Grubenbrand auf der Zeiteninsel

Am vergangenen Wochenende fand ein Grubenbrand auf dem Gelände der Zeiteninsel statt. In zwei Workshops hatten die Teilnehmer im Winter Keramik der verschiedenen Zeitstellungen, die im Lahntal gefunden wurden, nach Originalfunden nachgetöpfert.
Nun war es endlich soweit: alle brachten ihre Schätze mit und dann ging es los.

Zuerst wurde eine Grube in den Boden gegraben, wobei darauf geachtet wurde, die Grassoden ab zu stechen, die später als Abdeckung verwendet werden sollten. Nachdem die Grube ca. 50 cm eingetieft worden war, wurde mit Hilfe von Markasit und Zunderschwamm, in Steinzeit Manier, ein Feuer entzündet, um den Boden der Grube vorzuwärmen. Nun wurden alle Gefäße am Rand der Grube aufgestellt und immer wieder gedreht, damit auch sie vorwärmen konnten. Das Feuer in der Grube wurde eine Stunde geschürt und anschließend die glühende Kohle auf dem gesamten Boden der Grube verteilt. In einer kurzen Ruhephase ließen wir die Oberfläche des Glutbettes leicht abkühlen, bis man die Hand in etwa 25 cm Abstand kurz darüber halten konnte.

Nun wurde aus Steinen und Tonscherben ein Unterbau für das Brenngut geschaffen damit die Gefäße nicht direkt mit der heißen Glut in Berührung kamen. Einige Gefäße wurden nun mit Heu gefüllt und mit anderen Gefäßen verschlossen, damit sie von innen eine schwarze Färbung annehmen können. Um Platz zu sparen stellten wir kleinere Gefäße in größere und schichteten alle Gefäße dann vorsichtig im Zentrum der Grube übereinander.
Am Rand der Grube legten wir vier kleine Erweiterungen an und fingen aus vier Richtungen an, die Grube langsam und vorsichtig zu befeuern. Über mehrere Stunden wurde in der Aufheizphase darauf geachtet, dass keine Flammen direkt mit den Gefäßen in Berührung kamen, dann wurde der Feuerkreis immer enger gezogen. Man konnte anhand der Färbung sehen, wie die Keramik auf die steigenden Temperaturen reagierte. Nachdem sich alle Gefäße durch das Entweichen des chemisch gebundenen Wassers verfärbt hatten, wurde das Feuer über eine Stunde richtig hochgeheizt. Das war eine heiße schweißtreibende Angelegenheit. Wir nutzten zum Befeuern was gerade bereit lag, dickere Buchenaststücke, aber auch viele dünnere Weidenäste. Da diese einen nicht sehr hohen Brennwert hatten, musste ständig nachgelegt werden und es entwickelte sich ein hohes Glut- und Aschebett. (Für den nächsten Brand werden wir gezielt geeigneteres dünnes Buchen-Leseholz zur Feuerung sammeln).

Nachdem abschließend mit aufgelegtem Reisig die größte Hitze (ca. 700 – 800 Grad) erreicht wurde, musste alles sehr schnell gehen: Auf die glühenden Gefäße wurde Gras und feuchtes Laub aufgelegt und während dieses qualmend ankohlte wurde die Grube vollständig mit Erde, Sand und den Grassoden bedeckt, so dass eine Art Meiler entstand. Diese Art des Brennens nennt man reduzierenden Brand. Ziel ist es eine schwarz gefärbte Keramik zu erhalten, indem man die Grube möglichst luftdicht abschließt und so dem Feuer den Sauerstoff entzieht. Dies führt zur Reduktion des im Ton enthaltenden Eisenoxids und zur Einlagerung von Kohlenstoff in die Keramik. Nun war die Arbeit für den heutigen Tag beendet, doch in der Grube ging der Prozess des Brennens weiter.

Am nächsten Abend trafen sich die Beteiligten wieder, um den Brand zu öffnen. Da es ausgiebig geregnet hatte, gingen wir davon aus, dass die Temperatur im Inneren sich bereits auf unter 400 Grad reduziert hatte, damit sich die Schwarzfärbung konstant hält.
Wir begannen mit dem Abräumen und merkten schnell, dass es im Inneren der Grube noch sehr heiß war. Aber Neugier und Ungeduld siegten und nach und nach wurden die Gefäße vorsichtig ausgegraben. Es zeigten sich einige interessante Farbspiele auf der Keramik.
Zum Glück hat der Gott des Feuers nur wenige Opfer verlangt und so konnten wir voller stolz das Ergebnis dieses Grubenbrandes präsentieren.

 

Wir freuen uns schon auf die Herstellung der nächsten Keramik und den darauffolgenden Grubenbrand, denn es ist immer wieder aufregend und spannend.

Vielen Dank an Susanne Gütter für Rat und Tat bei diesem Grubenbrand. Ihr Wissen um die Materie hat uns einen so schönen Erfolg beschert.

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