Keramikbrand auf der Zeiteninsel – ein Experiment

Anfang September war es wieder soweit: ein Keramikbrand wurde auf der Zeiteninsel durchgeführt.
Wir hatten in den vergangenen Keramik-Workshops viele Gefäße nach vorgeschichtlichen Vorbildern produziert, die nun im Feuer gebrannt werden sollten. Die Teilnehmer brachten ihre Keramik mit und wir platzierten sie zunächst auf einem Tisch, um einen Überblick über das Ausmaß zu bekommen – und es kam doch eine beachtliche Menge zusammen.

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Susanne Gütter hatte an einem Keramik Versuch mit Kollegen in Asparn an der Zaya teilgenommen, wo mit einem Meilerbrand aus Mistplatten experimentiert worden war und wollte die Erkenntnisse, die sie aus diesem Versuch gewonnen hatte gerne mit uns teilen. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass wir in dieser Richtung weitere Erfahrungen mit gedeckten Bränden sammeln wollen, bei denen das gesamte Brennmaterial bereits vor dem Entzünden aufgehäuft wird.
Wir entschieden uns also einen Meilerbrand mit Mist als Brennmaterial durch zu führen und aufgrund der Fülle der Gefäße noch einen zusätzlichen Meilerbrand aus Holz, Mist und einer Abdeckung mit Rasensoden parallel anzusetzen. Ein besonderer Fokus sollte auf die erzielten Brennfarben (auch im Kern der Keramikwandung) und den Arbeitsaufwand bei den verschiedenen Brennverfahren gesetzt werden.
Nun mussten sich die Teilnehmer entscheiden, in welchen Brand sie ihre Gefäße stellen wollten. Manche verteilten das „Risiko“ andere setzten alles auf eine Karte.

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Dann ging es los: Es wurden zwei flache Gruben vorbereitet und in deren Mitte ein Vorwärmfeuer entzündet, um die Gruben zu trocknen und vorzuwärmen. Die Wärme des Feuers wurde auch gleich dafür genutzt, einen Großteil der Stücke bereits etwas aufzuheizen. In der ersten Grube wurde die Glut entnommen und die Gefäße über einer dünnen Dunglage auf den Boden in die Mitte der Grube ineinander verschachtelt eingesetzt, wobei Mist zwischen und um die Stücke platziert wurde. Hierfür wurde trockener Dung und etwa handtellergroße Mistplatten von Schaf, Ziege und Pferd verwendet. Den Abschluss bildeten dickere Ziegenmist-Platten, die den aufgesetzten Meiler in mehreren Lagen abdeckten und einen schön geformten Meiler bildeten..
Dieser wurde an der höchsten Stelle mit Glut entzündet und fing direkt an zu rauchen.

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Da Aufheizen der Keramik sollte gleichmäßig und nicht zu schnell erfolgen. Da auf dem Gelände immer ein leichter Wind vorherrscht, musste also ständig darauf geachtet werden, dass nicht zu starke offene Flammen aus dem Meiler entstehen. Diese wurden dann durch Aufwerfen von ein paar Handvoll Asche oder Erde und das Auflegen einiger weiterer Mistplatten gebändigt.
Ziel dieses Meilerbrandes war eine relativ kurze Brenndauer und eine mutige Entnahme der noch glühend heißen Gefäße. Nach gut drei Stunden erreichte der Brand eine Temperatur von 740° in der Spitze. Als abends um 19:00 Uhr der Brand geöffnet werden sollte, erschien die Keramik noch nicht in der gewünschten Färbung (sondern überwiegend oxidierend rot gebrannt) und so wurde auf die glühende Keramik nun Stroh aufgeworfen und der Brand mit Rasensoden zur Nachreduktion wieder abgedeckt. Die Öffnung wurde damit auf den nächsten Morgen verschoben. Es hatten sich auch diesmal wieder dankenswerterweise Freiwillige gemeldet, die auf der Zeiteninsel übernachteten und die Brände bewachten.
Zwei Stunden nach Mitternacht zog jedoch ein Gewitter auf und es wurde spontan beschlossen, die noch glühende Keramik zu bergen, damit sie durch den einsetzenden Regen nicht beschädigt werden konnte.
Im Ergebnis erzielten wir mit diesem Brand Brennfarben im Spektrum von tiefschwarz über braun bis zu rötlichen Partien. Die gesamte Keramik ist sehr gut durchgebrannt und trotz des schnellen Brandes war nur ein Topf stark beschädigt worden.

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Der zweite Meilerbrand wurde aufgebaut, nachdem der erste bereits im Gange war. Auch hier wurde die Keramik vorgewärmt, dann die Grube ausgeräumt und die Keramik auf- und ineinander geschichtet, zum Teil mit Stroh ausgefüllt, eingesetzt. Hier wurde nun der restliche Mist verbaut und dann mit dünnem Astholz und einigen dünnen Scheiten aufgefüllt und mit Rasensoden abgedeckt. Dieser Meiler wurde vom Volumen viel größer, obwohl weniger Keramik eingebaut war.
Hier wurde von mehreren Seiten Feuer an einen Ring aus Stroh unter den Rasensoden gelegt und der Meiler fing zunächst etwas zögerlich von der Windseite her zu brennen an. Nach fünf Stunden Brenndauer erreichten wir hier eine Temperatur von 660 Grad. Bei diesem Brand war unser Ziel, durch eine reduzierende Brennatmosphäre schwarz gebrannte Keramik zu erhalten und die Brenndauer gegenüber unseren letzten Holzmeiler-Bränden zu verkürzen.
Die fleißigen Helferinnen der Nachtwache hatten bis tief in die Nacht hinein den Meiler beständig im Blick, beobachteten das Absacken der Bereiche, in denen das Holz bereits verkohlt und verbrannt war, stachen bei Bedarf weitere Luftlöcher, um den Brand zu fördern oder decken weitere Rasensoden auf, wo die Hitze zu große Löcher in die Abdeckung zu fressen drohte. Erst um halb 3 Uhr nachts wurde der Meiler komplett verschlossen und konnte nun zur Abkühlung sich selbst überlassen werden.

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Als wir den Meiler am Nachmittag des nächsten Tages öffneten, rauchte er noch leicht und es gab auch noch Stellen, die glühten. Vorsichtig wurden die Keramikstücke ausgegraben, mit Stöcken vorsichtig gehoben und auf Holzklötze zum Abkühlen abgestellt.
In diesem Meiler gab es zum Glück keine Verluste. Die Keramik, die zum Vorschein kam, war meistens tiefschwarz mit einigen glänzenden Stellen, wahrscheinlich dort, wo Stroh direkt an der Keramik auflag, und komplett schwarz durchgebrannt.
Trotz der frühen Öffnung (beim letzten Meilerbrand haben wir erst nach Tagen geöffnet, als er erkaltet war) blieb die Keramik tief schwarz und unversehrt. Dies war für uns eine neue Erfahrung.
Alle waren glücklich mit den Ergebnissen und wir werden nun erst einmal neuen Mist sammeln, denn diese Art des Brennens werden wir in jedem Fall wiederholen.

Fazit:
Mist bietet ein gutes Brennmaterial für einen Keramikbrand, Mit wenig Masse erreicht man hohe Temperaturen. Sehr überzeugt hat uns der relativ geringe Arbeitsaufwand während des Brandes, vor allem beim reinen Mistmeiler, der durch die kürzere Brenndauer auch weniger lang überwacht werden muss. Uns erscheint eine Mischung von Mist und Holz unter einer Abdeckung aus Rasensoden (oder Erde/Asche) als die richtige Wahl für unseren nächsten Meilerbrand.
Wir freuen uns schon darauf.

Vielen Dank an Susanne Gütter, die so viel Mühe in die Vorbereitungen für diesen Brand gesteckt und uns auf diesem spannenden Weg mitgenommen hat.

Text und Fotos: Susanne Gütter und Meike Schuler

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Veranstaltungsprogramm für das erste Halbjahr 2019 ist online!

Auch in 2019 können Sie sich im Rahmen unseres Veranstaltungsprogrammes wieder vielfältig mit den verschiedenen Aspekten des Lebens in der Vorgeschichte beschäftigen. Neben zwei Bronzewerkstätten, einem Töpfer- und Brettchenwebenkurs, einem Angebot zum Thema Färben mit Pflanzen und zur Herstellung von Gefäßen aus Naturmaterialien wird es erstmals auch einen Nachmittag geben, der sich an Kinder ab 8 Jahren und eine Begleitperson richtet. Die Teilnehmenden machen sich auf eine spannende Reise in die Steinzeit und erfahren unter anderem, wie die Menschen vor Jahrtausenden auf Mammutjagd gegangen sind.

Die Termine können Sie dem Flyer entnehmen: veranstaltungsprogramm 19-1

Dieser liegt vielerorts aus, u. a. in der Tourist-Information und der Stadtbücherei in Marburg, kann aber auch online auf der Zeiteninsel-Homepage http://www.zeiteninsel.de/ eingesehen werden.

Anmelden kann man sich entweder mit dem Anmeldeformular, das dem Flyer beigefügt ist oder auch per Email an info@zeiteninsel.de.

Keramikmeilerbrand auf der Zeiteninsel

Im August trafen sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Keramik-Workshops (wir berichteten), um ihre nach prähistorischen Vorlagen gefertigten Gefäße zu brennen.

In den vergangenen Jahren hatten wir bereits mit Grubenbränden oder offenen Feldbränden Erfahrungen gesammelt. Diesmal haben wir uns auf Anregung der Kursleiterin Susanne Gütter mit einem anderen Brennverfahren etwas Besonderes vorgenommen: Einen sogenannten Meilerbrand, bei dem unter einer Rasensodenabdeckung durch den Entzug von Sauerstoff während des gesamten Brennverlaufs die typische Schwarzfärbung bis in den Kern vorgeschichtlicher Keramikgefäße erzielt wird. Im Gegensatz zu den Gruben- oder Feldbränden wird hier das gesamte Brennmaterial bereits vor dem Entzünden des Feuers eingebaut.

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Archäologisch lassen sich Brennverfahren wie Gruben- oder Meilerbrände von Keramik kaum nachweisen, da eventuell erhaltene Feuergruben durchaus unterschiedlich genutzt worden sein können.
Eindeutige Nachweise über die Art des Keramikbrandes stehen erst zur Verfügung, als Öfen gebaut wurden, wie sie z. B. in Einzelfällen aus der Jungsteinzeit (Trichterbecherkultur), häufiger jedoch erst aus der späten Bronzezeit und Eisenzeit bekannt sind.
Im Lahntal wurden bei Ausgrabungen Nachweise für Keramik-Brennöfen aus der Latènezeit (Eisenzeit) gefunden, die zu einem späteren Zeitpunkt auch auf der Zeiteninsel rekonstruiert werden sollen.

Meiler sind uns von der Holzkohleherstellung bekannt. Holz wird dabei in einer Kegelform aufgestapelt und dann mit Erde luftdicht verschlossen, bis auf eine Stelle oben, die freigelassen wird. Hier werden dann glühende Kohle eingebracht und danach die Lücke geschlossen. Nun beginnt der Vorgang der Verkohlung, der durch kontrollierte Luftzufuhr durch Zuglöcher gesteuert und überwacht werden kann.

Wir haben für unseren Meilerbrand zunächst eine bereits vorhandene Grube mit einem Durchmesser von 1,80 m auf ca. 45 cm vertieft. Auf den Grund wurde eine Schicht Brennmaterial (Reisig, dünne Zweige und eine 5 cm dicke Lage Stroh) aufgebracht.
Nun wurden die Gefäße mit Heu gefüllt und kleinere Gefäße in größere eingesetzt. Anschließend wurden die Gefäße vorsichtig mit der Öffnung nach unten auf das Strohbett eingesetzt. Eine bemalte Schüssel, die nicht ganz schwarz gebrannt werden sollte, wurde mit der Öffnung nach oben im Oberbereich platziert.

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Auch eine Serie von lokalen Tonproben und Gefäßnachbildungen einer endneolithischen Fundstelle der Wartbergkultur bei Wittelsberg, die im Rahmen eines Forschungsprojektes von Marianne Talma (Christian-Albrechts-Universität Kiel) und Susanne Gütter angefertigt worden waren, fanden in unserem Meiler Platz. Eine Reihe von sogenannten „Segerkegeln“ sollte durch ihre definierte Schmelztemperatur die erzielte Brenntemperatur anzeigen.

Das Brenngut wurde nun mit weiterem Stroh und Brennholz überdeckt, wobei wir überwiegend gutes Buchen-Leseholz mit Durchmessern bis 5 cm verwendeten.

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Es wurde wesentlich weniger Brennmaterial verwendet als bei unseren anderen Bränden, bei denen während des Brandes laufend nachgelegt werden musste.

Zuletzt wurden abgestochene Rasensoden kuppelartig um Keramik und Brennmaterial herum aufgeschichtet, wodurch quasi ein geschlossener „Einmalofen“ entstand. Aufgrund der Trockenheit der letzten Monate waren die Soden porös und nicht feucht, was wahrscheinlich einen deutlichen Einfluss auf das Verhalten des Meilers hatte.
Ganz unten zur Grubensohle hin wurden im Kreis vier lange Holzstangen von 4 cm Durchmesser liegend mit eingebaut, die später herausgezogen werden konnten, um bei Bedarf unter dem Rasensodenwall Lüftungskanäle zur Grubensohle öffnen zu können.

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Bevor die Rasensodenkuppel nun ganz geschlossen wurde, brachten wir zwei Schaufeln voll glühender Kohlen (aus einer separaten Feuerstelle) oben auf das Brennmaterial im Meiler auf. Nach einiger Zeit, in der sich das Feuer verbreiten konnte, wurde die letzte Rasensode oben auf die Kuppe des Meilers gesetzt, bevor sich noch große offene Flammen in das Brennmaterial weiter ausbreiten konnten.

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Brandverlauf
Nachdem der Meiler verschlossen war, drang direkt starker Rauch aus kleinen Lücken in der Rasensodenabdeckung. Größere Löcher wurden verschlossen.
In den folgenden Stunden beobachteten wir den Meiler ständig. Immer, wenn aus Öffnungen zu viel Rauch austrat, verschlossen wir diese mit Grassoden. Als der Prozess einmal ins Stocken zu geraten schien und der Rauchaustritt sich stark abschwächte, wurden auf halber Höhe einige Luftlöcher von rund 4 cm Durchmesser in den Meiler gestochen. Verstärkter Rauchaustritt belegte bald darauf die Wirksamkeit der Maßnahme.

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Abends wurden noch einmal einige Rasensoden aufgelegt als die Abdeckung bereits durchgeglüht war. Um Mitternacht war der Meiler dann ordentlich heiß und gut im Gang. Im Laufe der Nacht musste die Abdeckung erneuert werden, früh morgens hatte sich auf der nordwestlichen Seite ein etwa 20 – 25 cm großes Loch in die Abdeckung gebrannt.
Susanne Gütter, die die Nachtwache übernommen hatte, verschloss den Meiler mit einem großen Metalldeckel (von einem alten Waschzuber) wieder. Der Deckel wurde mit Soden abgedeckt und ringsum mit etwas Erde weitgehend abgedichtet.
Morgens war der Meiler dann noch aktiv, mittags rauchte er allerdings weit weniger stark.

Der Zustand war nun statisch recht stabil, ein Kranz von etwa fünf Löchern in Kniehöhe war noch offen. Ebenso einige Abzugsfugen unter dem Deckel.
Die Ritzen wurden abends geschlossen.
Der Meiler war unregelmäßig aktiv, so dass es länger dauerte, bis er sich durch das Brennmaterial durchgefressen hatte. Dies wäre im Nachhinein für das Durchbrennen der Keramik und Halten der Temperatur wohl noch gut gewesen.
Die unteren Luftlöcher mit den Holzstangen rührten wir nicht an, denn wir hatten nicht das Gefühl, dass wir von ganz unten Luft zuführen müssten.

In den nächsten Tagen wurde der Meiler weiterhin mindestens zweimal täglich kontrolliert.

Nach drei Tagen wollten wir den Meiler öffnen und stellten schon bei der ersten Berührung fest, dass er noch viel zu heiß war.

Auch zwei Tage später ging es uns genauso und die Spannung stieg weiter.

Wir einigten uns darauf, den Meiler an einer Stelle etwas zu öffnen, um nachzusehen, ob die Keramik schwarz gebrannt ist und es noch Glut im Inneren gab.

Der Zustand des Meilers ließ sich zu diesem Zeitpunkt folgendermaßen beschreiben:
Der komplette Rasensodenwall war bis auf ganz wenige Sodenreste inzwischen durchgeglüht und hatte sich in heiße Erde verwandelt, die die Grube nun komplett ausfüllte und die Gefäße einbettete. Der äußere Ring der Erde war oxidiert und nach innen hin zunehmend zu krümeligem „Brandlehm“ gebrannt. Im Inneren war die Erde – zumindest auf dieser Seite – schwarz reduziert und die zwei Gefäßstellen, die wir sehen konnten, sahen wunderbar schwarz/dunkel und gut durchgebrannt aus! Allerdings war darunter die Holzkohle sicher z. T. noch glühend, da bereits auf der Keramik noch aufliegende durchgekohlte Stöckchen durch die Luftzufuhr direkt
wieder aufglühten.

Wir haben im Außenrand-Bereich unserer Grube ein Stück herunter gegraben, aber nicht ganz bis zur Sohle, da uns währenddessen klar wurde, dass das in der Tiefe der Grube und im Zentrum ganz sicher noch nicht ohne Risiko für die Gefäße – und unsere Schuhsohlen – gewesen wäre. Also sind wir noch einmal zurückgerudert und haben alles wieder zugefüllt. Nur die Deckschicht auf dem Metalldeckel haben wir bis auf eine dünne kaschierende Streuschicht abgeräumt, damit es nach oben etwas leichter auskühlen konnte.

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Öffnen des Meilerbrandes
Nach einer Woche konnte der Meiler nun endlich geöffnet werden. Es war immer noch sehr warm, aber mittlerweile möglich, die Keramik zu entnehmen.
Wie sich herausstellte, war die Brenntemperatur an einigen Stellen nicht hoch genug, so dass einige Stücke nicht ganz gar gebrannt waren, während andere gut durchgebrannt klangen und aussahen. Auf der Grubensohle war ein Teil des Bettes aus Reisig und kleinen Ästen noch unverbrannt geblieben.
Nur eine Schale ist kaputt gegangen, alle anderen Keramiken haben den Brand unbeschadet überstanden. Die Brennfarben waren überwiegend schwarz bis braun
Für die Gefäße, die nicht richtig durchgebrannt waren, gab es einen weiteren Brenntermin.

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Fazit:
Der Meiler hat durch einen sehr gleichmäßigen Temperaturanstieg für einen Brennverlauf fast ohne Verluste geführt.
Wir haben nur recht wenig Brennmaterial benötigt (eventuell hätte etwas mehr Kleinholz eine höhere Brenntemperatur begünstigt).
Der Brennprozess war nicht vollständig gleichmäßig verlaufen und hatte lange Zeit in Anspruch genommen. Am Ende war er jedoch weitgehend durchgeglüht.

Die hohe Kunst ist bei diesem Brennverfahren das Abschätzen der nötigen Luftzufuhr. Da man während des Brandes keinen Einblick in das Innere des „Rasensodenofens“ hat, braucht es viel Erfahrung, die Rauch- und Hitzeentwicklung richtig einzuschätzen und zu steuern. Bei diesem ersten Meilerbrand hatten wir wohl etwas zu wenig Luftzufuhr zugelassen um die Reduktion nicht zu gefährden.

Bei dem zweiten Meilerbrand im September haben wir mit einem Thermometer den Brenntemperaturverlauf besser verfolgen und somit auch besser steuern können. Durch kleine Veränderungen im Aufbau (flacher auslaufende Grube, Bett u. a. aus Ziegendung, mehr und pyramidenförmig aufgeschichtetes dünnes Brennholz, Entzündung im Kreis am ganzen Außenrand vor Abdeckung mit flach aufgelegten Rasensoden) und der Luftführung (mehr Luftlöcher) ist dieser zweite Brand dann bereits hitziger, gleichmäßiger und flotter verlaufen. Das Holz war dabei wie in einem Kohlenmeiler nur verkohlt. Mit noch etwas mehr Luftzufuhr hätte also eine noch höhere Temperatur erreicht werden können. Die Gefäße kamen aus diesem zweiten Meilerbrand vollständig schwarz hervor.

Es wird mit Sicherheit im kommenden Jahr noch einmal einen Meilerbrand geben. Wir werden dabei weiter experimentieren mit einem optimierten Aufbau und noch etwas mehr Luftzugabe.

Wir bedanken uns bei Susanne Gütter für diese tolle Erfahrung und alle Freiwilligen, die sich um den Meiler über mehrere Tage gekümmert haben.

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Text: Meike Schuler-Haas und Susanne Gütter

Auftakt der Kooperation mit dem Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf e.V.

Vor zwei Wochen startete eine auf längere Zeit angelegte Kooperation zwischen der Lebenshilfe Marburg und der Zeiteninsel. Hierfür fanden sich an einem sonnigen Samstag fünf hochmotivierte Teilnehmerinnen samt zwei Betreuern auf dem Gelände ein. Im Rahmen des Freizeitprogrammes der Lebenshilfe haben sie sich schönerweise dafür entschieden, einen ganzen Tag auf der Insel zu verbringen und bei unseren beiden erfahrenen Workshop-Leiterinnen Brigitte Schmitz und Gabriele Christ einen Töpferkurs – Thema Steinzeit und Germanen – zu absolvieren.

Die Teilnehmenden waren das erste Mal bei uns, daher gab es zunächst eine Führung über das künftige Museumsgelände, wobei vor allem der Nachbau des jungsteinzeitlichen Hauses sehr beeindruckte. Im Anschluss hatte nun jeder die Möglichkeit, mehrere Gefäße und Anhänger zu töpfern, mit tollen Ergebnissen.

Nach einer Stockbrot- und Picknickpause folgte der zweite Teil des Workshops. Am späten Nachmittag waren sich alle Beteiligten einig: Es wird sicherlich eine Fortsetzung im kommenden Jahr geben!

Für Kinder und Jugendliche sind außerdem im Zuge des Ferienprogrammes der Lebenshilfe schon Ende Juli/ Anfang August weitere Projekttage auf der Zeiteninsel geplant.

Wie stellten die jungsteinzeitlichen Bauern vor 4500 Jahren ihre Keramikgefäße her?

Mit dieser Frage beschäftigten sich am vergangenen Wochenende die Kursteilnehmer des Workshops „Keramik der Rössener Zeit“ unter der Anleitung von Archäo-Technikerin Susanne Gütter.

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Nach einer kurzen Einführung präsentierte Susanne Gütter neben Repliken auch Originalfunde aus der Rössener Zeit, die bei Ausgrabungen im Lahntal gefunden wurden. Anhand der Scherben erklärte Frau Gütter anschaulich, wie die Menschen in der Jungsteinzeit den Ton aufbereiteten, die Keramik aufbauten und auf welche Art und Weise sie diese verzierten.

Die Teilnehmer konnten sich anschließend überlegen, welche Art von Gefäßen sie herstellen wollten, denn danach richtete sich die Vorbereitung des Tons mit der entsprechenden Magerung mit Sand und / oder gemahlenem Quarzgrus, welcher natürlich erst hergestellt werden musste.

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So lernten die Beteiligten den kompletten Herstellungsprozess bis zum fertigen Gefäß kennen und schärften ihren Blick für die Beschaffenheit der gefundenen Gefäßscherben.

Nachdem der Quarzgruß mit Schiebemühlen fein gemahlen worden war, wurde dieser mit Sand und Ton vermischt und untergearbeitet.

Mit Abschluss dieser ersten Herstellungsschritte  konnten sich die Keramikinteressierten vorbereitete Zeichnungen von Gefäßen anschauen und mit der Fertigung von Schüsseln, Kumpfen, Töpfen usw. beginnen.

Die Herstellung der Gefäße erfolgte in der Technik der „Aufbaukeramik“. Diese beinhaltet, dass das Gefäß bzw. die Gefäßwandung durch  gleichmäßig geformte Rollen, die angelegt und dann miteinander verstrichen werden, entsteht. Um dem Ton etwas Stabilität zu geben, kann zu Beginn in einer Form gearbeitet werden.

Die Teilnehmer merkten schnell, wie sehr die Witterung den Prozess der Keramikherstellung beeinflusst, denn bei sonnigem und windigem Wetter trocknet der Ton sehr schnell aus und verändert seine Beschaffenheit. Daher muss er zügig bearbeitet und zwischendurch immer wieder mit Wasser angefeuchtet werden.

Diese Temperaturschwankungen führten letztendlich zu Rissen in den Gefäßen, also wurde  bereits am ersten Tag die Werkstatt von draußen ins Innere des Holzhauses verlegt.

Zum Ende des ersten Kurstages hatte jeder bereits mindestens ein Gefäß hergestellt.

Glücklicherweise beruhigte sich am zweiten Kurstag  das Wetter, so dass zunächst wieder draußen an der frischen Luft gearbeitet wurde. Nun begann bei den meisten der „Feinschliff“:

Die hergestellten Gefäße mussten mit Hilfe von glatten Steinen poliert und / oder mit komplizierten Strich- und Stichmustern nach Originalfunden verziert werden.

Dazu suchten sich die Beteiligten  Werkzeuge wie Knochen, Muscheln, Steinklingen oder Hölzchen heraus, die in etwa den Mustern der Originale glichen.

Am Ende des zweiten Tages war eines klar – die Menschen der Jungsteinzeit hatten bereits ein hohes Niveau der Keramikherstellung erreicht. Den Kursteilnehmern hat es sehr viel Freude gemacht, die einzelnen Schritte der Herstellung eines Keramikgefäßes nachzuvollziehen und so einen kleinen Blick in diese Welt zu erhalten.

Nun müssen die Erzeugnisse einen Trocknungsprozess durchlaufen, um  anschließend im September in einem Meilerbrand haltbar gemacht zu werden.

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Wir danken Susanne Gütter für dieses inspirierende Wochenende.

Fotos: Meike Schuler-Haas und Sarah Fräßdorf

Grubenbrand durchgeführt

Auch in diesem Jahr trafen sich die Teilnehmer der Keramik-Workshops, um die hergestellte Keramik (wir berichteten Workshop Keramik der Rössener Zeit) zu brennen.

In diesem Jahr wollten wir einen Grubenbrand durchführen. Die Brenngrube war bereits vorhanden. Wir stellten nur einen Absatz in der Grubenwand wieder her, auf dem wir die getrocknete Keramik zum Vorwärmen aufreihen konnten. Dafür wurde zunächst in der Grube ein kontrolliertes Vorfeuer entfacht, das auf der Grubensohle ein Glutbett entstehen ließ. Der Wind blies beständig über unsere recht tiefe und geschützte Grube und ließ uns leicht die bereits entstandene Hitze in der Grube unterschätzen. So mussten wir das Glutbett noch eine ganze Weile abkühlen lassen, bevor die richtige Temperatur zum Einsetzen der vorgewärmten Keramik erreicht war.

Die rund 30 Gefäße wurden nun sorgfältig auf Steinen, alten Dachziegeln u. ä. über die Glut gesetzt, ohne mit dieser direkten Kontakt zu haben. Um wie bei den Originalfunden im Inneren eine dunkle Farbe zu erzielen, füllten wir viele der Gefäße mit Heu und verschlossen sie beim Einsetzen mit anderen Töpfen, da das Heu nicht verbrennen, sondern in den Gefäßen unter Sauerstoffmangel nur verschwelen sollte.

Nun wurde vorsichtig das Feuer aufs Neue entfacht und ganz langsam durch gut platziertes Holz beim Nachlegen als Feuerring in der Grube der Keramik angenähert.

Der Brand wurde so lange weiter gezügelt geführt bis die Farbe der Keramik sich änderte. Erst nach dieser mehrstündigen Aufheizphase legten wir das Brennholz schließlich auch vorsichtig zwischen und über die Gefäße, die nun direkt im Zentrum der Flammen der größten Hitze ausgesetzt wurden.

Wir wollten einen reduzierenden Brand durchführen, um eine Schwarzfärbung der Keramik zu erreichen. Daher wurde das Feuer über den nun glühenden Gefäßen mit Hilfe von Laub, Stroh, Grasschnitt erstickt. Nachdem sich starker Qualm entwickelt hatte, deckten wir die Grube mit einer Erdschicht ab.

Aus unseren Erfahrungen der letzten Brände heraus beschlossen wir diesmal noch länger zu warten, bis die Keramik abgekühlt war…und so wurde die Grube erst nach drei Tagen geöffnet.

Doch das Feuer hatte in den unbewachten Stunden nach dem Abdecken doch noch seinen Weg durch die Abdeckung gefunden und war noch einmal aufgeflammt. Durch dieses Nachbrennen waren in einigen Bereichen wieder sauerstoffreiche Flammen an die Gefäße gekommen und haben eine durchgehende Reduzierung des Brandes verhindert, wodurch die gewünschte vollständige Schwarzfärbung der Keramik zwar nicht durchgehend gelang, sie hat aber interessante Farbschattierungen erhalten.
Unsere Grube hat die Hitze nach dem Bedecken mit Erde noch so enorm gespeichert, dass die Stücke durch die lange Brenndauer sehr hart gebrannt waren.

Diesmal gab es zum Glück nur wenige Verluste, was uns sehr freut.

Nun müssen wir wieder in die Produktion gehen, damit wir auch im kommenden Jahr genügend Material für einen Brand haben – dafür haben wir uns als Ziel gesetzt, Erfahrungen mit einem Meilerbrand zu sammeln.

Text: Susanne Gütter / Meike Schuler-Haas  Fotos: Meike Schuler-Haas

 

Grubenbrand auf der Zeiteninsel

Am vergangenen Wochenende fand ein Grubenbrand auf dem Gelände der Zeiteninsel statt. In zwei Workshops hatten die Teilnehmer im Winter Keramik der verschiedenen Zeitstellungen, die im Lahntal gefunden wurden, nach Originalfunden nachgetöpfert.
Nun war es endlich soweit: alle brachten ihre Schätze mit und dann ging es los.

Zuerst wurde eine Grube in den Boden gegraben, wobei darauf geachtet wurde, die Grassoden ab zu stechen, die später als Abdeckung verwendet werden sollten. Nachdem die Grube ca. 50 cm eingetieft worden war, wurde mit Hilfe von Markasit und Zunderschwamm, in Steinzeit Manier, ein Feuer entzündet, um den Boden der Grube vorzuwärmen. Nun wurden alle Gefäße am Rand der Grube aufgestellt und immer wieder gedreht, damit auch sie vorwärmen konnten. Das Feuer in der Grube wurde eine Stunde geschürt und anschließend die glühende Kohle auf dem gesamten Boden der Grube verteilt. In einer kurzen Ruhephase ließen wir die Oberfläche des Glutbettes leicht abkühlen, bis man die Hand in etwa 25 cm Abstand kurz darüber halten konnte.

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Keramik Workshop

Am vergangenen Wochenende trafen sich sieben Mitglieder der AG Lebendige Archäologie mit Susanne Gütter, Mitglied des Fördervereins und Grabungstechnikerin der HessenArchäologie zu einem Workshop zum Thema „Keramik aus der Umgebung der Zeiteninsel durch alle Zeiten und Versuch der Rekonstruktion“.

Susanne Gütter hat selbst an den Ausgrabungen im Bereich des Kieswerks Niederweimar mitgewirkt und arbeitet seit 15 Jahren „nebenbei“ an Keramik-Rekonstruktionen. Besuchern unserer Veranstaltungen ist sie bereits bekannt durch ihren wunderbaren Keramikstand, an dem sie ihre Rekonstruktionen präsentiert hat.

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Experimenteller Grubenbrand

Am Samstag trafen sich Mitglieder der AG Lebendige Archäologie innerhalb des Fördervereins zu einem experimentellen Grubenbrand auf der Zeiteninsel.

Wir hatten im Vorfeld selbst Ton gestochen, diesen vorbereitet und nach archäologischen Vorbildern Gefäße getöpfert. Diese sollten nun in einem sogenannten Grubenbrand gebrannt werden. Dafür wurde eine Grube ausgehoben und in dieser Grube ein Feuer entfacht und zwei Stunden geschürt, währenddessen wurden die Gefäße auf einen Sims aufgestellt, um vorzuwärmen.

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