Auftakt der Kooperation mit dem Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf e.V.

Vor zwei Wochen startete eine auf längere Zeit angelegte Kooperation zwischen der Lebenshilfe Marburg und der Zeiteninsel. Hierfür fanden sich an einem sonnigen Samstag fünf hochmotivierte Teilnehmerinnen samt zwei Betreuern auf dem Gelände ein. Im Rahmen des Freizeitprogrammes der Lebenshilfe haben sie sich schönerweise dafür entschieden, einen ganzen Tag auf der Insel zu verbringen und bei unseren beiden erfahrenen Workshop-Leiterinnen Brigitte Schmitz und Gabriele Christ einen Töpferkurs – Thema Steinzeit und Germanen – zu absolvieren.

Die Teilnehmenden waren das erste Mal bei uns, daher gab es zunächst eine Führung über das künftige Museumsgelände, wobei vor allem der Nachbau des jungsteinzeitlichen Hauses sehr beeindruckte. Im Anschluss hatte nun jeder die Möglichkeit, mehrere Gefäße und Anhänger zu töpfern, mit tollen Ergebnissen.

Nach einer Stockbrot- und Picknickpause folgte der zweite Teil des Workshops. Am späten Nachmittag waren sich alle Beteiligten einig: Es wird sicherlich eine Fortsetzung im kommenden Jahr geben!

Für Kinder und Jugendliche sind außerdem im Zuge des Ferienprogrammes der Lebenshilfe schon Ende Juli/ Anfang August weitere Projekttage auf der Zeiteninsel geplant.

Advertisements

Rückschau: Großveranstaltung „Geschichte(n) erleben“ am 13. Mai

Vor kurzem kamen an einem Sonntag im Mai zahlreiche Darsteller, Archäotechniker und viele Aktive des Fördervereins auf der Zeiteninsel zusammen: Es war wieder soweit und die jährliche Großveranstaltung sollte auf dem Gelände des künftigen Freilichtmuseums stattfinden! Den Besuchern wurde ein vielfältiges Angebot – quer durch alle Epochen mit dem Fokus auf Techniken – präsentiert. Sie konnten sich unter anderem über die Keramikherstellung und das Schmieden, Ötzis Jagdausrüstung und das Färben von Textilien, sowie Techniken der Holz-, Knochen- und Steinbearbeitung informieren, wobei das Mitmachen ausdrücklich erwünscht war.

So konnten bereits kurz nach Beginn der Veranstaltung kleine und große Steinzeit-Jäger beim Werfen von Speeren und dem Schießen von Pfeil und Bogen beobachtet werden. Die Besucher waren auch von den ersten „Zeiteninsel-Haustieren“ fasziniert und erhielten die Möglichkeit, den Honig der fleißigen Bienen, die seit dem vergangenen Jahr in zeittypischen Behausungen auf der Zeiteninsel leben, zu probieren. Für das leibliche Wohl der Besucher sorgten außerdem das Marburger Restaurant Blè Noir und die Niederwalgener Landfrauen, sodass niemand hungrig nachhause gehen musste.

Der Tag begann mit viel Sonnenschein, gegen Mittag zogen dann dicke Regenwolken über die Zeiteninsel und führten durch die starken Schauer zu einer Zwangspause. Jedoch ließen sich weder die Besucher, noch die beteiligten Darsteller die Laune verderben und das Programm wurde anschließend fortgesetzt.

 

An dieser Stelle sei noch einmal allen Beteiligten, Aktiven und Helfern ein herzliches Dankeschön für das Gelingen der Veranstaltung ausgesprochen!

Kurs der offenen Bronzezeitwerkstatt im April 2018

Bei schönstem Frühlingswetter fanden sich am letzten Wochenende im April sieben Teilnehmer für den ersten Kurs der offenen Bronzezeitwerkstatt in diesem Jahr zusammen. Zur besonderen Freude durfte auch die mit zehn Jahren bisher jüngste Teilnehmerin in elterlicher Begleitung teilnehmen. Die Thematik Bronzeguss im Freiland mit selbsterstellten Lehmformen stellte für die meisten mehr oder weniger „Neuland“ dar. Daher konzentrierte sich das Programm der zwei Tage zunächst vornehmlich auf die Erstellung der dafür notwendigen Modelle aus Bienenwachs und auf deren Ummantelung mit Lehm.

1Je nach Art, Größe und Detailreichtum konnte die Erstellung eines Modells durchaus Beschäftigung für einen ganzen Tag bieten. Vor allem das Bewusstsein, dass sich jedes Detail im Wachsmodell später genauso in der eher müßig zu bearbeitenden Bronze abbilden wird, spornte viele dazu an, möglichst viel Arbeit in ihr Wachsobjekt zu investieren. Fertige Objekte wurden dann mit einer feinen Lehmschlemme eingepinselt, die die Abdrucksgenauigkeit feiner Details im Modell garantieren soll. Dann folgte der eigentliche Formenaufbau in mehreren Schichten, aus Lehm und Zuschlagsstoffen wie Pferdemist und Haaren.

Am Ende des zweiten Tages waren gut 15–20 solcher Formen fertiggestellt. Sie werden an den Folgeterminen im August bzw. September im Feuer gebrannt. Die Wachsmodelle werden dabei vergehen, aber ihre Negativabdrücke bleiben zunächst bestehen. Sie sollen mit flüssiger Bronze ausgegossen werden. Dafür wurde bereits ein neuer Ofen in windgeschützterer Position errichtet.

Freude bereitete auch die Begutachtung fertiggestellter Objekte aus den Kursen des vergangenen Jahres, bei der man die langen Arbeitsprozesse noch einmal in Ruhe Revue passieren lassen konnte. Für unsere jüngste Teilnehmerin und weiteren Nachwuchsbesuch wurde zudem ein „Mini-Grubenbrand“ durchgeführt, der von den Kindern am zweiten Tag mit Begeisterung geöffnet werden konnte.

 

Text: Boris Potschka

Geschichte(n) erleben auf der Zeiteninsel am 13. Mai 2018!

Das Team der Zeiteninsel lädt Sie am Sonntag, 13. Mai, von 10 bis 17 Uhr zu einem besonderen Aktionstag auf das Museumsgelände in Argenstein ein. Zahlreiche Darsteller und Archäotechniker haben ein buntes Programm vorbereitet: Wie haben die Menschen vor bis zu 11000 Jahren gelebt und was stand auf dem Speisezettel der Kelten? Welche Pflanzen wurden zur Färbung von Textilien genutzt und wie weit lässt sich ein Speer eigentlich werfen? Große und kleine Besucher können hautnah jahrtausendealte Handwerkstechniken erleben und natürlich auch selber ausprobieren. Auf dem Programm stehen unter anderem die Themen Ledergerbung, Keramik, Metallurgie, steinzeitliche Kunst und vieles mehr. Auch für das leibliche Wohl ist natürlich bestens gesorgt. Der Eintritt zum Aktionstag kostet für Erwachsene 5 Euro, für Kinder 2,50 Euro und für Familien 10 Euro.

Kommen Sie vorbei, wir freuen uns auf Ihren Besuch!

klein jpg Plakat VA2018 FIX (2)-1

Steinzeitjäger vor und auf der Leinwand

Großer Besucherandrang herrschte am Sonntag 3.12.2017 zur Sektmatinee „Der Mann aus dem Eis“ im Foyer des 2. OG im Cineplex Kino Marburg. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AG Lebendige Archäologie des Fördervereins hatten zahlreiche Exponate und Objekte zur Jungsteinzeit mitgebracht und im Foyer vor dem Kinosaal ausgelegt. Darunter Nachbauten nahezu aller Ausrüstungsgegenstände von Ötzi, das Kupferbeil, diverse Messerklingen, Werkzeuge, rekonstruierte Kleidung der Jungsteinzeit, Schmuck, Nahrung, Garn- und Seilherstellung durch Pflanzenfasern, Bienenhaltung – ja sogar ein Fellboot und Reusen waren vorhanden. Zeigen, erklären, demonstrieren –  Wissen, Handwerk und Lebensweise wurde ausführlich und anschaulich einem sehr interessierten Publikum nahe gebracht.


Zum Filmstart des Films „Der Mann aus dem Eis“ mit Jürgen Vogel, der eine fiktive Geschichte um die Umstände des Todes von Ötzi hoch oben in den Alpen erzählte, kam es zu der gemeinsamen Aktion von Cineplex und Zeiteninsel.
Trotz des spontanen Wintereinbruchs kamen zahlreiche Interessierte, so dass sogar unsere eigenen Erwartungen an Zuspruch mehr als erfüllt wurden.

P1060300Vielen Dank an alle Beteiligten, Besucherinnen und Besucher für eine sehr gelungene Aktion!

Text: Sonja Guber

„Der Mann aus dem Eis“: Die Zeiteninsel bei der Sektmatinee am 3.12.2017 im Cineplex!

Wer schon immer einmal Ötzis Ausrüstung (oder zumindest originalgetreue Nachbauten!) in der Hand halten und steinzeitliche Handwerkstechniken und Werkzeuge ausprobieren wollte, kann dies im Rahmen der Sektmatinee am kommenden Sonntag im Cineplex Marburg tun! Hier besteht die Gelegenheit, die Mitglieder der AG Lebendige Archäologie und das Zeiteninsel-Projekt näher kennenzulernen und im Anschluss um 11:45 Uhr den Film über Ötzi, „Der Mann aus dem Eis“, anzuschauen.

Ötzi-Film

Weitere Informationen gibt es hier: https://www.cineplex.de/filmreihe/sektmatinee/668/marburg/

 

Was man alles aus Feuerstein machen kann…

Anfang Juni trafen sich 12 Teilnehmer zu einem Workshop der besonderen Art: „Steine schlagen“.

Veranstaltungen bei denen Archäotechniker die Herstellung von Werkzeugen aus Feuerstein demonstrieren, haben immer eine besondere Anziehungskraft für das Publikum. Vielleicht werden hier unsere Urinstinkte geweckt, denn wie das Entzünden von Feuer, ist die Herstellung einer Pfeilspitze beinahe ein „magischer“ Vorgang, der jahrelange Übung und ein tiefes Verständnis für den Aufbau des Steins voraussetzt.

Feuerstein (silex, flint) ist eine Art Kieselgestein, das vor 100 Millionen Jahren aus Kleinstlebewesen, wie Kieselalgen, in Hohlräumen eines Muttergesteins, meist Kreide, entstand. Es eignet sich gut zur Herstellung von Schneide-Werkzeugen, da es eine sehr hohe Dichte aufweist und scharfe Kanten hergestellt werden können.

Im Marburger Land gibt es keine natürlichen Vorkommen, hier mussten sich die Menschen mit anderen geeigneten Gesteinen wie Kieselschiefer oder Quarziten behelfen. Feuerstein von guter Qualität kommt an der Ostsee, in den Niederlanden und auch in Frankreich vor. Schon früh wurde er zu einer begehrten Handelsware und gelegentlich kann aufgrund von speziellen Merkmalen festgestellt werden, wo ein Feuerstein herstammt, der etwa an einem Rastplatz von Jägern und Sammlern gefunden wurde.

Es war uns erneut gelungen, den „Steinexperten“ Andreas Benke für einen Workshop zu gewinnen. Dieser begann am Samstag zunächst mit einer Einführung in die Technik des Aufschließens einer Feuersteinknolle mit Hilfe spezieller Schlagtechniken. Ziel war es, für die Anfänger Abschläge zu gewinnen, die dann weiter verarbeitet werden konnten und Erfahrung in der Bruchmechanik des Feuersteins zu gewinnen.

20170603_124942

Mit Feuereifer und viel Energie begannen die Teilnehmer nun die Feuersteinknollen zu zerlegen, so dass die Splitter nur so umherflogen. Lange Zeit hörte man nur das Schlagen von Stein auf Stein und alle waren sehr konzentriert bei der Sache.

Im Laufe des Tages wurde der Haufen von großen Feuersteinknollen immer kleiner und zum Tagesende hatten die Teilnehmer eine Ahnung davon, wie diese Technik grundsätzlich funktioniert. Auch dem Letzten war spätestens jetzt klar – so einfach ist die Sache nicht.

Zu Beginn des 2. Tages präsentierte Andreas Benke seine selbst hergestellten Werkzeuge, Repliken von archäologischen Funden und Waffen, wie verschiedene Pfeile und vor allem Pfeilspitzen und Dolche. Er gab auch eine kurze Einführung in die Typologie der Steingeräte der letzten 2,5 Mio. Jahre sowie einen kleinen Schlenker zur Herstellung von Birkenteer und seine Verwendung bei der Befiederung von Pfeilen.

Danach wurde das Tagesziel ausgegeben: die Herstellung von Pfeilspitzen. Dazu hatte Andreas Benke viele vorbereitete Abschläge mitgebracht, aus denen sich Pfeilspitzen einfacher herstellen lassen sollten, da ja das Aufschließen des Steins bereits erfolgt war.

Nach einer Einführung in die Flächenretusche, die zur Verdünnung bzw. Formgebung  notwendigeTechnik, versuchten sich die Teilnehmer in der Herstellung von Pfeilspitzen. Die Handhabung von Druck- und Schlaginstrumenten aus Kupfer, Geweih und Stein rückte nun in den Fokus, um mit Hilfe des sogenannten indirekten Schlags Retuschen erzeugen zu können.

20170603_135155

Zwischendurch erfolgte noch eine Vorführung zur Effektivität von diversen Steingeräten bei der Verarbeitung von organischem Material, wie etwa das Schneiden von Gras mit einer Sichel.

Im Verlauf des Kurses wies Andreas Benke immer wieder darauf hin, wie entscheidend der richtige Auftreffwinkel ist, um den gewünschten Effekt, sprich Retusche, Abschlag etc. zu erzielen.

Auch griff er den Teilnehmern bei ihren individuellen, teils ehrgeizigen Projekten, wie der Herstellung eines Beils, unter die Arme…und wie von Zauberhand entwickelten sich die gewünschten Formen durch gezielte Schläge.

Die Zeit verging im Flug und am Ende des Tages ging es dann auch noch um ganz andere Themen, zu denen Andreas Benke eine Fülle seines fundierten Wissens und seiner breit gestreuten Erfahrungen bereitwillig beisteuerte.

Wir danken sehr und hoffen auf einen weiteren Kurs im nächsten Jahr!

 

 

Lindentag auf der Zeiteninsel

Am vergangenen Sonntag fand ein „Lindentag“ auf der Zeiteninsel unter Beteiligung von Dr. Astrid Wetzel, Dr. Sonja Guber und Monika Mosburger, Mitglieder des Fördervereins, statt. Die Linde wurde schon vor tausenden von Jahren in vielfältiger Weise von Menschen genutzt. So besaßen zum Beispiel die Schuhe des berühmten „Ötzi“ ein Innengeflecht aus Lindenbast und aus einem über 7000 Jahre alten Brunnen konnten mehrere Beutel aus Rinde geborgen werden,  darunter auch einer aus der Rinde junger Linden. Die Beutel wurden vermutlich zum Wasserschöpfen benutzt.

Vor dem Holzhaus sammelten sich die Besucher zunächst und konnten bei Monika das Zwirnen mit Lindenbast ausprobieren.

 

Sie erfuhren, dass der Bast entsteht, wenn Lindenrinde für mehrere Wochen im Wasser rottet. Der feinfaserige Bast kann zum Beispiel zur Herstellung von Fischernetzen, zum Zwirnen und Körbe flechten benutzt werden.

 

Astrid führte die interessierte Gruppe anschließend über die Zeiteninsel und gab eine botanische Einführung und weitere Verwendungsmöglichkeiten an. So hilft ein Tee aus Lindenblüten gegen Halsweh. Sonja ging auf die Bedeutung von Lindenblüten für Bienen ein und berichtete von ihrem Bienenprojekt. Für das weitere Programm wurden einige Lindenäste abgeschnitten.

 

Nach der Rückkehr zum Holzhaus zogen die Kinder deren Rinde ab und schnitten die Hölzchen in Stücke. Diese wurden in eingestochene Alufolie eingewickelt und anschließend für 10 Minuten ins Feuer gelegt. Der spannende Moment kam beim Auswickeln: Vor allem die kleinen Besucher waren begeistert von der entstandenen Zeichenkohle und probierten diese gleich aus.

 

Nicht nur Papier, auch die Haut kann durch im Mörser zerkleinerte Kohle verschönert werden. Astrid vermischte das Kohlepulver mit Glycerin und heraus kam eine Farbpaste, die auch gleich verwendet wurde.

 

Am Ende des Tages waren alle begeistert von den vielfältigen Möglichkeiten, die die Linde bietet. Wir haben uns sehr über das Interesse der Besucher gefreut!

Steinzeittage – Großveranstaltung

Auch in diesem Jahr fand wieder ein großes Event auf der Zeiteninsel statt: Die Reise ging dieses Mal tausende Jahre zurück in die Vergangenheit, in die Steinzeit. Zahlreiche Akteure und viele Mitmachstationen versprachen ein äußerst lebendiges und anschauliches Wochenende für kleine und große Besucher!

Die eingeladenen Darsteller und Archäo-Techniker deckten ein großes Themenfeld ab: Passend zum Bau unseres jungsteinzeitlichen Rössen-Hauses ging es unter anderem um Holzbearbeitung, Keramik- und Textilfertigung, steinzeitliche Imkerei und die Herstellung von Messern aus Feuerstein und Obsidian.

Vorbereitend kamen dazu am Freitag viele freiwillige Helfer auf der Zeiteninsel zusammen, um das Gelände entsprechend vorzubereiten. Sie hängten Schilder auf, halfen beim Aufbau einzelner Stationen, errichteten Pavillons und bauten Tische und Bänke auf, außerdem richteten sich erste Teilnehmer ein. Dann war alles soweit fertig und der nächste Tag wurde mit großer Aufregung erwartet.

Am Samstag um 10 Uhr ging es los: Die ersten Besucher kamen an die Kasse und den Infostand!

Das Gelände war zu diesem Zeitpunkt bereits belebt, die Akteure waren schon an ihren Stationen und es herrschte bereits am Morgen ein buntes und lebendiges Treiben. Manche Besucher waren zum ersten Mal auf der Insel und waren begeistert von dem Bild, das sich ihnen bot. Hier hatten sie die Möglichkeit, den Experten ausführlich Fragen zu stellen und sich Wissen zur Steinzeit anzueignen. Außerdem konnten die Ausmaße des Langhauses, die durch die Planierung der zu bebauenden Fläche deutlich wurden sowie die bis zu 1,20 m tiefen Pfostenlöcher bestaunt werden.

Beim Gang auf die Insel trafen die Besucher als erstes auf Mirko Runzheimer und Lutz Visosky, die eine archäotechnische Vorführung zum Gerben geplant hatten. Außerdem zeigten sie, wie aus Birkenrinde Birkenpech, der „Kleber der Steinzeit“, gewonnen werden kann. Nachdem Mirko und Lutz eine Rehhaut aufgespannt hatten, entfernten sie mit Feuersteinklingen und Messern die Fleischreste und die Fettschicht. Dieter Eidam unterstützte die beiden mit dem passenden Arbeitsmaterial in Form von Klingen.

Anschließend erklärten sie den vielen Besuchern ihres Standes anschaulich, wie die darauf folgenden Arbeitsschritte für die Gerbung mit tierischer Hirnmasse aussehen müssten. Der Fachmann spricht hier von der „unechten Gerbung“, da die Gerbung der Haut nicht permanent ist, sondern auswaschbar bleibt.

Über die Gewinnung und Verarbeitung von Pflanzenfasern, wie beispielsweise Lindenbast informierte an ihrem vielfältig ausgestatteten Stand die bekannte Archäo-Technikerin Anne Reichert.

Die Besucher konnten nicht nur die rekonstruierte steinzeitliche Kleidung und Schuhe von Ötzi bewundern, sondern auch diverse Werkzeuge zur Textilverarbeitung sowie Körbe, Siebe und Beutel aus Lindenbast, die Frau Reichert anhand von textilen Resten aus den Pfahlbausiedlungen rekonstruiert hat.

Weiter ging es zu Dennis Moch, der eine Speerwerf-Aktion für die Besucher vorbereitet hatte. Auch hier bildete sich eine Schlange, wollten doch viele in die Rolle eines steinzeitlichen Jägers schlüpfen.

Das gestaltete sich gar nicht so einfach, doch am Ende der Übung schafften es viele, den großen Strohballen „zu erlegen“. Hier wurde deutlich, dass es gar nicht so einfach ist, einen Speer zielgerichtet zu werfen. Vor allem, wenn man sich vorstellt, dass sich das Ziel auch noch bewegt!

Die nächste Station konnte schon von weitem gehört werden: Stefan Pfannmüller hatte einen Aktionsbereich zur Schwirrholz-Herstellung vorbereitet. Hier konnten die Kinder dieses seit Jahrtausenden benutzte Musikinstrument bzw. Mittel zur Kommunikation selbst fertigen, ein Angebot, das auch begeistert genutzt wurde. Schwirrhölzer werden aufgrund ihres charakteristischen Geräusches „Bullenbrüller“ genannt und waren im Laufe des Wochenendes häufig auf der Zeiteninsel zu hören.

Etwas besinnlicher ging es an der Station von Ruth Hecker zu. Hier war das große Thema die steinzeitliche Kunst in Form von Höhlenmalerei. Eine aufgespannte Pappwand diente als Höhlenwand-Ersatz. Die benötigte Farbe stellte Frau Hecker unter anderem aus gelben und roten Ocker her. Die Kinder malten begeistert und fertigten ihre eigenen Kunstwerke an.

Der Stand von Arne Mentel richtete sich wieder an die steinzeitlichen Jäger: Er hatte eine Vielzahl von Tierspuren in Sand eingedrückt, die die Besucher nun erkennen sollten. Das war gar nicht so einfach. Außerdem ging es bei ihm um das interessante Thema Fährtenlesen.

Bei Robert Graf und Monika Weigl von „Zeiten-Erleben“ standen die Steinbearbeitung und die Verarbeitung von Faserpflanzen im Vordergrund. Ein Highlight war sicherlich die Demonstration, wie Klingen aus vulkanischem Gesteinsglas, Obsidian, hergestellt werden können.

Klingen aus Obsidian sind äußerst scharf und waren daher, neben Feuerstein, ein begehrtes Material für die Fertigung von Pfeilspitzen und Messern. Außerdem zwirnte Monika mit den Besuchern aus den Fasern der Brennnessel Armbänder und Ketten und demonstrierte so sehr anschaulich eine Verwendungsmöglichkeit dieses Naturmaterials.

Dem spannenden Thema der prähistorischen Imkerei widmete sich Sonja Guber von „Immenzit“. Sie präsentierte Bienenwachs in den unterschiedlichen Stadien der Verarbeitung, zeigte verschiedene Weiterverarbeitungs- und Verwendungsmöglichkeiten auf und erläuterte, wie die Bienenhaltung in der Steinzeit ausgesehen haben könnte. Es kam zu einem Erfahrungsaustausch, da sich auch moderne Imker gerne über ihre „steinzeitlichen Vorgänger“ informieren wollten.

Ein Volk von Sonjas Bienen lebt übrigens seit einigen Wochen in einem hohlen Baumstamm auf der Zeiteninsel. Diese Haltungsart wird auch für die Steinzeit angenommen.

Wulf Hein von Arctech hatte diverse rekonstruierte Werkzeuge, Jagdwaffen und Figurinen mitgebracht. Es ging hier um die Bearbeitung von Stein, Holz, Geweih, Knochen und Elfenbein. Die Besucher nutzten die Möglichkeit, den Archäotechniker mit Fragen zu löchern. Welche Beile eigneten sich besonders gut zum Bäume fällen? Wie wurden die kunstvollen Elfenbeinfigurinen von der Schwäbischen Alb angefertigt? Und welche Waffen zur Jagd genutzt?

Die Antworten auf diese Fragen und vieles mehr konnten die Besucher an Wulfs Stand erfahren. Ihn werden wir in den kommenden Monaten übrigens häufiger auf der Zeiteninsel antreffen, da er der Bauleiter für unser rekonstruiertes Haus der Rössener Kultur ist.

Neben Wulf hatte sich Markus Loges eingerichtet. Bei ihm standen steinzeitliche Werkzeuge zur Holzbearbeitung im Fokus.

Die Besucher konnten anhand verschiedener Beile selbst ausprobieren, wie ein steinzeitlicher Holzfäller gearbeitet hat. Außerdem ging es um die Entwicklung von Axt und Beil. Sein Wissen kommt ebenfalls dem Bau des Rössener Langhauses zu Gute: Seit dem 19.06. übernehmen Markus und seine Kollegen die Holzarbeiten.

Licht ins Dunkel brachte Brigitte Schmitz mit ihrem Stand: Hier konnten Kinder selbst ein steinzeitliches Licht töpfern und verzieren. Dieses wurde anschließend mit Talg und einem Docht ausgestattet. Ton ist wohl neben Stein einer der wichtigsten Werkstoffe der jüngeren Steinzeit. Das Wissen, wie aus einem Tonklumpen eine schöne Lampe entsteht, konnten die angehenden Töpfer neben ihren Steinzeit-Lichtern mit nachhause nehmen.

Eine Vielzahl an Gefäßen aus Ton präsentierte Susanne Gütter. Sie ermöglichte anhand von originalgetreu rekonstruierter Keramik von Fundplätzen aus der Umgebung einen Blick in den jungsteinzeitlichen Geschirrschrank. Was ist eine Magerung? Welche Aufbautechniken gibt es?  Wie sahen steinzeitliche Gefäße aus und mit welchen Mustern wurden sie verziert? Die Antworten fanden die interessierten Besucher an Susannes Stand.

Die Kirmses nahmen die Besucher mit in den ältesten Abschnitt der Steinzeit, die Altsteinzeit. Sie demonstrierten, wie mit Hilfe von Speerschleudern gejagt wurde. Außerdem konnten Schieferplatten mit Ritzzeichnungen versehen werden. Dieses Angebot nahmen die kleinen Besucher gerne an und so entstanden kleine Kunstwerke.

Familie Burberg, die für das „Steinzeit-Experiment“  des SWR bereits mehrere Wochen wie in der Steinzeit lebte, schlug ihr Lager auch wieder auf der Zeiteninsel auf (hier gibt es Informationen zur Veranstaltung von 2014). Auf einem Reibstein konnten die Besucher Getreide mahlen, Steinzeit-Fladen am Feuer backen, Muscheln bohren, Schnüre zwirnen und dabei den Steinzeit-Erfahrungen der Familie lauschen. Außerdem führte Martin Burberg während der zweitägigen Veranstaltung Grubenbrände für Keramik durch.

Torsten Jägers Mitmachstation stand ganz im Zeichen des Schmucks: Hier ging es um die Fertigung von Perlen aus Kalkstein, Torsten und die fleißigen Besucher fertigten insgesamt 125 Perlen an. Diese wurden zunächst geschliffen und anschließend durchbohrt. Es wurde deutlich, wieviel Arbeit in der Fertigung steckt.

Monika Moosburger wollte den Geschmacksinn der Besucher ansprechen. Sie hatte sich ein Rezept für steinzeitliches Nutella überlegt und mit der Unterstützung durch Nadine Keßler konnten die Kinder dafür zunächst selbst Haselnüsse auf einem Stein knacken. Die Nusskrümel wurden anschließend mit Honig vermischt und fertig war der süße Aufstrich.

Die mit Fellen gedeckten Zelte von Gerhard Kalden fielen schon von weitem ins Auge. Schon bei der ersten Großveranstaltung 2014  war diese Station Anziehungspunkt für viele Besucher. Sie betraten das Lager und fühlten sich direkt in die Steinzeit versetzt.

ka7Hier gab es einiges zu sehen: Gefäße aus Ton, einen Gewichtswebstuhl, Ketten und Armbänder mit durchlochten Muscheln und Zähnen, Felle verschiedener Tiere, rekonstruierte „steinzeitliche“ Schuhe und vieles mehr. Gerhard Kalden und sein Team hatten sich zudem auch einige Mitmach-Aktionen in Form von „Steinzeit-Spielen“, wie einem Ernährungs-Quiz, überlegt.

Hatten die Besucher nun Hunger bekommen, konnten sie aus unserem vielfältigen kulinarischen Angebot wählen. Für den Kaffee- und Kuchenstand des Fördervereins hatten die Mitglieder wieder fleißig Kuchen gebacken. Außerdem gab es einen Stand der Landfrauen Niederwalgern mit ausgezeichneten Waffeln, einen Bratwurstverkauf und einen Stand, der von der Wetterauer Feldküche betrieben wurde. Hier konnten die Besucher köstliche „Steinzeit-Fladen“ erwerben.

Großer Beliebtheit erfreute sich auch unsere Feuerstelle, an der ganz frisch Stockbrot gebacken wurde.

Der erste Steinzeit-Tag klang mit einem gemeinsamen Grillen der Akteure und freiwilligen Helfer aus. Die Zeit wurde für angeregte Gespräche und eine Rückschau des ersten Tages genutzt.

Der Sonntag stand wieder ganz im Zeichen der Steinzeit und alle Darsteller und Helfer waren bei schönstem Wetter wieder voller Energie bei der Sache. Wir bekamen sogar Besuch vom Hessischen Rundfunk, der einen Beitrag über die Veranstaltung drehte. Familie Potschka führte das Film-Team zu den Highlights der Veranstaltung.

Das Wasser lud bei steigenden Temperaturen zu einer kleinen Bootsfahrt ein, die, zumindest laut Fotos, auch lustig gewesen sein dürfte.

Am Sonntagabend gegen 17.00 Uhr begannen die Darsteller und Helfer mit dem Abbau der Stände und Zelte. Wir freuen uns über die positive Besucherresonanz und ein ereignisreiches Wochenende, dass durch die engagierten Akteure ein Eintauchen in die steinzeitliche Lebenswelt ermöglicht hat.

Allen Mitwirkenden und Helfern sei an dieser Stelle für ihre tatkräftige Mitarbeit ganz herzlich gedankt! Für die großzügige finanzielle Förderung danken wir außerdem der Sparkasse Marburg-Biedenkopf sowie der Gemeinde Weimar für die überaus wertvolle logistische Unterstützung.

Arbeitseinsatz im Juni

Am vergangenen Samstag fand bei schönstem Wetter wieder ein Arbeitseinsatz auf der Zeiteninsel statt. Es gab viel zu tun, da das Gelände für die Steinzeittage am 17. und 18. Juni vorbereitet werden sollte.

Zudem hatte sich ein Besuch aus dem Fernsehen angekündigt: Reinhard Schall vom Hessischen Rundfunk kam auch in diesem Jahr vorbei, um „Aktive in action“ für die hessentipp-Sendung am kommenden Freitag zu filmen.Foto 1Die Freiwilligen begannen mit dem Bau eines Unterstandes für den Lehmbackofen. Dieser konnte auch fast fertig gestellt werden, lediglich Teile der Überdachung fehlen noch, da nicht genügend Reet zur Verfügung stand.

Der ausgehöhlte Baumstamm, in dem seit einigen Wochen eines der beiden Zeiteninsel-Bienenvölker lebt, bekam einen neuen Boden, außerdem wurde die Umzäunung hier komplett neu gebaut. Die Bienen haben sich gut eingelebt und genießen die Blütenvielfalt auf der Insel.

Foto 3

Bei den Steinzeittagen ist neben vielen anderen tollen Stationen auch eine archäotechnische Aktion geplant: Unter Zuhilfenahme von tierischem Hirn soll Tierhaut gegerbt und der Gerbevorgang vorgeführt werden. Bereits am Samstag kam es daher zu einem Probelauf, bei dem es schon Einiges zu sehen gab. Die Archäotechniker spannten eine Kuhhaut auf, um diese mit der Hilfe von Feuersteinklingen und Messern von Fleischresten zu befreien und die Fettschicht von der Haut zu lösen.foto 6Das gestaltete sich gar nicht so einfach. Außerdem wurden aus zwei Rehköpfen- und einem Schafskopf das Hirn, das für den Gerbeprozess benötigt wird, herausgelöst. Hund Elli freute sich, fiel doch das ein oder andere Fleischstück für sie ab.

Ebenfalls als Vorbereitung für die Steinzeittage gruben die Aktiven zwei Löcher mitten auf der Schaf- und Ziegenwiese, was von diesen mit neugierigem Mähen und Meckern kommentiert wurde. In die Löcher sollen zwei Baumstämme versenkt werden, an denen kleine und große Besucher in die Rolle eines steinzeitlichen Holzfällers schlüpfen können.

Nachdem das Gelände gesenst und die Freiwilligen die Feuerstelle für die Stockbrotaktion vorbereitet hatten, gab es ein, wie immer sehr leckeres, gemeinsames Mittagessen.foto 10Anschließend ging der Bau des Unterstandes für den Lehmbackofen frisch gestärkt und mit vereinten Kräften weiter.

Es war wieder ein sehr schöner Arbeitseinsatz, bei dem die Freiwilligen viel geschafft haben. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten!