Kurs Brettchenweben

Am vergangenen Wochenende hatten Mitglieder der AG Lebendige Archäologie im Förderverein das Glück einen Wochenendkurs zum Thema Brettchenweben mit der Archäotechnikerin Sylvia Crumbach durchführen zu können.

Sylvia Crumbach, freie Mitarbeiterin des Freilichtmuseums Oerlinghausen, präsentiert seit mehr als 15 Jahren Kleidung und Sachkultur und führt Arbeitstechniken vor allem im Bereich Textil, in Museen und Ausstellungen vor.
Seit 2005 bietet Frau Crumbach Vorträge und Präsentationen im Bereich Archäotechnik an und ist seit 2006 Mitglied im Archäotechnik-Forum Federsee.
Sie gilt als eine der Expertinnen für die Technik des Brettchenwebens.

Brettchenweben ist eine textile Technik bei der das Kettfadensystem durch eine Anzahl Webbrettchen aus Holz oder Karton (in früheren Zeiten auch aus Horn oder Pergament) mit einer unterschiedlichen Anzahl von Löchern (bei uns waren es vier) läuft. Die Bildung des Webfaches erfolgt durch seitliches Verdrehen der Webbrettchen. Ein in das Webfach eingebrachter Schussfaden verbindet das Kettfadensystem zu einem Gewebe. Eine ausführliche Beschreibung des Brettchenwebens gibt es bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Brettchenweben
Das Brettchenweben ist seit der Bronzezeit nachgewiesen, die ältesten deutschen Funde stammen aus dem Grab des Keltenfürsten von Hochdorf 800 v. Chr.).

Für den Wochenendkurs fanden sich am Samstag morgen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Räumen des St. Elisabeth-Vereins zusammen und nach einer kurzen Vorstellung gab Frau Crumbach eine Einführung in die Forschungsgeschichte des Brettchenwebens.

Nach der Präsentation von Mustern aus den verschiedenen Zeiten und Diskussion der dazu gehörigen Literatur, teilten sich die Anwesenden in zwei Gruppen auf.
Die eine Gruppe beschäftigte sich mit der Technik des Anwebens einer Brettchenborte an ein bestehendes Gewebe und die andere Gruppe suchte sich ein Muster aus, das nachgewebt werden sollte. Beide Gruppen bestanden sowohl aus Anfängern und Fortgeschrittenen.

Doch vor dem eigentlichen Weben kommt die erste Hürde: das Vorbereiten der Kettfäden.
Für die Bestückung von 10 – 13 Brettchen mussten die einzelnen Farben festgelegt werden und die Länge der Faden. Das brachte einige der Anwesenden schon ins Schwitzen. Aber letztendlich hatten alle in Zweier-Teams ihre Kettfäden vorbereitet, die Brettchen aufgefädelt und eine Position zur Befestigung gefunden. Frau Crumbach hatte einige Webstühle für das Brettchenweben mitgebracht, die genutzt werden konnten. Die anderen befestigten ihre Kette einfach an einer Schraubzwinge und das andere Ende am Gürtel und mit der eigenen Körperspannung konnte es endlich losgehen.

Beim Anweben eines Bandes an ein bestehendes Stück Stoff, musste der Stoff zunächst an einer Seite ausgefranst werden, damit diese Fransen als Schussfaden genutzt werden konnten. Bei der einen Methode führte man den Schussfaden nur durch und öffnete dann das nächste Fach, so dass Fransen entstanden, bei der anderen Methode wurde der Faden wieder zurück geführt, so dass eine saubere Kante entsteht. Der überschüssige Faden wird am Ende vorsichtig abgeschnitten.
Am Ende des ersten Tages hat es sogar noch geklappt zu lernen, wie man um die Ecke webt.

Die Gruppe der „Musterweber“ hat zum Teil zunächst mit einfachen Mustern begonnen, bei denen die Brettchen immer nur in einer Richtung gedreht werden. Dann wurde es komplizierter: nun sollte an Hand von sogenannten Webbriefen gewebt werden, dazu musste zunächst gelernt werden, wie ein solcher Webbrief geschrieben wird – eine Wissenschaft für sich.

Mit Erfolgen und Misserfolgen ging der erste Tag zu Ende – aber alle wollten am nächsten Tag weiter weben und so ging es nach einer nächtlichen Pause mit Schwung am Sonntag weiter.

Die Gruppe, die sich am Samstag mit dem Anweben befasst hatte, wollte nun auch in die Geheimnisse des Musterwebens eintauchen und so verging der Sonntag wie im Fluge. Es erforderte ein hohes Maß an Konzentration immer im Blick zu halten, welche Brettchen vor oder zurück gedreht werden mussten, um spezielle Muster zu erzielen.

Am Ende des Tages hatte jeder Teilnehmer ein Bändchen mit verschiedenen Mustern gewebt und alle sind sich einig: das wollen wir fortsetzen.

Vielen Dank an den St. Elisabeth-Verein für das unkomplizierte zur Verfügung stellen der Räumlichkeiten und natürlich an Frau Crumbach für ihre Geduld.

Wir freuen uns schon auf den nächsten Kurs.

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