Schulbesuch

Unser Fördervereins-Mitglied Frau Dr. Astrid Wetzel berichtet über ihren Besuch bei den Schülern der 3. Klasse in der Grundschule Niederweimar in Vorbereitung auf das Projekt „Schulacker 2016“.
„Als ich am 24. Februar die Grundschule Niederweimar betrat, war es draußen bitterkalt. Aber die Kinder waren schon ganz heiß, zu erfahren, was es mit „ihrem“ Ackerprojekt auf der Zeiteninsel auf sich hat. Einige Kinder der 3. Klassen von Frau Freudenstein und Frau Schirmmeister hatten schon von den Schülern des jetzigen 4. Jahrgangs gehört, dass es da so eine Fläche gibt, kaum größer als ihr Klassenzimmer, wo bereits letztes Jahr Getreide gesät und auch geerntet und zu Mehl vermahlen worden war. Aber es sei mühsam gewesen, und hätte dann noch nicht einmal für ein (1) Brot gereicht. 
Das waren genug Hinweise, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Wo genau liegt denn der Acker, warum heißt das Gebiet heute Zeiteninsel und was ist so spektakulär an dem bisschen Wiese, Bach und See und dem kleinen Hügel mittendrin? Da wussten die Kinder aber schon eine ganze Menge Details. Da gab es Kiesabbau und da sind Fundamente für eine große Brücke gebaut worden und man musste dafür graben und hat eine Menge Dinge gefunden: Scherben und Knochen und Mauern und Pfostenlöcher und noch mehr Scherben und einen Angelhaken. Der sei aus der Bronzezeit, habe ich erzählt, und anschließend versucht, das mit den Zeiten, nämlich Eiszeit – Steinzeit – Bronzezeit – Eisenzeit auf die Reihe zu bekommen. Aber sogar den Begriff „Römische Kaiserzeit“ hatten einige der Kinder schon gehört. 
Dann haben wir überlegt, was es alles braucht, um aus Grassamen – und was anderes sind unsere heutigen Getreidearten ja nicht – soviel Körner zu ernten, dass damit ein Brot oder Kuchen gebacken werden kann. Es gab einige Kinder, die aus landwirtschaftlichen Betrieben stammen, und die konnten erzählen, wie und was heute angebaut wird. 
Wir haben gemeinsam „Im Märzen der Bauer“ gesungen und ich war sehr überrascht, dass alle Kinder den Text konnten und zwar alle Strophen! Mit wurde erzählt, dass die Niederweimarer Kinder im Kindergarten „Singpaten“ haben und viele alte Volkslieder kennenlernen. Wir sind dann zusammen anhand des Textes noch mal Schritt für Schritt vorgegangen, vom Pflügen und Eggen zum Graben (=Jäten) und Ernten und haben mit magnetischen Wortkarten den Ablauf vom Säen bis zur Ernte an der Tafel festgehalten. Eigentlich habe sich der Ablauf nicht geändert bis heute, meinten die Kinder. Nur dass alles heute von Maschinen erledigt wird – also mit 100 Pferdestärken statt 1 oder 2. 
Ich habe zum Schluss noch kurz die alten Getreidearten vorgestellt und mit den Kindern gemeinsam ein mitgebrachtes Brot verspeist, nämlich ein mit Sauerteig angesetztes Dinkelbrot mit Grünkern (unreif geernteter Dinkel). Ob die Germanen schon Sauerteig kannten? Und dann haben wir überlegt, warum es auch heute sinnvoll ist, alte Getreidearten und ursprüngliche Weizensorten wieder anzubauen. 
Mit diesem ganzen Wissen gewappnet kann eigentlich für die Jungbauern und ihrem Ackerprojekt nichts mehr schief gehen. Sogar der Begriff Dunkelkeimer wurde geklärt und warum dass Feld mit einem Zaun geschützt ist. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen! 
Zum Schluss der Doppelstunde kam sogar noch eine leibhaftige Germanin zu Besuch. Mit Bundschuhen, einem mit Fibeln zusammengehaltenen germanischen Gewand und emsig mit einer Spindel Flachs spinnend. Die Kinder hörten andächtig zu, was diese Frau (Monika Mosburger) über ihren mühsamen Alltag zu berichten wusste. Ob sich einige Schüler und Schülerinnen überlegt haben, dass Schule vielleicht die bessere Alternative zum Leben in der Eisenzeit ist?“
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