter hatte zahlreiche Materialien mitgebracht, die uns nun in die Lage versetzten die Gefäße weiter zu bearbeiten, es gab Poliersteine, Werkzeuge zum Ritzen und vieles mehr.

Wir arbeiteten manchmal parallel an zwei Werkstücken. Wenn ein Gefäß etwas Ruhe benötigte, konnten wir noch ein weiteres Stück fertigen und so stellten wir „zwischendurch“ noch sogenannte Backteller her. Damit wollen wir später in unserem Lehmbackofen experimentieren; so trieb uns die Vision von Fladenbroten aus dem Backofen an.

Überrascht stellten wir fest, dass unsere gemeinsame Zeit sehr schnell vergangen war aber am Ende des Tages stand eine beeindruckende Anzahl von Werkstücken auf dem Tisch.

Alle waren begeistert und es steht jetzt schon fest – das war nicht das letzte Mal. Wir wollen noch mehr Keramik herstellen und diese dann auch brennen.

Susanne Gütter stand immer allen Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite. Ihr Erfahrungsschatz und die kleinen Tricks und Kniffe, die sie uns zeigte, waren für uns Gold wert.

Sie hatte diesen Workshop hervorragend vorbereitet und auf alle Details geachtet, wie z. B. selbst hergestelltes Werkzeug. Der Kurs war genau auf die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmt, ganz besonders auch im Hinblick auf die Zeiteninsel und deren Bezüge zu den originalen Fundstellen.

 

Wir danken Susanne Gütter für ihr Engagement und dem St. Elisabeth-Verein für die Bereitstellung der Räume im Elisabeth-Haus. Wir haben uns sehr wohlgefühlt.

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