Geschichte erleben – Großveranstaltung

Lager

Lager

Am Freitag war es endlich so weit: die freiwilligen Helferinnen und Helfer begannen mit den letzten Vorbereitungen für die Veranstaltung am Wochenende. Es mussten Kassenhäuser aufgebaut, Beschilderungen angebracht, Pavillons errichtet – kurz gesagt das Gelände für die erwarteten Besucher hergerichtet werden.
Im Laufe des Tages kamen bereits die ersten Mitwirkenden und so sah das zukünftige Museumsgelände abends schon aus wie ein Zeltdorf auf der einen Seite und wie ein Jagdlager aus der Steinzeit auf der anderen Seite der Insel.
Die Aufregung war spürbar, denn niemand wusste genau, ob und wie viele Besucher den Weg in den nächsten Tagen nach Argenstein finden würden.
Am nächsten Morgen wurden die letzten Arbeiten erledigt, die studentischen Hilfskräfte eingewiesen und die Darsteller bereiteten sich auf das Kommende vor.

Ab zehn Uhr kamen dann die ersten Besucher und erkundeten die einzelnen Zeitstationen wo sich Römer und Germanen, Handwerker aus der Eisen- und Bronzezeit und Jäger aus der Steinzeit den Fragen der Besucher stellten und zum Mitmachen animierten.


In der Zeitstation der Römer und Germanen bot sich das Bild eines Lagerlebens mit Zelten, Taverne und Verkaufsständen. Die Zuschauer erlebten hier eine große Vielfalt. Markus Neidhardt bot wunderbare Replikate, wie Fibeln und Schmuck an. http://www.replik.de/ Mit Absicht wurde gerade dieser Bereich mit mehreren Gruppen, wie den Chasuari http://www.chasuari.de/ , Hegaugens http://www.hegaugens.de/ Aennlin und Cistarius http://www.aennlin-cistarius.de/ , auf germanischer Seite und Prima Germanorum http://www.germanorum.de/ und VEX VET LEG XIX http://vex-vet-leg-xix.de/ auf der römischen Seite ausgestattet, denn die Zeitstation der sog. Römischen Kaiserzeit soll als erstes gebaut werden und war daher bei dieser Veranstaltung Schwerpunkt.

Ein Anfang wurde durch den Bau des Grubenhauses, das man vor Ort besichtigen konnte, bereits gemacht. Hier investierten Mitglieder des Fördervereins und andere engagierte Personen so manche Stunde beim Stemmen von Zapfenlöchern oder Flechten von Wänden.

Im Bereich der Archäo-Technik präsentierte Susanne Gütter originalgetreu rekonstruierte Keramik, erstellt nach Originalfunden von Ausgrabungen der Umgebung. Sie erklärte den interessierten Zuschauern die Herstellung von gebrauchsfertigem Ton und die Verarbeitung zu Gefäßen.

Ihr gegenüber bot Markus Loges Einblicke in die Arbeit mit Holzwerkzeugen der verschiedenen Zeiten und er führte diese auch vor, um zu demonstrieren, welche Ergebnisse man mit einer Bronzeaxt oder einer Steinaxt aus der Jungsteinzeit erzielt.
Die Kinder konnten hier auf Schnitzbänken ihre Fertigkeiten testen.

In der Nähe präsentierte sich die AG Lebendige Archäologie mit ihren Erzeugnissen zum Thema Textilien und bot Kindern an, Stockbrot zu backen, was auch gerne angenommen wurde.

Auf dem weiteren Weg konnten sich die Besucher im Bogenschießen üben.
In der Jungsteinzeit hatte Familie Burberg ihr Lager aufgeschlagen. Hier konnten Besucher auf Reibsteinen Getreide mahlen oder beim Keramikbrand zusehen. Die Familie gab auch gerne Auskunft über ihre Erlebnisse aus der Zeit des „Steinzeitexperimentes“, als sie über zwei Monate in die Steinzeit versetzt waren. Dies wurde vom SWR dokumentiert. Steinzeitexperiment
Mit Henning Fenner war ein weiterer Bekannter aus dieser Dokumentation vor Ort. Er hatte seinerzeit den Weg von Ötzi mit all seinen Utensilien nachgestellt und ist in Steinzeitkleidung über die Alpen gewandert.

Die nächste Zeitstation war auf einer Sandbank im westlichen Gewäserarm angesiedelt. Hier hatten sich zwei Experten der Mittelsteinzeit niedergelassen: Gerhard Kalden und Obbo Wankenobo.
Besonders Gerhard Kalden präsentierte den Besuchern das authentisch ausgestattete Lager eines Jägers und Fischers: Fleisch war zum Dörren an der Luft auf ein Gestell gehängt, die Netze und Reusen zum Trocknen aufgespannt. Hier fühlte man sich wirklich in eine andere Zeit versetzt und es war, als ob die mit Fellen gedeckten Zelte schon immer hier gestanden hätten.

Obbo Wankenobo führte vor, wie man mit gerade hergestellten Feuersteinklingen ein Reh aus der Decke schlagen kann und das Fleisch zerteilt. Die Kinder waren erst befremdet, dann neugierig und schnitten nach kurzer Zeit selbst mit Feuereifer das Fell vom Fleisch. Eine spannende Geschichte.

In der Bronzezeit-Station erwartete die Besucher regelmäßig eine Modenschau der verschiedenen Kulturphasen der Bronzezeit und am Stand von Aurea Aetas wurden Repliken aus Bronze präsentiert, hergestellt nach originalen Grabbeigaben aus dem Rhein-Main-Gebiet. Thorsten Seifert erklärte den Besuchern gerne die Funktion der verschiedenen Gegenstände.

Gegenüber demonstrierte Bronze-Bruce die Technik des Bronzegusses. Es war immer wieder spannend, wenn das flüssige Metall in die Form gegossen wurde, aber auch wenn die Form zerschlagen und das Ergebnis sichtbar wurde.

Am Rand der „Eisenzeit“ präsentierten Mitglieder der AG Lebendige Archäologie den Bau von Rennöfen und die Verhüttung von Eisen. Was eigentlich als archäologisches Experiment gedacht war, wurde zu einer Mitmachaktion.
Hier waren die Kinder eifrig dabei mit Lehm das Geflecht aus Weide zu beschmieren, so dass der eigentliche Verhüttungsprozess schnell zur Nebensache wurde.

Klaus Haller zog mit seinem Stand vor allem Kinder an. Diese wurden in die Kunst des Schmiedens eingeführt, konnten bei ihm Getreide mahlen und auch das Feuerschlagen mit Stahl und Stein erlernen. Der Stand war eigentlich immer umlagert von Kindern, die sich von ihm in die Eisenzeit versetzt fühlten.

Die Gruppe Taranis präsentierte an ihrem Stand die Herstellung von Glasperlen, das Vorführen des Brettchenwebens, Färben mit einheimischen Pflanzen und das Drechseln von Holz. Vor allem die interessante Konstruktion einer Wipp-Drehbank faszinierte die Zuschauer.

Am Informationsstand der hessenArchäologie und der Zeiteninsel fanden sich viele Besucher ein, um Fragen zu stellen oder sich über das Projekt zu informieren. Die Vertreter der hessenArchäologie hatten einen Bücherstand, an dem eifrig gestöbert wurde. Die Besucher nahmen die Gelegenheit sehr gut an, auch wissenschaftliche Publikationen erwerben zu können.
Auch der Informationsstand des Fördervereins Waldgirmes war gut besucht. Hier wurden vor allem Kinder in die Kunst der römischen Spiele eingeführt.

Die kulinarische Versorgung wurde einerseits durch den Kaffee- und Kuchenstand des Fördervereins gesichert, für den Mitglieder des Fördervereins viele unterschiedliche Kuchen gebacken hatten, die bis zum Sonntagabend alle verputzt waren. Andererseits bedienten die Ahlendorfs mit einem umfangreichen Angebot das Bedürfnis nach herzhaften Speisen und Getränken.

Ein Highlight am Samstagabend war der Zielflug der Hessischen Meisterschaften der Ballonfahrer. Am späten Nachmittag wurde ein Zielkreuz in der Mitte der Insel angebracht und kurz vor acht erschienen die Ballons am Himmel über Marburg. Sie sollten möglichst genau die Insel treffen, aber die schwierigen Windverhältnisse machten dies fast unmöglich. Die Zuschauer riefen immer wieder begeistert „wirf – wirf“ und unter Johlen und Klatschen wurde der Abwurf der Sandsäckchen dann verfolgt. Leider konnte überhaupt nur einer der 15 Ballonfahrer die Insel treffen.

Ballon

Ballon

Der Hessische Rundfunk besuchte die Veranstaltung am Samstag und durch die Ausstrahlung des Berichtes in der Hessenschau wurden noch weitere Besucher für den Sonntag auf die Veranstaltung aufmerksam und zum Kommen animiert.

Am Ende des ersten Veranstaltungstages war die Crew sehr erleichtert, dass die Besucher die Angebote so gut angenommen hatten und nach einer kurzen Nacht bereiteten sich alle auf den Sonntag vor, der noch mehr Sonne bieten sollte.

Ab 10:00 Uhr gab es dann für Helfer und Akteure keine Atempause mehr, denn den ganzen Tag strömten die Besucher bei schönstem Sonnenschein auf das Gelände und ließen sich in die verschiedenen Epochen der Vorgeschichte entführen.

Im Laufe des Tages und steigenden Temperaturen wurde der Wasserlauf um die Insel zu einem Badeparadies für die Kinder. Manche Besucher hielten sich den ganzen Tag auf der Veranstaltung auf und auch die Landrätin Kirsten Fründt zeigte sich begeistert von den vielfältigen Angeboten und der Atmosphäre der Veranstaltung.

Gegen Abend wurden dann die Zelte und Stände wieder abgebaut und man hörte an manchen Stellen ein „schade – eigentlich könnten wir noch weiter machen“ von Darstellern aber auch von Besuchern „bleibt das jetzt so?“.
Wir freuen uns, dass es gelungen ist allen Beteiligten ein ereignisreiches Wochenende zu bieten.

Wir danken allen Mitwirkenden und Helfern für ihre tatkräftige Mitarbeit, sowie der Sparkasse Marburg-Biedenkopf und der Raiffeisenbank für die großzügige Förderung und nicht zuletzt der Gemeinde Weimar für die überaus wertvolle logistische Unterstützung.

Auf der Webseite werden wir in den nächsten Tagen die schönsten Eindrücke in einer Fotogalerie präsentieren.

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