Die Innenausstattung des Rössenhauses

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Wir haben alle eine ziemlich genaue Vorstellung von dem was zum Inventar eines heutigen Haushalts gehört. Es wäre schön, wenn wir dies genauso auf die Inneneinrichtung eines Rössener Haushaltes vor 6600 Jahren übertragen könnten. Bei den Ausgrabungen in Niederweimar hat man anhand von Pfostenspuren zwar die Gebäudegrundrisse rekonstruieren können, der Innenraum war aber weitestgehend Fund-leer.

Deshalb stellt sich zu Recht die Frage: Was wissen wir zur Inneneinrichtung eines solchen Gebäudes aus der Jungsteinzeit, was ist archäologisch belegt?

Es gäbe die Möglichkeit den Innenraum als leere Scheune darzustellen. Wir haben uns für eine andere Herangehensweise entschieden und wollen flexibel auf archäologische Ausgrabungen reagieren. Die Einrichtung wird dann entsprechend erweitert oder wieder verändert. In den letzten Monaten sind so mehrere Einrichtungsgegenstände von Torsten Jäger gebaut worden.

Fenster: Das Haus wurde mit Fensteröffnungen gebaut. Eine Möglichkeit, diese Fensteröffnungen (vor allem im Winter) zu verschließen, ist die Verwendung von Rohhaut auf Holzrahmen. Auf den Bildern ist zu sehen wie Andreas Thiedmann und Torsten Jäger diese Ziegenrohhaut durch abschaben herstellen. Die fertige Rohhaut ist sehr stabil und benötigt einen starken Rahmen, da sie sich beim Trocknen sehr stark zusammenzieht. Die fertige Rohhaut lässt das Sonnenlicht sehr schön in den Innenraum leuchten und bietet einen guten Windschutz.

 

Bänke: Es wurden bisher keine Sitzmöglichkeiten bei Ausgrabungen gefunden. Gefundene tönerne Idole aus der Kultur der Linearbandkeramik (der ältesten bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit) sind allerdings auf Sitzmöbeln dargestellt worden und dienen als Vorbild. Man könnte kritisch argumentieren und sagen, dass die Sitzmöbel Göttern und Idolen vorbehalten waren und Menschen diese nicht benutzt haben. Die hier nachgebauten Sitzbänke sind aus Eichen und Eschenholz mit Beinen aus Erle. Bei der Herstellung wurde darauf geachtet, dass nur Handwerkzeuge wie Dechsel und Stemmwerkzeuge verwendet wurden. Die Stämme wurden gespalten und abgelängt. Die Sitzfläche mit dem Dechsel geglättet. Die Löcher für die Beine wurden auf der Unterseite mit Stemmwerkzeugen hergestellt. Insgesamt sind so acht Bänke entstanden.

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Wangenthron: Die Idee einen Wangenthron zu bauen, stammt ebenfalls von der Darstellung eines Linearbandkeramischen Idols. Dieses Idol wurde auf so einem Thron dargestellt. Alleine die Herstellung war sehr aufwändig und dauerte ungefähr fünf Arbeitstage. Der Wangenthron ist entsprechend auch nicht als Alltagsgegenstand zu bewerten. Im Rössenhaus dient er als Sitzmöbel für das Oberhaupt der Familie und bekommt einen zentralen Platz am tragenden Innenpfosten des hinteren Raumteils. Als Holz wurde Weide benutzt.

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Bett: Im hinteren Teil des Hauses wurde ein Bett gebaut. Es gibt hierzu keine Funde. Meine Überlegung zur Begründung war Folgende: warum sollen wir annehmen, dass Menschen die ein so riesiges Haus gebaut haben auf dem Boden schlafen. Im Winter war der Lehmboden kalt und feucht. Aus diesem Grund wurden zwei große Erlenstämme ins Haus bewegt. In diese Stämme wurde eine Nut gestemmt auf die dicke handbehauene Eichenbohlen aufgelegt wurden.

 

 

 

Text: Torsten Jäger Bilder: Torsten Jäger, Meike Schuler-Haas

Die Zeiteninsel im ereignisreichen Jahr 2018

In den vergangenen 12 Monaten ist wieder viel auf der Zeiteninsel passiert, wir berichteten hier im Blog und an anderen Stellen regelmäßig. Dies wird auch in 2019 der Fall sein, doch dazu später mehr!

Mit dem Saison-Beginn im März startete auch das auf mehrere Monate angelegte „Schulacker-Projekt“ mit zwei 3. Klassen der Grundschule Niederweimar. Diese Projektkooperation besteht nun schon seit 2014 und lässt die SchülerInnen den mühsamen Weg von der Vorbereitung des Ackers, zur Aussaat des Saatgutes („steinzeitlicher“ Art; Emmer, Einkorn und Nacktgerste), der Feldpflege, hin zur Ernte und Verarbeitung der Körner nachvollziehen. Am Ende des Projektes im Oktober folgte der gebührende Abschluss in Form eines Backtages. Wir berichteten u. a. hier darüber.

Im Frühjahr waren wir auch schon kräftig mit den Planungen für unsere diesjährige Großveranstaltung „Geschichte(n) erleben“ im Mai beschäftigt: Diverse Gruppen, einzelne DarstellerInnen und Aktive des Fördervereins boten den zahlreichen BesucherInnen einen bunten Querschnitt durch sämtliche auf der Zeiteninsel vertretene Epochen. Von der Mittelsteinzeit über die Jungsteinzeit, Bronze- und Eisenzeit bis zur Römischen Kaiserzeit gab es auf dem Gelände Mitmachangebote, Vorführungen und die Möglichkeit, mit den Fachkundigen über die jeweilige Zeitstellung zu sprechen. Es ging vor allem um die Vermittlung von Techniken, wie der Bearbeitung von Feuerstein und Holz, der Herstellung von Gefäßen aus Ton und metallurgische Verfahren. Auch in 2019 wird es eine große Veranstaltung geben, die derzeit in Vorbereitung ist. Wir laden Sie hierzu schon jetzt herzlich ein, am 25./26. Mai 2019 auf die Zeiteninsel zu kommen! Weitere Informationen folgen.

Auch baulich geschah wieder einiges: Im Frühsommer wurde mit der Errichtung des Hauptgebäudes in der Station Römische Kaiserzeit begonnen. Hier entsteht ein 30 m langes Wohnstallhaus in frühgermanischer Bautradition. Der Rohbau ist mittlerweile errichtet und die Dachdeckung durch Lärchen-Holzschindeln ist nun auch abgeschlossen. In 2019 folgt noch ein Nebengebäude zur Gehöftanlage.

Außerdem fanden im Sommer weitere Arbeiten am Rössen-Haus in der Station Jungsteinzeit statt. Im Fokus standen zum einen die Dachdeckung mit Lindenrindenschindeln sowie zum anderen die Lehmarbeiten an den Wänden. Die Rindenabschnitte konnten im Verlauf des Jahres u. a. im Rahmen der Arbeitseinsätze an den Dachlatten festgebunden werden. Die Dachdeckung in „Mönch-Nonne-Technik“ wird im kommenden Jahr fortgeführt, da sie sich als sehr zeit- und materialaufwendig herausstellte. Ein schöner Nebeneffekt der Dachdeckaktion ist, dass wir viele Bündel Lindenbast gewinnen konnten. Die „Verlehmung“ der Außenwände sowie den Einbau einer Innenwand und eines Backofens im jungsteinzeitlichen Haus übernahmen dankenswerterweise  Jugendliche aus verschiedenen Ländern, die im Rahmen eines in Kooperation mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) durchgeführten Workcamps zu uns kamen. Am Freiwilligentag der MitarbeiterInnen der Landkreisverwaltung im September wurden weitere Handgriffe daran getan, schließlich haben eigene Kräfte das Werk vollendet.

Außerdem ist an dieser Stelle die mehrfache Unterstützung durch Jugendliche, die durch eine Kooperation mit der JUKO Marburg e.V. mehrfach auf dem Gelände arbeiteten, zu nennen. Sie füllten nicht nur die Brennholzvorräte auf, sondern bewegten viel Erde und bereiteten Weidenruten vor.

Im Verlauf der Veranstaltungssaison 2018 konnten wir zahlreiche Schulklassen, die für Projekttage mit Workshops oder auch für eine Führung zu uns kamen, begrüßen. Schön, dass die Zeiteninsel auch über das Marburger Umland hinaus immer bekannter wird. So kamen die Schüler beispielsweise aus Solms, Wetzlar und Stadtallendorf. Erstmals konnten wir in diesem Jahr auch Veranstaltungen für Menschen mit Behinderung anbieten. Sie kam durch eine Kooperation mit dem Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf e.V. zustande, die in 2019 fortgeführt wird.

Wir freuen uns sehr, dass wir die Frequenz von Kindergeburtstagen im Vergleich zu 2017 auf der Zeiteninsel deutlich steigern konnten. Bei uns erleben die Kinder einen Geburtstag der besonderen Art samt Zeitreise und das scheint sich herumzusprechen!

Insgesamt acht Kurse ergänzten das vielfältige Veranstaltungsprogramm des ersten und zweiten Halbjahres in 2018. Hier war wirklich für Jeden etwas dabei: Keramikkurs, Bronzewerkstatt, Brettchenweben, Kräuterwanderung…. Das Programm für 2019 steht und ist ab Januar auf unserer Homepage, Facebook und auf dem Blog einsehbar. Flyer liegen bereits vielerorts, u. a. in der Tourist-Information in Marburg aus.

Neben dem Fortführen der baulichen Realisierung ist auch bei der inhaltlichen Gestaltung der einzelnen Zeitstellungen erfreuliches zu vermelden: Im Dezember erhielten wir durch die Landrätin Kirsten Fründt eine nicht unbeträchtliche Förderung der Region Marburger Land e.V., für die wir uns an dieser Stelle sehr herzlich bei allen Beteiligten bedanken möchten. Sie dient der Erstellung einer Studie zum Vermittlungskonzept, eine Aufgabe, die in 2019 auf unserer Agenda stehen wird und in Zusammenarbeit mit der Kulturberatungsagentur concultura aus Bonn realisiert werden soll.

So schließen wir mit dieser positiven Nachricht das ereignisreiche Jahr 2018 ab und blicken voller Vorfreude und Spannung auf 2019! Das Team der Zeiteninsel wünscht Ihnen erholsame Weihnachtstage und einen guten und gesunden Start in das neue Jahr. Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen!

Arbeitseinsatz und Jahresabschlussfeier im Dezember

Am 1.12., dem ersten Samstag im Monat, fand der letzte Arbeitseinsatz in 2018 auf der Zeiteninsel statt. Außerdem war an diesem Tag eine kleine Jahresabschlussfeier geplant, ein Dankeschön für das große Engagement der Aktiven für die Zeiteninsel.

Eine wichtige Aufgabe stand an: Die Arbeiten an einer Lehmwand im jungsteinzeitlichen Rössen-Haus, an der auch schon während des Freiwilligentages im September (hier findet sich der Bericht) gearbeitet wurde, sollten abgeschlossen werden. Doch zunächst konnten die Aktiven den deutlich sichtbaren Bau-Fortschritt der aktuellen Baustelle, des „Germanengehöfts“ aus der frühen römischen Kaiserzeit, bewundern.

5 Römische KaiserzeitHier geht es nicht nur in der Konstruktion des Rohbaus voran, auch die Dachdeckung nimmt Gestalt an. Die Holzschindel-Stapel, verwendet wird übrigens Lärchenholz, die sich derzeit noch rund um das Haus verteilen, werden Tag für Tag kleiner.

Dann ging es aber los: Der Lehm für die Wand wurde zunächst mit Stroh gemagert und unter Zugabe von Wasser zu einer gut auftragbaren Masse vermischt. Beidseitig an der Wand arbeiteten zwei bis drei HelferInnen mit der Hilfe von Kellen (oder auch direkt mit der Hand) und warfen den Lehm mit viel Schwung an die Wand (näheres zum Lehmputz ist auch hier zu finden).

Währenddessen wurde schon das Feuer im Rössen-Haus angezündet und um die Mittagszeit machten es sich die knapp 20 Teilnehmenden an der Herdstelle gemütlich. Beim gemeinsamen Essen entstanden interessante Gespräche, die sich zugegebenermaßen nicht nur um archäologische Themen drehten.

Es war schön, noch einmal die Gelegenheit zum Austausch zu haben. Der nächste Arbeitseinsatz findet dann erst wieder am 2. Februar 2019 statt.

Wir danken an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich allen Aktiven des Museumsprojektes für die großartige Unterstützung in diesem Jahr!

Keramikmeilerbrand auf der Zeiteninsel

Im August trafen sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Keramik-Workshops (wir berichteten), um ihre nach prähistorischen Vorlagen gefertigten Gefäße zu brennen.

In den vergangenen Jahren hatten wir bereits mit Grubenbränden oder offenen Feldbränden Erfahrungen gesammelt. Diesmal haben wir uns auf Anregung der Kursleiterin Susanne Gütter mit einem anderen Brennverfahren etwas Besonderes vorgenommen: Einen sogenannten Meilerbrand, bei dem unter einer Rasensodenabdeckung durch den Entzug von Sauerstoff während des gesamten Brennverlaufs die typische Schwarzfärbung bis in den Kern vorgeschichtlicher Keramikgefäße erzielt wird. Im Gegensatz zu den Gruben- oder Feldbränden wird hier das gesamte Brennmaterial bereits vor dem Entzünden des Feuers eingebaut.

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Archäologisch lassen sich Brennverfahren wie Gruben- oder Meilerbrände von Keramik kaum nachweisen, da eventuell erhaltene Feuergruben durchaus unterschiedlich genutzt worden sein können.
Eindeutige Nachweise über die Art des Keramikbrandes stehen erst zur Verfügung, als Öfen gebaut wurden, wie sie z. B. in Einzelfällen aus der Jungsteinzeit (Trichterbecherkultur), häufiger jedoch erst aus der späten Bronzezeit und Eisenzeit bekannt sind.
Im Lahntal wurden bei Ausgrabungen Nachweise für Keramik-Brennöfen aus der Latènezeit (Eisenzeit) gefunden, die zu einem späteren Zeitpunkt auch auf der Zeiteninsel rekonstruiert werden sollen.

Meiler sind uns von der Holzkohleherstellung bekannt. Holz wird dabei in einer Kegelform aufgestapelt und dann mit Erde luftdicht verschlossen, bis auf eine Stelle oben, die freigelassen wird. Hier werden dann glühende Kohle eingebracht und danach die Lücke geschlossen. Nun beginnt der Vorgang der Verkohlung, der durch kontrollierte Luftzufuhr durch Zuglöcher gesteuert und überwacht werden kann.

Wir haben für unseren Meilerbrand zunächst eine bereits vorhandene Grube mit einem Durchmesser von 1,80 m auf ca. 45 cm vertieft. Auf den Grund wurde eine Schicht Brennmaterial (Reisig, dünne Zweige und eine 5 cm dicke Lage Stroh) aufgebracht.
Nun wurden die Gefäße mit Heu gefüllt und kleinere Gefäße in größere eingesetzt. Anschließend wurden die Gefäße vorsichtig mit der Öffnung nach unten auf das Strohbett eingesetzt. Eine bemalte Schüssel, die nicht ganz schwarz gebrannt werden sollte, wurde mit der Öffnung nach oben im Oberbereich platziert.

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Auch eine Serie von lokalen Tonproben und Gefäßnachbildungen einer endneolithischen Fundstelle der Wartbergkultur bei Wittelsberg, die im Rahmen eines Forschungsprojektes von Marianne Talma (Christian-Albrechts-Universität Kiel) und Susanne Gütter angefertigt worden waren, fanden in unserem Meiler Platz. Eine Reihe von sogenannten „Segerkegeln“ sollte durch ihre definierte Schmelztemperatur die erzielte Brenntemperatur anzeigen.

Das Brenngut wurde nun mit weiterem Stroh und Brennholz überdeckt, wobei wir überwiegend gutes Buchen-Leseholz mit Durchmessern bis 5 cm verwendeten.

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Es wurde wesentlich weniger Brennmaterial verwendet als bei unseren anderen Bränden, bei denen während des Brandes laufend nachgelegt werden musste.

Zuletzt wurden abgestochene Rasensoden kuppelartig um Keramik und Brennmaterial herum aufgeschichtet, wodurch quasi ein geschlossener „Einmalofen“ entstand. Aufgrund der Trockenheit der letzten Monate waren die Soden porös und nicht feucht, was wahrscheinlich einen deutlichen Einfluss auf das Verhalten des Meilers hatte.
Ganz unten zur Grubensohle hin wurden im Kreis vier lange Holzstangen von 4 cm Durchmesser liegend mit eingebaut, die später herausgezogen werden konnten, um bei Bedarf unter dem Rasensodenwall Lüftungskanäle zur Grubensohle öffnen zu können.

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Bevor die Rasensodenkuppel nun ganz geschlossen wurde, brachten wir zwei Schaufeln voll glühender Kohlen (aus einer separaten Feuerstelle) oben auf das Brennmaterial im Meiler auf. Nach einiger Zeit, in der sich das Feuer verbreiten konnte, wurde die letzte Rasensode oben auf die Kuppe des Meilers gesetzt, bevor sich noch große offene Flammen in das Brennmaterial weiter ausbreiten konnten.

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Brandverlauf
Nachdem der Meiler verschlossen war, drang direkt starker Rauch aus kleinen Lücken in der Rasensodenabdeckung. Größere Löcher wurden verschlossen.
In den folgenden Stunden beobachteten wir den Meiler ständig. Immer, wenn aus Öffnungen zu viel Rauch austrat, verschlossen wir diese mit Grassoden. Als der Prozess einmal ins Stocken zu geraten schien und der Rauchaustritt sich stark abschwächte, wurden auf halber Höhe einige Luftlöcher von rund 4 cm Durchmesser in den Meiler gestochen. Verstärkter Rauchaustritt belegte bald darauf die Wirksamkeit der Maßnahme.

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Abends wurden noch einmal einige Rasensoden aufgelegt als die Abdeckung bereits durchgeglüht war. Um Mitternacht war der Meiler dann ordentlich heiß und gut im Gang. Im Laufe der Nacht musste die Abdeckung erneuert werden, früh morgens hatte sich auf der nordwestlichen Seite ein etwa 20 – 25 cm großes Loch in die Abdeckung gebrannt.
Susanne Gütter, die die Nachtwache übernommen hatte, verschloss den Meiler mit einem großen Metalldeckel (von einem alten Waschzuber) wieder. Der Deckel wurde mit Soden abgedeckt und ringsum mit etwas Erde weitgehend abgedichtet.
Morgens war der Meiler dann noch aktiv, mittags rauchte er allerdings weit weniger stark.

Der Zustand war nun statisch recht stabil, ein Kranz von etwa fünf Löchern in Kniehöhe war noch offen. Ebenso einige Abzugsfugen unter dem Deckel.
Die Ritzen wurden abends geschlossen.
Der Meiler war unregelmäßig aktiv, so dass es länger dauerte, bis er sich durch das Brennmaterial durchgefressen hatte. Dies wäre im Nachhinein für das Durchbrennen der Keramik und Halten der Temperatur wohl noch gut gewesen.
Die unteren Luftlöcher mit den Holzstangen rührten wir nicht an, denn wir hatten nicht das Gefühl, dass wir von ganz unten Luft zuführen müssten.

In den nächsten Tagen wurde der Meiler weiterhin mindestens zweimal täglich kontrolliert.

Nach drei Tagen wollten wir den Meiler öffnen und stellten schon bei der ersten Berührung fest, dass er noch viel zu heiß war.

Auch zwei Tage später ging es uns genauso und die Spannung stieg weiter.

Wir einigten uns darauf, den Meiler an einer Stelle etwas zu öffnen, um nachzusehen, ob die Keramik schwarz gebrannt ist und es noch Glut im Inneren gab.

Der Zustand des Meilers ließ sich zu diesem Zeitpunkt folgendermaßen beschreiben:
Der komplette Rasensodenwall war bis auf ganz wenige Sodenreste inzwischen durchgeglüht und hatte sich in heiße Erde verwandelt, die die Grube nun komplett ausfüllte und die Gefäße einbettete. Der äußere Ring der Erde war oxidiert und nach innen hin zunehmend zu krümeligem „Brandlehm“ gebrannt. Im Inneren war die Erde – zumindest auf dieser Seite – schwarz reduziert und die zwei Gefäßstellen, die wir sehen konnten, sahen wunderbar schwarz/dunkel und gut durchgebrannt aus! Allerdings war darunter die Holzkohle sicher z. T. noch glühend, da bereits auf der Keramik noch aufliegende durchgekohlte Stöckchen durch die Luftzufuhr direkt
wieder aufglühten.

Wir haben im Außenrand-Bereich unserer Grube ein Stück herunter gegraben, aber nicht ganz bis zur Sohle, da uns währenddessen klar wurde, dass das in der Tiefe der Grube und im Zentrum ganz sicher noch nicht ohne Risiko für die Gefäße – und unsere Schuhsohlen – gewesen wäre. Also sind wir noch einmal zurückgerudert und haben alles wieder zugefüllt. Nur die Deckschicht auf dem Metalldeckel haben wir bis auf eine dünne kaschierende Streuschicht abgeräumt, damit es nach oben etwas leichter auskühlen konnte.

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Öffnen des Meilerbrandes
Nach einer Woche konnte der Meiler nun endlich geöffnet werden. Es war immer noch sehr warm, aber mittlerweile möglich, die Keramik zu entnehmen.
Wie sich herausstellte, war die Brenntemperatur an einigen Stellen nicht hoch genug, so dass einige Stücke nicht ganz gar gebrannt waren, während andere gut durchgebrannt klangen und aussahen. Auf der Grubensohle war ein Teil des Bettes aus Reisig und kleinen Ästen noch unverbrannt geblieben.
Nur eine Schale ist kaputt gegangen, alle anderen Keramiken haben den Brand unbeschadet überstanden. Die Brennfarben waren überwiegend schwarz bis braun
Für die Gefäße, die nicht richtig durchgebrannt waren, gab es einen weiteren Brenntermin.

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Fazit:
Der Meiler hat durch einen sehr gleichmäßigen Temperaturanstieg für einen Brennverlauf fast ohne Verluste geführt.
Wir haben nur recht wenig Brennmaterial benötigt (eventuell hätte etwas mehr Kleinholz eine höhere Brenntemperatur begünstigt).
Der Brennprozess war nicht vollständig gleichmäßig verlaufen und hatte lange Zeit in Anspruch genommen. Am Ende war er jedoch weitgehend durchgeglüht.

Die hohe Kunst ist bei diesem Brennverfahren das Abschätzen der nötigen Luftzufuhr. Da man während des Brandes keinen Einblick in das Innere des „Rasensodenofens“ hat, braucht es viel Erfahrung, die Rauch- und Hitzeentwicklung richtig einzuschätzen und zu steuern. Bei diesem ersten Meilerbrand hatten wir wohl etwas zu wenig Luftzufuhr zugelassen um die Reduktion nicht zu gefährden.

Bei dem zweiten Meilerbrand im September haben wir mit einem Thermometer den Brenntemperaturverlauf besser verfolgen und somit auch besser steuern können. Durch kleine Veränderungen im Aufbau (flacher auslaufende Grube, Bett u. a. aus Ziegendung, mehr und pyramidenförmig aufgeschichtetes dünnes Brennholz, Entzündung im Kreis am ganzen Außenrand vor Abdeckung mit flach aufgelegten Rasensoden) und der Luftführung (mehr Luftlöcher) ist dieser zweite Brand dann bereits hitziger, gleichmäßiger und flotter verlaufen. Das Holz war dabei wie in einem Kohlenmeiler nur verkohlt. Mit noch etwas mehr Luftzufuhr hätte also eine noch höhere Temperatur erreicht werden können. Die Gefäße kamen aus diesem zweiten Meilerbrand vollständig schwarz hervor.

Es wird mit Sicherheit im kommenden Jahr noch einmal einen Meilerbrand geben. Wir werden dabei weiter experimentieren mit einem optimierten Aufbau und noch etwas mehr Luftzugabe.

Wir bedanken uns bei Susanne Gütter für diese tolle Erfahrung und alle Freiwilligen, die sich um den Meiler über mehrere Tage gekümmert haben.

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Text: Meike Schuler-Haas und Susanne Gütter

Freiwilligentag des Landkreises Marburg-Biedenkopf

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf veranstaltet jedes Jahr einen sogenannten
„Freiwilligentag“, an dem Mitarbeitende des Landkreises einen Tag lang ehrenamtlich
Vereine und Initiativen bei Projekten tatkräftig unterstützen.
Auf diese Weise soll die Bedeutung des Ehrenamtes unterstrichen werden.
Hier können Sie die Pressemitteilung des Landkreises lesen.
Schon im Jahr 2016 war die Zeiteninsel am ersten Freiwilligentag mit dem Bau eines
Lehmbackofens beteiligt und in diesem Jahr waren wir auch wieder dabei.
An einem sonnigen Tag im September trafen sich vier freiwillige Helferinnen und
Helfer des Landkreises auf der Zeiteninsel, um hier einen gemeinsamen Tag zu
verbringen.
Gestartet wurde morgens mit einer Führung über das Gelände, denn die
meisten waren noch nie auf der Zeiteninsel gewesen.
Im Anschluss an die Führung begannen dann die Vorbereitungen zum Verstreichen einer Flechtwand im Rössener Haus mit Lehm.
Hierzu mischten die Freiwilligen zunächst trockenen Lehm mit Wasser und vermischten diesen mit gehäckseltem Stroh. Nach einer kurzen Einweichzeit konnte es losgehen.
Das Flechtwerk wurde mit nassen, zusammen gebundenen Grasbündeln
angefeuchtet.
Zwei Personen, die jeweils an den zwei Seiten der Wand standen, formten anschließend Ballen aus dem Lehm und warfen diesen dann zeitgleich an die Wand.
Es gab viel Spaß, wenn sich die Lehmballen verfehlten und durch den Raum flogen oder andere Personen trafen.
Mit etwas Übung funktionierte das Synchron-Werfen aber immer besser. Bis zur
Mittagszeit war bereits ein großer Teil der Wand fertig gestellt.
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Im Rössener Haus wurde mittags dann an der Kochstelle angefeuert und gegrillt.
Danach ging es zum Bogen schießen, als kleine Sondereinlage.
Diese Aktivität machte allen Freiwilligen großen Spaß, auch wenn so mancher Pfeil am Ziel vorbei ging.
Nach dieser schönen Mittagspause mobilisierten die Freiwilligen noch einm20180914_153246_kleinal alle
Kräfte. So konnte die Wand mit der Grundschicht fertig gestellt werden.
Der Tag war viel zu schnell vorbei.
Bei einem gemeinsamen Essen zum Abschluss des Freiwilligentages am Landratsamt informierte sich die Landrätin Kirsten Fründt über das Erlebte und dankte den Anwesenden für ihr Engagement.
Wir möchten den den Mitarbeitenden des Landkreises an dieser Stelle ebenfalls für
ihren tatkräftigen Einsatz auf der Zeiteninsel herzlich danken und hoffen auf ein
baldiges Wiedersehen!

Arbeitseinsatz im August

Die Sonne meinte es sehr gut mit den Aktiven der Zeiteninsel, die sich wie an jedem ersten Samstag im Monat wieder auf dem Gelände trafen. Im schönsten Sonnenschein begannen die motivierten Freiwilligen gegen 10 Uhr mit den Arbeiten. Für ein Team ging es auch gleich in luftige Höhe: Sie führten – weitestgehend schwindelfrei – die Lindenrindenschindel-Dachdeckung fort.

Ein zweites Grüppchen gewann, wie bereits beim Arbeitseinsatz im Juli, wieder Lindenbast (Bericht Arbeitseinsatz Juli). Die Beteiligten freuten sich vor allem auf das Ausspülen der Baststücke am Bacheinlauf, denn dieser Arbeitsschritt versprach wohltuende Abkühlung.

Es wurde außerdem wieder einiges an Holz gehackt sowie der Par Allna-Einlauf freigeräumt.

Dem Wetter angemessen kamen zur Mittagszeit Würstchen auf den Grill. Die Aktiven genossen die angenehmen Temperaturen im Rössen-Haus und die gemütliche Atmosphäre.6Einige nutzten den Bach als Freibad. Erfrischt ging es dann auf zum zweiten Teil des Tages und die Arbeiten vom Vormittag wurden fortgeführt.

Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, es war wieder sehr schön und wir haben einiges geschafft!

Der Bau des Rössenhauses schreitet voran

Derzeit wimmelt es wieder am Nachbau des jungsteinzeitlichen Rössenhauses: nachdem vor kurzem mit der Lindenrindenschindel-Dachdeckung (siehe auch: Ein Arbeitseinsatz der besonderen Art) begonnen wurde, ist nun eine Gruppe Jugendlicher samt zwei Betreuern fleißig am werkeln. Sie sind über eine Kooperation mit den ijgd (ijgd Jugendbauhütte Hessen-Marburg), den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten, zu uns auf die Zeiteninsel gekommen. Die ijgd begleiten Freiwillige in verschiedenen Freiwilligendiensten in Deutschland in rund 70 Ländern weltweit.3 klein 3Die jungen Helferinnen und Helfer tragen einen wichtigen Teil zum weiteren Baufortschritt des Hauses bei: Ihre Aufgabe umfasst die Belehmung der Seitenwände von außen und von innen sowie die Fertigstellung des Flechtwerkes einer eingezogenen Wand im Inneren des Hauses.

Auch die geflochtene Giebelwand wird mit Lehm bestrichen. Die bunt gemischte Gruppe kommt unter anderem aus Polen und Italien und arbeitet hochmotiviert, bereits nach wenigen Tagen ist ein großer Teil der Wände dicht. Man merkt, dass sie mit Spaß bei der Sache sind.

Wir danken den Beteiligten ganz herzlich für ihren tollen Einsatz!

Ein Arbeitseinsatz der besonderen Art

Am vergangenen Samstag trafen sich 11 freiwillige Helferinnen und Helfer auf der Zeiteninsel, um gemeinsam den Tag zu verbringen. Diesmal ging es um zwei ganz besondere Projekte: die Dachdeckung des Vordaches am Rössenhaus mit Lindenrindenschindeln und die Gewinnung von Lindenbast.

Unter der Anleitung von Wulf Hein begannen morgens bereits die Dachdeckerarbeiten. Hierzu wurden die vor kurzem „geernteten“ Lindenrindenabschnitte (im Schnitt 80 cm lang) in Mönch-Nonne-Technik auf dem Dach angebracht. Dabei werden die jeweils von einer Stammhälfte abgenommenen Rindenstücke mit der Innenseite nach oben wie eine offene Rinne mit jeweils halber Länge Überdeckung das Dach hinauf verlegt: das sind die Nonnen. Zwei nebeneinander liegende Nonnen-Reihen werden nun über ihrer Stoßkante mit einer umgekehrt aufliegenden Schindelreihe – den Mönchen – überdeckt.

Jede einzelne Schindel wird so ausgesucht, dass sie exakt zu den übrigen passt und so ist diese Art, ein Dach zu decken, etwas puzzelig und zeitaufwändig. Die Schindeln werden gelocht und an den Dachlatten mit Seilen festgebunden, so dass sie nicht herunter geweht werden können.

Bei herrlichem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen war dies eine sehr schweißtreibende Angelegenheit und wer Höhenangst verspürte, war hier nicht am richtigen Ort, denn es ging hoch hinaus.

Mittags wurde die Feuerstelle im Rössenhaus angeworfen und leckere Würstchen gegrillt. Alle genossen die Pause im kühlen, schattigen Gebäude. Danach ging es dann gestärkt wieder ans Werk.

Am Ende des Tages waren bereits mehrere Reihen Schindeln auf dem Dach angebracht. Einige Tage Arbeit liegen jedoch noch vor den Dachdeckern.

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Diesen Samstag nutzten auch einige Besucher, um an offenen Führungen über das Gelände teilzunehmen – eine gute Gelegenheit, um sich über die Baufortschritte zu informieren. Da das Gelände mit Beginn der Bauarbeiten am Wohnstallhaus der Germanen seit Anfang Juli nicht mehr öffentlich zugänglich ist, bietet der erste Samstag im Monat eine Möglichkeit mit den angebotenen offenen Führungen, das Gelände zu besichtigen.

Eine zweite Gruppe beschäftigte sich am Samstag mit der Gewinnung von Lindenbast, einem Werkstoff, der in der Steinzeit eine große Bedeutung hatte zur Herstellung von Schnüren, Seilen, Umhängen, Matten, Hüten, Fischernetzen und vielem mehr.

Zunächst werden Rindenstücke über mehrere Wochen eingeweicht, um einen Rotteprozess in Gang zu setzen. In dieser Phase lösen sich die Verbindungen zwischen den einzelnen Bastschichten. Die Rindenstücke werden dann aus dem Wasser geholt und die Bastschichten abgezogen, diese werden in feinste Schichten geteilt, ausgespült und dann für die spätere Verwendung getrocknet.

Das schönste an dieser Arbeit war das Ausspülen der Baststücke am Bacheinlauf im eiskalten Wasser – eine wunderbare Abkühlung.

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Bei dem heißen Wetter war der Bast auch sehr schnell auf der Wäscheleine getrocknet, so dass die Bündel zur weiteren Verwendung aufgehängt werden konnten.

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Da beide Projekte nicht an einem Tag bewältigt werden konnten, gehen die Arbeiten weiter.

Vielen Dank an die fleißigen und hitzebeständigen Helferinnen und Helfer für die großartige Unterstützung.

 

 

Mitgliedertag 2018 auf der Zeiteninsel

Am vergangenen Sonntag fand der gut besuchte Mitgliedertag des Zeiteninsel-Fördervereins statt.1aBei Kaffee, Kuchen und netten Gesprächen genossen die Interessierten das tolle Wetter und die frühlingshafte Insel. Dr. Andreas Thiedmann, Vorstand der Zeiteninsel-Genossenschaft, informierte im Rahmen einer Führung über den Baufortgang und die Projektentwicklung.

Ein rundum gelungener Nachmittag!

Arbeitseinsatz im April

Am vergangenen Wochenende war es wieder einmal so weit: Nach dem noch sehr winterlichen letzten Arbeitseinsatz-Treffen im März zeigte sich nun am Samstag endlich der Frühling von seiner schönsten Seite und brachte einen ganzen Schwung Aktiver und viele Interessierte, die vom geschäftigen Treiben auf die Insel gelockt wurden.

Die Freiwilligen bildeten kleine Teams und legten los. So wurde am jungsteinzeitlichen Rössener Haus in luftiger Höhe weiter an der Weidenflechtwand gewerkelt.

4In mehreren Touren konnten Strohreste, die noch von den Dacharbeiten im Bereich des Hauses lagen, verbrannt werden. Auch wenn die Jugendlichen der JUKO Marburg e.V. bei ihrem Arbeitseinsatz auf der Zeiteninsel vor kurzem schon einen guten Teil des Weidenschnittgutes aufbereitet hatten, mussten die restlichen Weidenzweige noch beschnitten und sortiert werden.1Zur Mittagszeit kam Urlaubsfeeling auf, als sich die Aktiven bei Pizza und dem ein oder anderen Kaffee vor dem Holzhaus in der Sonne versammelten. Anschließend ging es frisch gestärkt weiter. Der Bereich mit den Rennöfen wurde schon für unsere diesjährige Großveranstaltung am 13. Mai auf Vordermann gebracht, hier soll im Vorfeld des Events noch eine neue Bedachung gebaut werden. Gleichzeitig wurden die Reste der alten Bedachung des leider eingestürzten Lehmbackofens weggeräumt.

Der Arbeitseinsatz war wieder ein voller Erfolg und wir danken allen beteiligten Freiwilligen herzlich für ihre Hilfe!

Das nächste Treffen auf der Zeiteninsel findet übrigens am 5. Mai statt!