Arbeitseinsatz im Juni

Am vergangenen Samstag fand bei schönstem Wetter wieder ein Arbeitseinsatz auf der Zeiteninsel statt. Es gab viel zu tun, da das Gelände für die Steinzeittage am 17. und 18. Juni vorbereitet werden sollte.

Zudem hatte sich ein Besuch aus dem Fernsehen angekündigt: Reinhard Schall vom Hessischen Rundfunk kam auch in diesem Jahr vorbei, um „Aktive in action“ für die hessentipp-Sendung am kommenden Freitag zu filmen.Foto 1Die Freiwilligen begannen mit dem Bau eines Unterstandes für den Lehmbackofen. Dieser konnte auch fast fertig gestellt werden, lediglich Teile der Überdachung fehlen noch, da nicht genügend Reet zur Verfügung stand.

Der ausgehöhlte Baumstamm, in dem seit einigen Wochen eines der beiden Zeiteninsel-Bienenvölker lebt, bekam einen neuen Boden, außerdem wurde die Umzäunung hier komplett neu gebaut. Die Bienen haben sich gut eingelebt und genießen die Blütenvielfalt auf der Insel.

Bei den Steinzeittagen ist neben vielen anderen tollen Stationen auch eine archäotechnische Aktion geplant: Unter Zuhilfenahme von tierischem Hirn soll Tierhaut gegerbt und der Gerbevorgang vorgeführt werden. Bereits am Samstag kam es daher zu einem Probelauf, bei dem es schon Einiges zu sehen gab. Die Archäotechniker spannten eine Kuhhaut auf, um diese mit der Hilfe von Feuersteinklingen und Messern von Fleischresten zu befreien und die Fettschicht von der Haut zu lösen.foto 6Das gestaltete sich gar nicht so einfach. Außerdem wurden aus zwei Rehköpfen- und einem Schafskopf das Hirn, das für den Gerbeprozess benötigt wird, herausgelöst. Hund Elli freute sich, fiel doch das ein oder andere Fleischstück für sie ab.

Ebenfalls als Vorbereitung für die Steinzeittage gruben die Aktiven zwei Löcher mitten auf der Schaf- und Ziegenwiese, was von diesen mit neugierigem Mähen und Meckern kommentiert wurde. In die Löcher sollen zwei Baumstämme versenkt werden, an denen kleine und große Besucher in die Rolle eines steinzeitlichen Holzfällers schlüpfen können.

Nachdem das Gelände gesenst und die Freiwilligen die Feuerstelle für die Stockbrotaktion vorbereitet hatten, gab es ein, wie immer sehr leckeres, gemeinsames Mittagessen.foto 10Anschließend ging der Bau des Unterstandes für den Lehmbackofen frisch gestärkt und mit vereinten Kräften weiter.

Es war wieder ein sehr schöner Arbeitseinsatz, bei dem die Freiwilligen viel geschafft haben. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten!

Welches Kräutlein wächst denn da?

Dieser Frage stellten sich die Teilnehmer der Kräuterwanderung auf der Zeiteninsel am vergangenen Sonntag.

Wenn im Frühling die Natur förmlich explodiert und wir uns nach der langen Winterpause nach frischen Kräutern sehnen, fühlen wir uns den Menschen der Vergangenheit, die ohne Ganzjahresangebot durch Supermärkte lebten, eng verbunden.

Auch auf dem Gelände der Zeiteninsel haben sich in den letzten Jahren viele essbare Kräuter, aber auch Färbepflanzen und Heilkräuter angesiedelt, die nun gesucht und geerntet werden sollten.

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Die Biologin Dr. Astrid Wetzel hatte großformatige Fotos der zu sammelnden Kräuter vorbereitet und an jeden Teilnehmer ein Foto mit einer Pflanze verteilt. Sie stellte die Aufgabe, die jeweilige Pflanze auf dem Gelände zu finden und zu ernten.

Zu jeder Pflanze wurde der Name „abgefragt“ und ihre  Bedeutung erklärt.

Dann ging es los und alle schwärmten aus. Die Teilnehmer mit Ortskenntnis hatten die Brennnesseln und den kleinen Wiesenknopf schnell gefunden, aber es gab auch Kräuter, die etwas kleiner und unauffälliger sind. Da fiel die Suche und Bestimmung schon schwerer.

Nachdem die Kräutersucher mit dem Spaten noch Meerrettich und wilde Möhre geerntet hatten, trugen  sie alle Kräuter nach Sorten zusammen und besprachen sie  gemeinsam. Es ging vor allem darum, welche Teile der Pflanze verwendet werden können und wie die unterschiedlichen Kräuter riechen bzw. schmecken.

Interessant war es zu sehen, dass der Standort der jeweiligen Pflanze eine große Auswirkung auf ihr Aussehen hat. So kann dieselbe Pflanze sehr unterschiedlich aussehen, wie am Beispiel der Vogelmiere zu erkennen war.

Es wurden alle Kräuter gemeinsam bestimmt, außerdem behandelte Astrid Wetzel noch weitere Pflanzen, die auf der Zeiteninsel wachsen und andere Verwendungsmöglichkeiten bieten. Danach ging es an die Verarbeitung der gesammelten Kräuter. Die Teilnehmer hackten – durch einen kurzen Gewitterguss unterbrochen – die Kräuter fein und verarbeiteten sie zu köstlichen Smoothies mit Kokosmilch oder zu Kräuterquark und Pesto.

Das Ergebnis war sehr lecker und nachdem der Regen sich verzogen hatte, saßen alle  noch lange beisammen und genossen die wärmende Frühlingssonne.

Vielen Dank an Dr. Astrid Wetzel – wir haben wieder viel gelernt.

Wie stellten die jungsteinzeitlichen Bauern vor 4500 Jahren ihre Keramikgefäße her?

Mit dieser Frage beschäftigten sich am vergangenen Wochenende die Kursteilnehmer des Workshops „Keramik der Rössener Zeit“ unter der Anleitung von Archäo-Technikerin Susanne Gütter.

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Nach einer kurzen Einführung präsentierte Susanne Gütter neben Repliken auch Originalfunde aus der Rössener Zeit, die bei Ausgrabungen im Lahntal gefunden wurden. Anhand der Scherben erklärte Frau Gütter anschaulich, wie die Menschen in der Jungsteinzeit den Ton aufbereiteten, die Keramik aufbauten und auf welche Art und Weise sie diese verzierten.

Die Teilnehmer konnten sich anschließend überlegen, welche Art von Gefäßen sie herstellen wollten, denn danach richtete sich die Vorbereitung des Tons mit der entsprechenden Magerung mit Sand und / oder gemahlenem Quarzgrus, welcher natürlich erst hergestellt werden musste.

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So lernten die Beteiligten den kompletten Herstellungsprozess bis zum fertigen Gefäß kennen und schärften ihren Blick für die Beschaffenheit der gefundenen Gefäßscherben.

Nachdem der Quarzgruß mit Schiebemühlen fein gemahlen worden war, wurde dieser mit Sand und Ton vermischt und untergearbeitet.

Mit Abschluss dieser ersten Herstellungsschritte  konnten sich die Keramikinteressierten vorbereitete Zeichnungen von Gefäßen anschauen und mit der Fertigung von Schüsseln, Kumpfen, Töpfen usw. beginnen.

Die Herstellung der Gefäße erfolgte in der Technik der „Aufbaukeramik“. Diese beinhaltet, dass das Gefäß bzw. die Gefäßwandung durch  gleichmäßig geformte Rollen, die angelegt und dann miteinander verstrichen werden, entsteht. Um dem Ton etwas Stabilität zu geben, kann zu Beginn in einer Form gearbeitet werden.

Die Teilnehmer merkten schnell, wie sehr die Witterung den Prozess der Keramikherstellung beeinflusst, denn bei sonnigem und windigem Wetter trocknet der Ton sehr schnell aus und verändert seine Beschaffenheit. Daher muss er zügig bearbeitet und zwischendurch immer wieder mit Wasser angefeuchtet werden.

Diese Temperaturschwankungen führten letztendlich zu Rissen in den Gefäßen, also wurde  bereits am ersten Tag die Werkstatt von draußen ins Innere des Holzhauses verlegt.

Zum Ende des ersten Kurstages hatte jeder bereits mindestens ein Gefäß hergestellt.

Glücklicherweise beruhigte sich am zweiten Kurstag  das Wetter, so dass zunächst wieder draußen an der frischen Luft gearbeitet wurde. Nun begann bei den meisten der „Feinschliff“:

Die hergestellten Gefäße mussten mit Hilfe von glatten Steinen poliert und / oder mit komplizierten Strich- und Stichmustern nach Originalfunden verziert werden.

Dazu suchten sich die Beteiligten  Werkzeuge wie Knochen, Muscheln, Steinklingen oder Hölzchen heraus, die in etwa den Mustern der Originale glichen.

Am Ende des zweiten Tages war eines klar – die Menschen der Jungsteinzeit hatten bereits ein hohes Niveau der Keramikherstellung erreicht. Den Kursteilnehmern hat es sehr viel Freude gemacht, die einzelnen Schritte der Herstellung eines Keramikgefäßes nachzuvollziehen und so einen kleinen Blick in diese Welt zu erhalten.

Nun müssen die Erzeugnisse einen Trocknungsprozess durchlaufen, um  anschließend im September in einem Meilerbrand haltbar gemacht zu werden.

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Wir danken Susanne Gütter für dieses inspirierende Wochenende.

Fotos: Meike Schuler-Haas und Sarah Fräßdorf

EXARC-Tagung in Leiden

EXARC – die internationale Vereinigung der archäologischen Freilichtmuseen Webseite EXARC, bei der auch die Zeiteninsel bereits Mitglied ist, richtete in der vergangenen Woche ihre Jahrestagung  in der Universität zu Leiden (Niederlande) aus. Dr. Andreas Thiedmann und Meike Schuler-Haas nahmen für die Zeiteninsel an dieser Veranstaltung teil.

In diesem Jahr lag der Themen-Schwerpunkt auf der experimentellen Archäologie, es wurden aber auch Beiträge zur Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Museen und zur Entwicklung von Museen gebracht.

Dr. Sonja Guber, Vorsitzende des Fördervereins Zeiteninsel, stellte ihr Projekt zur Archäo-Imkerei , das ja in Kooperation mit der Zeiteninsel stattfindet, dem internationalem Publikum vor und erhielt viel Aufmerksamkeit für ihre Posterpräsentation.

Besonders ergiebig waren vor allem die Pausen zwischen den Vortragsblöcken und das gemeinsame Abendessen, um Kontakte zu knüpfen und interessante Themen weiter zu vertiefen. Hier gab es auch Präsentationen und Auslagen von Universitätsprojekten, Experimentalarchäologen, Museen usw. zum anschauen und informieren.

Am Ende des ersten Konferenztages fand ein Empfang durch den Bürgermeister der Stadt Leiden im wundervollen Ambiente des historischen Rathauses statt. Er betonte in seiner Rede seine Sympathie für Geschichte im Allgemeinen und die Archäologie im Besonderen, obwohl Leiden heute ja eine Stadt des zukunftsorientierten Wissens und der modernen Kultur sei.

Im Außenbereich des Universitätsgebäudes fand am zweiten Tag ein Mitmachprogramm der Archäologie-Studenten der Universität statt mit Speerschleudern, Bogenschießen, Steine schlagen usw. statt.

Am Samstag führte die ganztägige Exkursion zu zwei Freilichtmuseen in Südholland:

Zuerst besuchte die Teilnehmergruppe das „Prehistorisch Dorp“  in Eindhoven, eines der ältesten archäologischen Freilichtmuseen in den Niederlanden, mit Gebäuden der Eisenzeit bzw. römischen Kaiserzeit, des hohen Mittelalters und der Zeit der Karolinger. Die Gruppe wurde durch den Museumsleiter informiert und durch das Museum geführt. Außerdem konnte an zwei Kurz-Workshops teilgenommen werden.

Nach dem stilvollen Lunch in der frühmittelalterlichen Halle ging es weiter zum Museumsprojekt „Archeologisch Erf“ im Broekpolder Vlaardingen, in der Nähe von Rotterdam.

Hier ist ein archäologisches Freilichtmuseum im Entstehen, das konzeptionell und auch sonst viele Parallelen zur Zeiteninsel aufweist. So sollen hier ebenfalls mehrere Siedlungseinheiten aus verschiedenen Epochen und in natürlicher Umgebung entstehen. Ein Gebäude der Steinzeit wurde kürzlich als archäologisches Experiment errichtet und weitere werden folgen.

Es waren inspirierende Tage mit gutem Gedankenaustausch unter Kollegen aus der ganzen Welt, interessante neue Kontakte wurden geknüpft und die Zeiteninsel einem internationalen Fachpublikum bekannt gemacht.

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Summ Summ Summ

Imkerei und Archäologie? Wo ist da die Verbindung? Gab es prähistorische Imkerei in Mitteleuropa? Diesen Fragen ging die Archäologin und Imkergesellin Dr. Sonja Guber in einer Themenführung am vergangenen Samstag auf der Zeiteninsel nach. Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer (vorwiegend mit imkerlichem Vorwissen) scheuten nicht das ungemütlich herbstliche Wetter und begaben sich auf die spannende Entdeckungsreise in die Frühzeit der Imkerei.

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Beginnend bei der Mittelsteinzeit um 9000 v. Chr. wurde die Spurensuche nach der prähistorischen Imkerei in Mitteleuropa von hinten aufgerollt, um abschließend bei den Germanen der frühen Römischen Kaiserzeit um die Zeitenwende zu landen. Für die Mittelsteinzeit zeugen Felsbilder aus dem heutigen Spanien vom „Honigjagen“. Für die Jungsteinzeit, Bronzezeit und Römische Kaiserzeit können konkrete Funde von Bienenbehausungen auf den Gebieten der heutigen Schweiz und Deutschland angeführt werden. In jede Zeitstellung wurde kurz eingeführt und anschließend die imkerlichen Funde mit einem Poster vorgestellt, erläutert und sogleich mit den anwesenden Imkerinnen und Imkern diskutiert.

 

In der Station der Jungsteinzeit wurden zusätzlich Nachbildungen gefundener Klotzbeuten vorgestellt, die im nächsten Jahr mit Bienen besiedelt werden sollen. Auch hier bestand reges Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich über die tatsächliche „Bienentauglichkeit“ der prähistorischen Beuten auszutauschen. Bereits für die Jungsteinzeit gibt es konkrete Nachweise in Form von Wachsanhaftungen an Keramikfunden, dass nicht nur Honig sondern auch Wachs geerntet und verwendet wurde. In der Bronzezeit kommt es zu einer kulturtechnischen Neuerung, die auf ein imkerliches Management schließen lässt: das Wachsausschmelzverfahren im Kontext des Bronzegusses. Erneut ist es das Wachs, welchem eine besondere Bedeutung zukommt, und nicht – worauf bei uns heute der Fokus liegt – der Honig.

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Ein erstes „Zeiteninsel-Bienenvolk“ ist bereits auf der Insel angekommen. An seinem Standort wurde anschließend kurz Station gemacht und vorgeführt, wie die langschmalen Waben der Bienen im Inneren einer jungsteinzeitlichen Klotzbeute aussehen könnten. Da man in die tatsächlichen Klotzbeuten nicht hineinschauen kann, gibt es ein „Schauvolk“ in einer modernen Holzbeute mit modifizierten Rähmchen, die die Größe der jungsteinzeitlichen Waben imitieren sollen. Dies wird zukünftig vor allem für ein imkerlich unerfahrenes Publikum einen spannenden Einblick ins Bienenvolk ermöglichen.

 

Zum Abschluss gab es noch eine Verköstigung von Bienenprodukten, die im Kontext einer prähistorischen Imkerei zu sehen sind: Honiglimonade mit Mädesüß, Haselnuss-Honig-Krokant und Presshonig. Die Technik des Honigschleuderns konnte bei den prähistorischen Beutenformen natürlich nicht angewendet werden. Der Honig musste gepresst werden und erhält dadurch andere Inhaltsstoffe und einen anderen Geschmack.

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Die Themenführung machte alle Anwesenden neugierig darauf, wie dieses Projekt zur prähistorischen Imkerei auf der Zeiteninsel im nächsten Frühjahr weitergehen wird.

Text: Dr. Sonja Guber      Fotos: Meike Schuler-Haas

Ein „Knochenjob“

Die Materialien Knochen, Mammut-Elfenbein und Geweih waren schon in der Steinzeit gebräuchlich für die Herstellung von Speerspitzen, Nadeln, Schmuck und Kunstgegenständen.

 

Ein berühmtes Kunstwerk ist der aus einem Mammut-Stoßzahn geschnitzte „Löwenmensch“, der vor ca. 40 000 Jahren auf der Schwäbischen Alb in einer Höhle deponiert wurde.

Der Archäo-Techniker Wulf Hein, der von diesem Löwenmenschen auf möglichst originale Weise eine Replik hergestellt hatte, war am vergangenen Wochenende bei der Zeiteninsel zu Gast für einen Workshop der besonderen Art: „Knochen-Bearbeitung mit steinzeitlichen Werkzeugen“. Zu diesem Kurs hatten sich 10 interessierte Teilnehmer angemeldet, die zwei Tage lang in die Techniken der Steinzeit eintauchen wollten.

Wulf Hein brachte diverse Materialien zum Schnitzen mit: Rentierknochen, Reh- und Hirschknochen, Stücke vom Mammut-Stoßzahn und Knochen vom Elch.

Zum Schnitzen wurden direkt vor Ort Steinwerkzeuge aus Feuerstein für die Teilnehmer – je nach Bedarf – hergestellt. Es war sehr interessant, zu sehen, wie für jede spezielle Tätigkeit das passende Werkzeug hergestellt und nach Abnutzung wieder geschärft werden konnte. So entstanden Sägen, Schaber, Stichel und Bohrer aus Abschlägen.

Zu Beginn des Kurses präsentiere Wulf Hein Repliken von Gegenständen aus Knochen und alle waren voller Bewunderung für die Tierdarstellungen und die Knochenflöte.

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Nun konnten die Teilnehmer selbst wählen, welchen Gegenstand sie herstellen wollten. Dann wurden entsprechend Knochen verteilt und besprochen wie diese weiter bearbeitet werden sollten. Wulf Hein riet dazu die Knochen anzufeuchten bzw. während der Bearbeitung immer wieder zu wässern; so lassen sie sich wesentlich leichter mit dem Feuerstein in Form bringen.

Für die Herstellung einer Knochennadel werden zunächst zwei Rillen parallel auf dem Knochen angelegt unddscn3853_snapseed diese dann durchgesägt, danach wird das Stück an den Enden abgesägt.

Aus dem langen Knochenspan wird nun eine Nadel herausgefeilt, doch zunächst wird das Loch für die Öse gebohrt. Knochennadeln sind seit ca. 40 000 Jahren in Europa nachgewiesen. Sie haben allerdings erst seit ca. 20 000 Jahren ein Nadelöhr.

Knochennadeln wurden bevorzugt aus dem Mittelfußknochen des Rentiers hergestellt.

Das Öhr entsteht durch beidseitiges Bohren und Einschneiden. Mit Hilfe eines Sandsteines wird die Spitze zugefeilt. Wenn eine Knochennadel nahe dem Ende abbrach, konnte sie nachgearbeitet und dann weiter genutzt werden.

Schön ist die Aufbewahrung von Nadeln in einem Behälter aus Knochen oder Geweih.

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Zwei Teilnehmer entschieden sich eine Knochenflöte herzustellen. Das originale Vorbild stammt aus Grubgraben in Österreich und ist ca. 20 000 Jahre alt.

Die Flöte wurde aus dem Scheinbeinknochen eines Rentiers hergestellt. Zuerst wurden die beiden Gelenkköpfe oben und unten abgesägt und die Schnittkanten mit Hilfe eines Sandsteines geglättet.

Dann wurden drei Löcher in den Knochen gebohrt, pro Loch benötigte eine Teilnehmerin ca. eine Stunde. Danach wurde das Mundstück dünn abgeschliffen und am Ende des Tages konnte ein erster musikalischer Test erfolgen.

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Ein weiteres „musikalisches“ Highlight war die Herstellung von Schwirrern durch zwei Teilnehmer.

Ein Schwirrer oder Schwirrgerät ist eines der ältesten Instrumente zur Erzeugung von Tönen. Es ist schon seit der Altsteinzeit bekannt, jedoch unklar, wozu es diente: als Musikinstrument, als Gerät zur Nachrichtenübertragung oder im religiösen Kontext?

Hierfür muss eine längliche Knochenplatte aus dem Knochen herausgearbeitet werden, die an beiden Enden oval zugespitzt wird. Für das Befestigen der Schnur wird noch ein Loch gebohrt und die herausgearbeitete Fläche eignet sich gut zum Anbringen eines Musters durch Einritzungen, die mit Holzkohle eingefärbt werden können.

In der Teilnehmergruppe wurden zwei Schwirrer hergestellt, die beide hervorragend funktionieren. Das weckte zum Schluss des Tages den einen oder anderen Wunsch zur Nachahmung, obwohl die Hände durch die ungewohnten Tätigkeiten doch recht arg beansprucht waren.

Am zweiten Tag ging es dann auch gleich voller Tatendrang weiter mit Bohren, Sägen und Polieren, die Teilnehmer hatten sich wieder viel vorgenommen.

Im Laufe des Tages kamen immer wieder interessierte Zuschauer vorbei, die sich über die Inhalte und vor allem die Ergebnisse des Workshops informieren wollten.

Es wurden Schmuckstücke aus Mammutelfenbein hergestellt und sofort fiel den Akteuren der Unterschied zu Knochen auf – das Material ist viel härter und lässt sich schwieriger bearbeiten – da dauert das Durchbohren einer Perle dann doch gleich über vier Stunden.

Während der Arbeit kamen Diskussionen über den Arbeitsalltag in der Steinzeit auf, über Arbeitsteilung, Spezialisierung usw. Durch das Arbeiten mit steinzeitlichen Materialien und Methoden bekommt man einen anderen Blick auf die Herstellung von Gegenständen wie Pfeilspitzen oder Nadeln.

Das Thema Fischfang muss auf der Zeiteninsel, direkt am Wasser gelegen, auch aufgegriffen werden und so stellte eine Teilnehmerin einen Angelhaken her und ein Teilnehmer schnitzte eine kleine Querangel aus einem Knochenrest.

 

Eine andere Teilnehmerin schnitzte aus Mammutelfenbein ein Frauenidol, nach dem Vorbild der „Venus von Gönnersdorf“, ca. 15 000 Jahre alt.

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Mühselig war die Herstellung von Speer- bzw. Harpunenspitzen, die auch zunächst aus dem kompletten Knochen als „Platte“ herausgearbeitet werden mussten, bevor dann mit der Feinarbeit des Zuspitzens begonnen werden konnte. Diese Projekte dauerten die kompletten zwei Tage des Workshops.

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Einige Teilnehmer stellten Ahlen oder Pfrieme aus Knochen her. Dieses Allround-Werkzeug zum Stechen von Löchern in weichere Materialien ist z.B. notwendig, um Leder für das Nähen mit der Knochennadel vorzubereiten, denn die Spitze einer Knochennadel ist in ihrer Stabilitädscn3880t nicht mit einer heutigen Nähnadel zu vergleichen.

Auch „Ötzi“ hatte eine solche Knochenahle bei sich.

Am Ende des zweiten Tages waren viele Objekte fertiggestellt und andere noch in der Fertigungsphase – die Teilnehmer wollen in jedem Fall „dranbleiben“ und weiter mit dem Material Knochen/Geweih arbeiten.

Wir danken Wulf Hein für diesen inspirierenden Kurs, seine Erfahrung und sein Wissensschatz, auch über die Knochenbearbeitung hinaus, hat uns sehr motiviert und wir hoffen, ihn auch im kommenden Jahr wieder für einen Workshop auf der Zeiteninsel gewinnen zu können.

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Fotos: Meike Schuler-Haas und Anke Udelhoven

Grubenbrand durchgeführt

Auch in diesem Jahr trafen sich die Teilnehmer der Keramik-Workshops, um die hergestellte Keramik (wir berichteten Workshop Keramik der Rössener Zeit) zu brennen.

In diesem Jahr wollten wir einen Grubenbrand durchführen. Die Brenngrube war bereits vorhanden. Wir stellten nur einen Absatz in der Grubenwand wieder her, auf dem wir die getrocknete Keramik zum Vorwärmen aufreihen konnten. Dafür wurde zunächst in der Grube ein kontrolliertes Vorfeuer entfacht, das auf der Grubensohle ein Glutbett entstehen ließ. Der Wind blies beständig über unsere recht tiefe und geschützte Grube und ließ uns leicht die bereits entstandene Hitze in der Grube unterschätzen. So mussten wir das Glutbett noch eine ganze Weile abkühlen lassen, bevor die richtige Temperatur zum Einsetzen der vorgewärmten Keramik erreicht war.

Die rund 30 Gefäße wurden nun sorgfältig auf Steinen, alten Dachziegeln u. ä. über die Glut gesetzt, ohne mit dieser direkten Kontakt zu haben. Um wie bei den Originalfunden im Inneren eine dunkle Farbe zu erzielen, füllten wir viele der Gefäße mit Heu und verschlossen sie beim Einsetzen mit anderen Töpfen, da das Heu nicht verbrennen, sondern in den Gefäßen unter Sauerstoffmangel nur verschwelen sollte.

Nun wurde vorsichtig das Feuer aufs Neue entfacht und ganz langsam durch gut platziertes Holz beim Nachlegen als Feuerring in der Grube der Keramik angenähert.

Der Brand wurde so lange weiter gezügelt geführt bis die Farbe der Keramik sich änderte. Erst nach dieser mehrstündigen Aufheizphase legten wir das Brennholz schließlich auch vorsichtig zwischen und über die Gefäße, die nun direkt im Zentrum der Flammen der größten Hitze ausgesetzt wurden.

Wir wollten einen reduzierenden Brand durchführen, um eine Schwarzfärbung der Keramik zu erreichen. Daher wurde das Feuer über den nun glühenden Gefäßen mit Hilfe von Laub, Stroh, Grasschnitt erstickt. Nachdem sich starker Qualm entwickelt hatte, deckten wir die Grube mit einer Erdschicht ab.

Aus unseren Erfahrungen der letzten Brände heraus beschlossen wir diesmal noch länger zu warten, bis die Keramik abgekühlt war…und so wurde die Grube erst nach drei Tagen geöffnet.

Doch das Feuer hatte in den unbewachten Stunden nach dem Abdecken doch noch seinen Weg durch die Abdeckung gefunden und war noch einmal aufgeflammt. Durch dieses Nachbrennen waren in einigen Bereichen wieder sauerstoffreiche Flammen an die Gefäße gekommen und haben eine durchgehende Reduzierung des Brandes verhindert, wodurch die gewünschte vollständige Schwarzfärbung der Keramik zwar nicht durchgehend gelang, sie hat aber interessante Farbschattierungen erhalten.
Unsere Grube hat die Hitze nach dem Bedecken mit Erde noch so enorm gespeichert, dass die Stücke durch die lange Brenndauer sehr hart gebrannt waren.

Diesmal gab es zum Glück nur wenige Verluste, was uns sehr freut.

Nun müssen wir wieder in die Produktion gehen, damit wir auch im kommenden Jahr genügend Material für einen Brand haben – dafür haben wir uns als Ziel gesetzt, Erfahrungen mit einem Meilerbrand zu sammeln.

Text: Susanne Gütter / Meike Schuler-Haas  Fotos: Meike Schuler-Haas

 

Spinnen mit der Handspindel

Ziel dieses Workshops war die Herstellung einer eigenen Handspindel nach archäologischen Vorbildern der verschiedenen Zeiten, die auf der Zeiteninsel vertreten sind.

Die Kursleiterin Meike Schuler-Haas hatte einige Funde aus der Region mitgebracht, zuvor gefertigte Repliken und Fotos von archäologischen Funden.

Die Kursteilnehmerinnen konnten sich nun aussuchen nach welcher Vorlage sie ihre eigenen Spinnwirtel aus Ton herstellen wollten.

Im nächsten Schritt wurde der Umgang mit dem Material Ton erläutert und schon konnte es losgehen mit dem Kneten und Verarbeiten des Tons.

Wichtig bei der Herstellung von Wirteln ist die Gleichmäßigkeit der Form sowie die exakte Zentrierung des Loches für den Spinnstab, damit später keine Unwucht entsteht.

Die Teilnehmerinnen hatten an der Herstellung der Wirtel viel Freude und Elan, so dass am Ende des Tages vielfältige Formen mit unterschiedlicher Verzierung durch Muschelabdrücke u. ä. vorlagen.

 

Nachmittags wurde ein Feuer entzündet und die getöpferten Wirtel um das Feuer zum Trocknen platziert, um dann später in die Glut gestellt zu werden.

Am Ende wurde der Brand mit Erde abgedeckt, um dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen. Dadurch sollte eine Schwarzfärbung der Keramik erzeugt werden.

Der zweite Tag unseres Workshops begann mit der Bergung der gebrannten Spinnwirtel aus dem Feldbrand. Der Brand war erfolgreich, nur drei wurden beschädigt und einer blieb verschollen.

Durch den, am Vorabend einsetzenden Regen, waren die Wirtel allerdings nicht genügend durchgebrannt, so dass wir sie erneut brennen mussten.

Nun ging es vor allem darum, Spinnstäbe zu schnitzen und diese an die verschiedenen Wirtel anzupassen. Dann wurden die Wirtel getestet auf ihren Schwung, ihre Lauffähigkeit und die Handhabung.

Wir haben viel gelernt und sind uns sicher, wir werden noch mehrere Spinnwirtel selbst herstellen und sind stolz auf unsere Unikate.

Kräuter sammeln und verköstigen

Kann man auch im Spätsommer auf Kräutersuche gehen? Dieser Frage stellten sich am letzten Sonntag 13 Teilnehmer unserer Veranstaltung „Kräuter suchen und verköstigen“.

 

Nach einer kurzen Einführung in das Projekt „Zeiteninsel“ durch Meike Schuler-Haas, schickte Frau Dr. Astrid Wetzel vom NIZA (Naturschutz-Informationszentrum) die Teilnehmer zunächst mit Suchaufträgen aus, um eine ihnen bekannte und unbekannte Pflanze zu suchen.

Nach erfolgter Rückkehr wurden die gesammelten Pflanzen vorgestellt und ihre verschiedenen Wirkungsweisen erläutert. Frau Wetzel betrachtete die Pflanzen hinsichtlich der Verzehrbarkeit und Meike Schuler-Haas unter dem Aspekt der Archäologie z. B. der Verwendung als Färbepflanze oder Nutzung einer Pflanze schon in der Steinzeit. Mit allen Sinnen wurden die gesammelten Kräuter untersucht.

Einige Kräuter waren den Beteiligten durchaus bekannt, andere waren neu und ihre Verwendungsmöglichkeiten unbekannt gewesen. Auch etwa die Namensvielfalt der Wegwarte und des Wiesenknopfes führten zur Erheiterung: Sonnenwirbel, Wegeleuchte, Wilde Endivie, Kaffeekraut…

Im Anschluss an die Bestimmungsrunde wurden Gruppen gebildet, um die Pflanzen bzw. Wurzeln oder Blüten zu finden, die für das gemeinsame Mittagessen gesammelt werden sollten.

Da ging es teilweise mit starkem Gerät, wie der Spitzhacke, zur Ernte von Wilder Möhre, Meerrettich, Huflattich, Brombeeren, Wegwarte und einigen anderen Kräutern.

In der Zwischenzeit wurde der Lehmbackofen angeheizt und das Kochfeuer entfacht, denn einige Kräuter sollten gedörrt werden, darunter einige Huflattich-Blätter, Brennesselsamen und Zichorienwurzeln.

Über offenem Feuer wurden Kartoffeln und „wilder Spinat“ gekocht, die Huflattichblätter blanchiert und dann der Spinat mit Ziegenkäse in die Huflattichblätter gefüllt und zu schönen Päckchen gebunden serviert.

Eine Gruppe bereitete aus den gesammelten Meerrettich-Wurzeln und einigen Äpfeln und Birnen eine schmackhafte Creme zu, die die Teilnehmer in kleinen Gläschen abfüllen und mit nach Hause nehmen konnten.

Die Blüten der Wegwarte wurden mit Eiweiß und Zucker kandiert und mit den gesammelten Brombeeren zum Nachtisch serviert.

Während unserer gemeinsamen Mahlzeit klärte Frau Wetzel die Teilnehmer noch über die Begriffe wie Kräuter, Sträucher, Stauden auf und beschrieb die Unterscheidungsmöglichkeiten.

Der selbst gemachte „Muckefuck“ konnte leider nicht getestet werden, da die Ofenhitze nicht ganz ausreichte. Im Nachgang haben einige Teilnehmer des Kurses die Wurzeln bei sich zuhause zubereitet und Muckefuck als Kaffeeersatz für geschmackvoll befunden.

Hier noch einige „zoologische“ Entdeckungen am Rande des Geschehens.

Wir bedanken uns herzlich bei Wolfgang Küsters für die wunderbaren Fotos. Fotostrecke

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