Besuch der Ausstellung „Bärenkult und Schamanenzauber“

Am Mittwoch 2.3. fuhr eine Abordnung der Zeiteninsel mit 14 Personen nach Frankfurt, um die Ausstellung „Bärenkult und Schamanenzauber“ im Archäologischen Museums zu besuchen. Die Fahrt mit dem Zug war mit fünf Einstiegspunkten eine logistische Herausforderung, aber alle fanden sich in Fünfer-Gruppen zusammen, um das Hessenticket zu nutzen.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Bericht im Hessischen Rundfunk und RTL kompakt.

Im Archäologischen Museum im ehem. Karmeliterkloster wurden wir freundlich begrüßt und die Kuratorin Frau Dr. Liane Giemsch war dankenswerterweise spontan bereit, uns eine Führung durch die Sonderausstellung zu geben.

Der erste Teil im Eingangsbereich der Ausstellung befasste sich archäologischen Funden von Höhlenbären und deren Zusammenhang mit Menschen des Eiszeitalters, betrachtet werden Höhlenzeichnungen, rituelle Deponierungen von Bärenschädeln und Artefakte der Jäger und Sammler.
Weitere archäologische Belege wurden im nächsten Raum in Beziehung zum Schamanismus der heutigen Jäger-Sammler-Kulturen im zirkumpolaren Raum, wie den Inuit, Samen oder Jakuten, gestellt. Ethnologische Artefakte wie Schamanentrommeln und eine vollständige Schamanentracht sowie Berichte und Bilder von Reisenden aus dem 18. und 19. Jahrhundert werden vorgestellt .

Eine vollständiger Bilderzyklus des Ablaufs einer historischen Bärenjagd bei den Samen, zeigt sehr eindrucksvoll welche Vorbereitungen und Rituale vollzogen wurden, um einen Bären zu erlegen.
Insgesamt hält die Ausstellung viele interessante Einblicke in das vielfältige und besondere Verhältnis des Menschen zum Bären bereit, das sich durch die Jahrtausende auch archäologisch belegen lässt.

Auch die Dauerausstellung des Archäologischen Museums wurde inspiziert, leider waren die Funde der Steinzeitepochen ausgelagert, um für die Sonderausstellung Platz zu machen.

Das Ambiente des ehemaligen Karmeliter-Klosters ist sehenswert, mit den Fresken an den Wänden und dem schönen Kreuzgang.

Bis zum abendlichen Vortrag nutzten wir die Zeit, um etwas zu essen und die Frankfurter City zu inspizieren.

Um 18:00 Uhr begann dann der Vortrag über „Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg und die mesolithischen Bestattungssitten in Europa“ von Dr. Judith M. Grünberg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte – Halle (Saale)
Der wunderbare Saal war voll besetzt.
Einleitend berichtete die Referentin zunächst allgemein über die archäologischen Nachweise von Bären in ganz Europa und speziell in Deutschland.
Die Verbreitung und Art von Bestattungen aus dem Mesolithikum in Europa und Deutschland, die Verwendung von Ocker bei Bestattungen, die Art der Bestattungen und die Anzahl und das Geschlecht von den Personen in einer Bestattung und auch Tierbestattungen wurden anschließende thematisiert. Im Hauptteil schließlich wurde der außergewöhnliche Fund von Bad Dürrenberg ausführlich vorgestellt. Die Grabbeigaben wurden in Anzahl und Art mit anderen Funden verglichen und hinsichtlich Indizien auf schamanistische Praktiken beleuchtet. Zum Abschluss gab es ein schönes Bild der Rekonstruktion.

Text aus dem Vortragshinweis
„Am 4. Mai 1934 wurde bei Drainagearbeiten im Kurpark von Bad Dürrenberg (Sachsen-Anhalt) das besonders reich ausgestattete Grab einer 25-35 Jahre alten Frau und eines 4-6 Monate alten Säuglings aus dem Mesolithikum gefunden. Es ist eines der ältesten Gräber in Mitteldeutschland. Beide waren vermutlich aufrecht sitzend auf einer alten hoch gelegenen Terrasse am Ufer der Saale beigesetzt worden. Die Grabeinfüllung war mit rotem Ocker gefärbt. Das Grabinventar bestand aus zahlreichen Geräten, Schmuck und unbearbeiteten Tierresten. Ein komplettes schädelechtes Rehgeweih und andere ungewöhnliche Beigaben lassen vermuten, dass in diesem Grab eine Schamanin bestattet worden ist. Die Todesumstände sind immer noch ungeklärt. Der Vortrag wird die neuen Forschungsergebnisse vorstellen und einen Überblick über die Bestattungssitten der letzten Wildbeutergesellschaften in Europa am Anfang der frühen Nacheiszeit geben“

Wir mussten nach dem Vortrag zügig zum Bahnhof marschieren, um unseren Zug nach Marburg noch zu erwischen. Die Rückfahrt war kurzweilig durch angeregte Diskussionen über die Erlebnisse des Tages. Fazit: ein höchst interessanter Ausflug!

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