Ein Wochenende mit der Köpertechnik

Auch in diesem Jahr fand wieder ein Workshop zum Historischen Brettchenweben mit der bekannten Textilspezialistin Sylvia Crumbach vom Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen statt.
Sechs interessierte Teilnehmer stellten sich der Herausforderung, in nur zwei Tagen die Grundlagen des Brettchenwebens zu erlernen.

In einer kurzen Einführung ging Frau Crumbach auf erhaltene Brettchenborten aus Mooren, der Wüste und Salzbergwerken ein. Sie wies darauf hin, dass diese erhaltenen Textilien selten, bruchstückhaft und ohne Kontext in der Überlieferungssituation sind. Schöne Brettchenborten sind aus Kirchenschätzen wie St. Severin erhalten, wo Reliquien in Stoffe eingewickelt wurden.
Aus der Zeit der Wikinger sind erste Brettchen mit vier Löchern bekannt. Das bekannte Oseberg Grab (Norwegen) enthielt auch Borten.
Die Kenntnis über die Technik zum Erstellen von Brettchengeweben ging in Europa verloren und über Experimentelle Archäologie wird heute versucht, die Herstellungsmethoden historischer Brettchenborten zu entschlüsseln.

Danach ging es auch gleich los mit der Vorstellung von verschiedenen Brettchen, Webrahmen und Beispielen von Textilien, die Frau Crumbach mitgebracht hatte.
Grundlage für die Herstellung von Brettchenborten ist die Erstellung von Muster-Webbriefen. Durch das Schreiben eines Webbriefes erhält man eine Vorstellung von der Technik, in der man weben will. Damit waren die Kursteilnehmer nun den Rest des Tages beschäftigt. Mit einem Musterkärtchen wurden die Drehbewegungen imitiert. So konnte festgelegt werden, wann Kärtchen vorwärts oder rückwärts gedreht werden müssen, um ein bestimmtes Muster zu erreichen.

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An diesem Wochenende lag der Schwerpunkt im Erlernen der Köpertechnik, einer Technik, die sich sehr vielfältig nutzen lässt und die historisch belegt ist.
In dieser Technik erscheinen diagonale Muster. Die Brettchen werden mit jeweils zwei Fäden in einer hellen und einer dunklen Farbe bespannt.

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Für die jüngste Teilnehmerin wurde eine einfache Kette mit einem Streifenmuster auf dem Webrahmen aufgespannt, so dass sie gleich mit dem Herstellen ihrer Borte loslegen konnte. Sie konnte am Ende des ersten Tages schon ein schönes Stück gewebter Borte vorzeigen, während die anderen Kursteilnehmer noch über ihren Webbriefen brüteten.

20190316_112747_SnapseedIn diesem Kurs wurde der Fund einer mit Brettchen gewebten Borte aus Alvastra in Schweden als Grundlage für das Muster genutzt. Von dieser Borte sind ca. 80 cm erhalten, sie stammt aus dem Jahr 1327. Im Original besteht die 1,2 cm breite Borte aus Seide und Leinen mit Goldlahn broschiert.

Am zweiten Tag ging es dann frisch ans Werk, jeder Teilnehmer suchte sich seine Farben aus und dann ging es los mit dem Aufziehen der Kette auf die Webstühle. Die Teilnehmer erlernten den sogenannten endlosen Aufzug, bei dem die Fäden durch alle Brettchen gleichzeitig gezogen und dann einzeln abgelassen werden, während die Fäden auf den Webstuhl gespannt werden.

Nach dem Einrichten der Webstühle begannen nun alle, anhand der Webbriefe das Muster zu weben. Für die Anfänger war dies eine große Herausforderung und durch Versuch und Irrtum fanden sie langsam in einen Rhythmus rein.
Es entstand eine konzentrierte Stille, nur unterbrochen von Hilferufen, wenn irgendetwas nicht richtig lief. Alle Probleme konnten meist schnell durch Sylvia Crumbach behoben werden und so entstanden nach und nach schöne Muster.

Eine Teilnehmerin beschäftigte sich nachmittags noch mit der Technik des Broschierens, wo ein einfarbiges Band als Unterlage erstellt wird und ein sogenannter Broschierfaden das Muster bildet.

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Am Ende des Tages waren sich alle einig, es war ein interessantes und kreatives Wochenende.
Unser Dank geht an Sylvia Crumbach, die uns einen Einblick in diese interessante Technik des Brettchenwebens gegeben hat.
Wir freuen uns schon auf den nächsten Workshop, denn eins ist klar, es gibt noch viel zu lernen.

Hier finden Sie den Bericht über den letzten Workshop Historisches Brettchenweben.

 

Text und Fotos: Meike Schuler-Haas

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