Keramikmeilerbrand auf der Zeiteninsel

Im August trafen sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Keramik-Workshops (wir berichteten), um ihre nach prähistorischen Vorlagen gefertigten Gefäße zu brennen.

In den vergangenen Jahren hatten wir bereits mit Grubenbränden oder offenen Feldbränden Erfahrungen gesammelt. Diesmal haben wir uns auf Anregung der Kursleiterin Susanne Gütter mit einem anderen Brennverfahren etwas Besonderes vorgenommen: Einen sogenannten Meilerbrand, bei dem unter einer Rasensodenabdeckung durch den Entzug von Sauerstoff während des gesamten Brennverlaufs die typische Schwarzfärbung bis in den Kern vorgeschichtlicher Keramikgefäße erzielt wird. Im Gegensatz zu den Gruben- oder Feldbränden wird hier das gesamte Brennmaterial bereits vor dem Entzünden des Feuers eingebaut.

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Archäologisch lassen sich Brennverfahren wie Gruben- oder Meilerbrände von Keramik kaum nachweisen, da eventuell erhaltene Feuergruben durchaus unterschiedlich genutzt worden sein können.
Eindeutige Nachweise über die Art des Keramikbrandes stehen erst zur Verfügung, als Öfen gebaut wurden, wie sie z. B. in Einzelfällen aus der Jungsteinzeit (Trichterbecherkultur), häufiger jedoch erst aus der späten Bronzezeit und Eisenzeit bekannt sind.
Im Lahntal wurden bei Ausgrabungen Nachweise für Keramik-Brennöfen aus der Latènezeit (Eisenzeit) gefunden, die zu einem späteren Zeitpunkt auch auf der Zeiteninsel rekonstruiert werden sollen.

Meiler sind uns von der Holzkohleherstellung bekannt. Holz wird dabei in einer Kegelform aufgestapelt und dann mit Erde luftdicht verschlossen, bis auf eine Stelle oben, die freigelassen wird. Hier werden dann glühende Kohle eingebracht und danach die Lücke geschlossen. Nun beginnt der Vorgang der Verkohlung, der durch kontrollierte Luftzufuhr durch Zuglöcher gesteuert und überwacht werden kann.

Wir haben für unseren Meilerbrand zunächst eine bereits vorhandene Grube mit einem Durchmesser von 1,80 m auf ca. 45 cm vertieft. Auf den Grund wurde eine Schicht Brennmaterial (Reisig, dünne Zweige und eine 5 cm dicke Lage Stroh) aufgebracht.
Nun wurden die Gefäße mit Heu gefüllt und kleinere Gefäße in größere eingesetzt. Anschließend wurden die Gefäße vorsichtig mit der Öffnung nach unten auf das Strohbett eingesetzt. Eine bemalte Schüssel, die nicht ganz schwarz gebrannt werden sollte, wurde mit der Öffnung nach oben im Oberbereich platziert.

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Auch eine Serie von lokalen Tonproben und Gefäßnachbildungen einer endneolithischen Fundstelle der Wartbergkultur bei Wittelsberg, die im Rahmen eines Forschungsprojektes von Marianne Talma (Christian-Albrechts-Universität Kiel) und Susanne Gütter angefertigt worden waren, fanden in unserem Meiler Platz. Eine Reihe von sogenannten „Segerkegeln“ sollte durch ihre definierte Schmelztemperatur die erzielte Brenntemperatur anzeigen.

Das Brenngut wurde nun mit weiterem Stroh und Brennholz überdeckt, wobei wir überwiegend gutes Buchen-Leseholz mit Durchmessern bis 5 cm verwendeten.

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Es wurde wesentlich weniger Brennmaterial verwendet als bei unseren anderen Bränden, bei denen während des Brandes laufend nachgelegt werden musste.

Zuletzt wurden abgestochene Rasensoden kuppelartig um Keramik und Brennmaterial herum aufgeschichtet, wodurch quasi ein geschlossener „Einmalofen“ entstand. Aufgrund der Trockenheit der letzten Monate waren die Soden porös und nicht feucht, was wahrscheinlich einen deutlichen Einfluss auf das Verhalten des Meilers hatte.
Ganz unten zur Grubensohle hin wurden im Kreis vier lange Holzstangen von 4 cm Durchmesser liegend mit eingebaut, die später herausgezogen werden konnten, um bei Bedarf unter dem Rasensodenwall Lüftungskanäle zur Grubensohle öffnen zu können.

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Bevor die Rasensodenkuppel nun ganz geschlossen wurde, brachten wir zwei Schaufeln voll glühender Kohlen (aus einer separaten Feuerstelle) oben auf das Brennmaterial im Meiler auf. Nach einiger Zeit, in der sich das Feuer verbreiten konnte, wurde die letzte Rasensode oben auf die Kuppe des Meilers gesetzt, bevor sich noch große offene Flammen in das Brennmaterial weiter ausbreiten konnten.

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Brandverlauf
Nachdem der Meiler verschlossen war, drang direkt starker Rauch aus kleinen Lücken in der Rasensodenabdeckung. Größere Löcher wurden verschlossen.
In den folgenden Stunden beobachteten wir den Meiler ständig. Immer, wenn aus Öffnungen zu viel Rauch austrat, verschlossen wir diese mit Grassoden. Als der Prozess einmal ins Stocken zu geraten schien und der Rauchaustritt sich stark abschwächte, wurden auf halber Höhe einige Luftlöcher von rund 4 cm Durchmesser in den Meiler gestochen. Verstärkter Rauchaustritt belegte bald darauf die Wirksamkeit der Maßnahme.

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Abends wurden noch einmal einige Rasensoden aufgelegt als die Abdeckung bereits durchgeglüht war. Um Mitternacht war der Meiler dann ordentlich heiß und gut im Gang. Im Laufe der Nacht musste die Abdeckung erneuert werden, früh morgens hatte sich auf der nordwestlichen Seite ein etwa 20 – 25 cm großes Loch in die Abdeckung gebrannt.
Susanne Gütter, die die Nachtwache übernommen hatte, verschloss den Meiler mit einem großen Metalldeckel (von einem alten Waschzuber) wieder. Der Deckel wurde mit Soden abgedeckt und ringsum mit etwas Erde weitgehend abgedichtet.
Morgens war der Meiler dann noch aktiv, mittags rauchte er allerdings weit weniger stark.

Der Zustand war nun statisch recht stabil, ein Kranz von etwa fünf Löchern in Kniehöhe war noch offen. Ebenso einige Abzugsfugen unter dem Deckel.
Die Ritzen wurden abends geschlossen.
Der Meiler war unregelmäßig aktiv, so dass es länger dauerte, bis er sich durch das Brennmaterial durchgefressen hatte. Dies wäre im Nachhinein für das Durchbrennen der Keramik und Halten der Temperatur wohl noch gut gewesen.
Die unteren Luftlöcher mit den Holzstangen rührten wir nicht an, denn wir hatten nicht das Gefühl, dass wir von ganz unten Luft zuführen müssten.

In den nächsten Tagen wurde der Meiler weiterhin mindestens zweimal täglich kontrolliert.

Nach drei Tagen wollten wir den Meiler öffnen und stellten schon bei der ersten Berührung fest, dass er noch viel zu heiß war.

Auch zwei Tage später ging es uns genauso und die Spannung stieg weiter.

Wir einigten uns darauf, den Meiler an einer Stelle etwas zu öffnen, um nachzusehen, ob die Keramik schwarz gebrannt ist und es noch Glut im Inneren gab.

Der Zustand des Meilers ließ sich zu diesem Zeitpunkt folgendermaßen beschreiben:
Der komplette Rasensodenwall war bis auf ganz wenige Sodenreste inzwischen durchgeglüht und hatte sich in heiße Erde verwandelt, die die Grube nun komplett ausfüllte und die Gefäße einbettete. Der äußere Ring der Erde war oxidiert und nach innen hin zunehmend zu krümeligem „Brandlehm“ gebrannt. Im Inneren war die Erde – zumindest auf dieser Seite – schwarz reduziert und die zwei Gefäßstellen, die wir sehen konnten, sahen wunderbar schwarz/dunkel und gut durchgebrannt aus! Allerdings war darunter die Holzkohle sicher z. T. noch glühend, da bereits auf der Keramik noch aufliegende durchgekohlte Stöckchen durch die Luftzufuhr direkt
wieder aufglühten.

Wir haben im Außenrand-Bereich unserer Grube ein Stück herunter gegraben, aber nicht ganz bis zur Sohle, da uns währenddessen klar wurde, dass das in der Tiefe der Grube und im Zentrum ganz sicher noch nicht ohne Risiko für die Gefäße – und unsere Schuhsohlen – gewesen wäre. Also sind wir noch einmal zurückgerudert und haben alles wieder zugefüllt. Nur die Deckschicht auf dem Metalldeckel haben wir bis auf eine dünne kaschierende Streuschicht abgeräumt, damit es nach oben etwas leichter auskühlen konnte.

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Öffnen des Meilerbrandes
Nach einer Woche konnte der Meiler nun endlich geöffnet werden. Es war immer noch sehr warm, aber mittlerweile möglich, die Keramik zu entnehmen.
Wie sich herausstellte, war die Brenntemperatur an einigen Stellen nicht hoch genug, so dass einige Stücke nicht ganz gar gebrannt waren, während andere gut durchgebrannt klangen und aussahen. Auf der Grubensohle war ein Teil des Bettes aus Reisig und kleinen Ästen noch unverbrannt geblieben.
Nur eine Schale ist kaputt gegangen, alle anderen Keramiken haben den Brand unbeschadet überstanden. Die Brennfarben waren überwiegend schwarz bis braun
Für die Gefäße, die nicht richtig durchgebrannt waren, gab es einen weiteren Brenntermin.

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Fazit:
Der Meiler hat durch einen sehr gleichmäßigen Temperaturanstieg für einen Brennverlauf fast ohne Verluste geführt.
Wir haben nur recht wenig Brennmaterial benötigt (eventuell hätte etwas mehr Kleinholz eine höhere Brenntemperatur begünstigt).
Der Brennprozess war nicht vollständig gleichmäßig verlaufen und hatte lange Zeit in Anspruch genommen. Am Ende war er jedoch weitgehend durchgeglüht.

Die hohe Kunst ist bei diesem Brennverfahren das Abschätzen der nötigen Luftzufuhr. Da man während des Brandes keinen Einblick in das Innere des „Rasensodenofens“ hat, braucht es viel Erfahrung, die Rauch- und Hitzeentwicklung richtig einzuschätzen und zu steuern. Bei diesem ersten Meilerbrand hatten wir wohl etwas zu wenig Luftzufuhr zugelassen um die Reduktion nicht zu gefährden.

Bei dem zweiten Meilerbrand im September haben wir mit einem Thermometer den Brenntemperaturverlauf besser verfolgen und somit auch besser steuern können. Durch kleine Veränderungen im Aufbau (flacher auslaufende Grube, Bett u. a. aus Ziegendung, mehr und pyramidenförmig aufgeschichtetes dünnes Brennholz, Entzündung im Kreis am ganzen Außenrand vor Abdeckung mit flach aufgelegten Rasensoden) und der Luftführung (mehr Luftlöcher) ist dieser zweite Brand dann bereits hitziger, gleichmäßiger und flotter verlaufen. Das Holz war dabei wie in einem Kohlenmeiler nur verkohlt. Mit noch etwas mehr Luftzufuhr hätte also eine noch höhere Temperatur erreicht werden können. Die Gefäße kamen aus diesem zweiten Meilerbrand vollständig schwarz hervor.

Es wird mit Sicherheit im kommenden Jahr noch einmal einen Meilerbrand geben. Wir werden dabei weiter experimentieren mit einem optimierten Aufbau und noch etwas mehr Luftzugabe.

Wir bedanken uns bei Susanne Gütter für diese tolle Erfahrung und alle Freiwilligen, die sich um den Meiler über mehrere Tage gekümmert haben.

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Text: Meike Schuler-Haas und Susanne Gütter
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Brettchenweben mit Sylvia Crumbach

Ende Oktober war es endlich wieder soweit: Die bekannte Archäotechnikerin Sylvia Crumbach nahm die Reise ins Marburger Land auf sich, um im Rahmen eines Workshops in die Technik des Brettchenwebens einzuführen. Insgesamt acht Frauen nahmen das Angebot wahr und trafen sich im schönen Ambiente des Dorfgemeinschaftshauses von Kehna in der Gemeinde Weimar.

Sylvia Crumbach, Mitarbeiterin des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen und Textilexpertin, betonte bereits in ihrer Einleitung, dass es ihr wichtig sei, nicht nur die Technik des Brettchenwebens zu vermitteln, sondern auch auf die historischen Zusammenhänge und Hintergründe hinzuweisen.
Und so begann der erste Tag nicht direkt mit dem praktischen Teil, erst wurde es theoretisch: Sylvia Crumbach berichtete von den ersten Brettchengeweben, die entdeckt wurden, sprach über das Aussterben der Technik im späten Mittelalter und der Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert sowie dem Implementieren dieser Technik als „urdeutsche Volkskunst“ in der Zeit des Nationalsozialismus.

20181027_124514_SnapseedNach einer kurzen Pause ging es dann weiter mit dem Erlernen des Schreibens von Musterbriefen, hierzu mussten die Teilnehmerinnen erst einmal nachvollziehen, wie das Drehen der Brettchen funktioniert und sie ein Muster in der Köpertechnik erstellen können. Denn diese sollten sie an diesem Wochenende kennen lernen. Sylvia Crumbach musste sehr sorgfältig jeden einzelnen Musterbrief Korrektur lesen, damit es keine Webfehler im Muster gibt.
Den restlichen Nachmittag verbrachten die Kursteilnehmerinnen nun mit dem Schreiben ihrer Webbriefe. Alle wollten hiermit schnell fertig werden, damit das Weben endlich beginnen konnte.
Am nächsten Morgen ging es dann mit frischer Kraft und Konzentration daran, die Kettfäden auf die Webstühle aufzuziehen. Hier arbeiteten wir in Zweierteams, um die Kette im sogenannten „endlosen Aufzug“ zu spannen. Zunächst werden erst eine helle sowie eine dunkle Farbe ausgesucht und festgelegt, wie breit der Rand des Gewebes werden soll. Nach dem Treffen der Auswahl richteten die Teilnehmerinnen alle Webstühle fertig ein und der große Moment, auf den alle solange gewartet hatten, war da: Es ging los mit dem Weben nach dem Musterwebbrief, den wir am gestrigen Tag hergestellt hatten.

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Über dem Raum schwebte eine konzentrierte Ruhe, alle bemühten sich ihre Webbriefe in das Material umzusetzen. Hier merkte man schnell, wer bereits Erfahrung im Brettchenweben hatte und wer sich erst in diese Technik einfinden musste. Wenn man zu locker webt, ziehen sich Muster in die Länge. Man darf nicht vergessen, den Schussfaden einzulegen und muss darauf achten, in welcher Reihe man in seinem Musterbrief war.„Die Karten werden es dir weisen“ kam dann die Auskunft von Sylvia Crumbach – und wenn man das System durchschaut hatte, war es auch so.
Spätestens jetzt hatten alle verstanden, dass dies eine hochkomplizierte Technik ist und wir im Grunde erst am Lack gekratzt hatten.

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Unser Resümee des zweiten Tages: Wir brauchen dringend weitere Unterweisung und viel Übung.
Einen großen Dank an Sylvia Crumbach, die mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen die Teilnehmerinnen in die ersten Grundlagen des Brettchenwebens eingewiesen hat!
Und vielen Dank auch an die Gemeinde Weimar, die uns ermöglichte, das Dorfgemeinschaftshaus zu nutzen.

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Text und Fotos Meike Schuler-Haas

Workshops der offenen Bronzezeitwerkstatt im zweiten Kalenderhalbjahr 2018

Im August und im September fand je ein Workshop zum Thema Bronzegießen auf der Zeiteninsel statt. Der inhaltliche Schwerpunkt der Kurse wurde – statt des nur wenige Sekunden dauernden Gießvorganges – durch den langwierigen, aber inspirativen Herstellungsprozess der Gussformen aus Lehm gebildet. Sie beinhalten den Negativabdruck der aus Bienenwachs geformten Modelle, die durch das Brennen der Formen im Feuer vergehen. Aber auch die Lehmformen bleiben nach dem Gießen nicht bestehen, sie müssen zerschlagen werden, um an die begehrten Bronzeobjekte heranzukommen.

An einen weiteren Gussformentyp, eine zweischalige Dauerform aus Sandstein, wagte sich Kursteilnehmer Lutz, der aufgrund seiner handwerklichen Fertigkeiten als Steinmetzmeister natürlich ideale Voraussetzungen mitbrachte. Auf die Fertigstellung und einen ersten Bewährungstest wird mit Spannung gewartet.1 SteinmetzarbeitInsgesamt waren beide Termine geprägt von Kreativität, guter Laune und herrlichem sommerlichem Wetter, auch wenn der Septembertermin in sintflutartigem Sturzregen endete, der alle bis auf die Haut durchnässte. Aber wer will sich in diesem Jahr schon über Regen beschweren?

Wir wünschen allen Teilnehmenden zum Jahreswechsel die nötige Ruhe und Muse, um die erschaffenen Objekte gebührend durch Feinschliff zu vollenden!

 

Text und Bilder: Boris Potschka

Ein Wochenende mit einem der besten Steinschläger Deutschlands

Auch in diesem Jahr ist es uns gelungen Andreas Benke, einen der besten „Steinschläger“ Deutschlands, für einen Workshop auf der Zeiteninsel zu gewinnen.

Wer die Veranstaltung „Geschichte(n) erleben“ Rückschau: Großveranstaltung „Geschichte(n) erleben“ am 13. Mai im Mai besucht hat, konnte Andreas Benke bereits in Aktion erleben und sich bei ihm über die Kunst der Feuersteinbearbeitung informieren. Hier kann auch der Bericht über den Kurs im vergangenen Jahr nachgelesen werden.

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Am letzten Juni-Wochenende trafen sich 13 Interessierte auf der Zeiteninsel, um zu erfahren und zu lernen, wie mit den Werkstoffen Feuerstein, Obsidian und auch Glas Erzeugnisse wie Klingen, Faustkeile oder Pfeilspitzen hergestellt werden können. Der Kurs war für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet.

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Am ersten Tag führte Andreas Benke in die Beschaffenheit des Materials und die Grundtechniken ein, um zunächst einfache Abschläge zu gewinnen, die dann weiter verarbeitet werden können. Es ging vor allem erst einmal darum, ein Gefühl für den Stein zu gewinnen. Die Kursteilnehmer erhielten große Feuersteinknollen von der Ostsee und dann konnte es losgehen. Von weitem schon war nun das Klopfen von Schlagsteinen oder Geweihenden, im Fachjargon „pöckern“, zu hören. Im Grunde begannen die Teilnehmer nun „in der Altsteinzeit“ und arbeiteten sich dann bis zum Ende des Workshops zur Mittelsteinzeit vor.

In der Mittagspause ergriffen die Kursteilnehmer die Gelegenheit, um das Gelände der Zeiteninsel zu besichtigen. Das im vergangenen Jahr errichtete Langhaus der Jungsteinzeit Richtfest Rössen-Haus, stand dabei natürlich im Fokus.

Am Nachmittag ging es dann mit frischen Kräften erneut ans Werk und zum Tagesende hatte jeder Teilnehmer bereits eine kleine Ausbeute von Faustkeilen oder Klingen zur Seite gelegt. Außerdem gab es eine kleine Einführung zum Thema „Feuer machen“ von Andreas Benke.

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Am nächsten Tag standen die Wünsche der Kursteilnehmer im Mittelpunkt, wie ein eigenes Ötzimesser, Pfeilspitzen oder Sicheln herzustellen.

Es wurden weitere Techniken, wie z. B. das Abdrücken mit Stäben, deren Ende mit einem Dorn aus Kupfer versehen sind, gezeigt, wodurch die Kursteilnehmer in die Lage versetzt wurden, feine Retuschen am Feuerstein anzubringen.

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Interessant waren auch die Versuche von zwei Kursteilnehmern mit dem Werkstoff Glas zu experimentieren. Ein Flaschenboden ist hierfür gut geeignet und heraus kam eine schöne Pfeilspitze.

Ein dem Material Glas sehr ähnlicher Werkstoff ist Obsidian (vulkanisches Glas). Fundstellen von Obsidian sind in Europa vor allem bekannt aus Island und Italien, wo noch heute aktiver Vulkanismus vorkommt. Die Verbreitung von Obsidian über weite Entfernungen ist bereits seit der Steinzeit belegt, allerdings eher selten. Am bekanntesten sind Obsidianklingen der Azteken.

Andreas Benke hatte einen rötlichen und einen schwarzen Knollen Obsidian mitgebracht. Daran konnten die Kursteilnehmer den Unterschied der Materialien ausprobieren.

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Alle Kursteilnehmer waren sich einig: sie haben viel gelernt, hatten eine tolle Zeit und wollen im nächsten Jahr wieder kommen.

Wir danken Andreas Benke wieder einmal für ein inspirierendes Wochenende.

 

Text und Bilder: Meike Schuler-Haas

Auftakt der Kooperation mit dem Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf e.V.

Vor zwei Wochen startete eine auf längere Zeit angelegte Kooperation zwischen der Lebenshilfe Marburg und der Zeiteninsel. Hierfür fanden sich an einem sonnigen Samstag fünf hochmotivierte Teilnehmerinnen samt zwei Betreuern auf dem Gelände ein. Im Rahmen des Freizeitprogrammes der Lebenshilfe haben sie sich schönerweise dafür entschieden, einen ganzen Tag auf der Insel zu verbringen und bei unseren beiden erfahrenen Workshop-Leiterinnen Brigitte Schmitz und Gabriele Christ einen Töpferkurs – Thema Steinzeit und Germanen – zu absolvieren.

Die Teilnehmenden waren das erste Mal bei uns, daher gab es zunächst eine Führung über das künftige Museumsgelände, wobei vor allem der Nachbau des jungsteinzeitlichen Hauses sehr beeindruckte. Im Anschluss hatte nun jeder die Möglichkeit, mehrere Gefäße und Anhänger zu töpfern, mit tollen Ergebnissen.

Nach einer Stockbrot- und Picknickpause folgte der zweite Teil des Workshops. Am späten Nachmittag waren sich alle Beteiligten einig: Es wird sicherlich eine Fortsetzung im kommenden Jahr geben!

Für Kinder und Jugendliche sind außerdem im Zuge des Ferienprogrammes der Lebenshilfe schon Ende Juli/ Anfang August weitere Projekttage auf der Zeiteninsel geplant.

Kurs der offenen Bronzezeitwerkstatt im April 2018

Bei schönstem Frühlingswetter fanden sich am letzten Wochenende im April sieben Teilnehmer für den ersten Kurs der offenen Bronzezeitwerkstatt in diesem Jahr zusammen. Zur besonderen Freude durfte auch die mit zehn Jahren bisher jüngste Teilnehmerin in elterlicher Begleitung teilnehmen. Die Thematik Bronzeguss im Freiland mit selbsterstellten Lehmformen stellte für die meisten mehr oder weniger „Neuland“ dar. Daher konzentrierte sich das Programm der zwei Tage zunächst vornehmlich auf die Erstellung der dafür notwendigen Modelle aus Bienenwachs und auf deren Ummantelung mit Lehm.

1Je nach Art, Größe und Detailreichtum konnte die Erstellung eines Modells durchaus Beschäftigung für einen ganzen Tag bieten. Vor allem das Bewusstsein, dass sich jedes Detail im Wachsmodell später genauso in der eher müßig zu bearbeitenden Bronze abbilden wird, spornte viele dazu an, möglichst viel Arbeit in ihr Wachsobjekt zu investieren. Fertige Objekte wurden dann mit einer feinen Lehmschlemme eingepinselt, die die Abdrucksgenauigkeit feiner Details im Modell garantieren soll. Dann folgte der eigentliche Formenaufbau in mehreren Schichten, aus Lehm und Zuschlagsstoffen wie Pferdemist und Haaren.

Am Ende des zweiten Tages waren gut 15–20 solcher Formen fertiggestellt. Sie werden an den Folgeterminen im August bzw. September im Feuer gebrannt. Die Wachsmodelle werden dabei vergehen, aber ihre Negativabdrücke bleiben zunächst bestehen. Sie sollen mit flüssiger Bronze ausgegossen werden. Dafür wurde bereits ein neuer Ofen in windgeschützterer Position errichtet.

Freude bereitete auch die Begutachtung fertiggestellter Objekte aus den Kursen des vergangenen Jahres, bei der man die langen Arbeitsprozesse noch einmal in Ruhe Revue passieren lassen konnte. Für unsere jüngste Teilnehmerin und weiteren Nachwuchsbesuch wurde zudem ein „Mini-Grubenbrand“ durchgeführt, der von den Kindern am zweiten Tag mit Begeisterung geöffnet werden konnte.

 

Text: Boris Potschka

Workshops der offenen Bronzezeitwerkstatt im August und September 2017

Im August und September fand am jeweils ersten Wochenende eine offene Bronzezeitwerkstatt statt. Sechs bzw. sieben Teilnehmer fanden sich zusammen, um die notwendigen Arbeitsschritte für die Erstellung sogenannter `verlorener Formen´ für einen Bronzeguss zu erlernen oder zu vertiefen. Dafür wurden zunächst portionierte Brocken aus Bienenwachs in der Nähe der Feuerstelle erwärmt und grob in Form geknetet, bevor die Modelle immer detaillierteren Bearbeitungen unterzogen werden konnten – ein äußerst inspirativer Prozess, bei dem sich manch einer seine Ideen erst mit den Händen erarbeitete.

Parallel konnten einige der Teilnehmer, die Lehmformen aus den Kursen des Vorjahres dabei hatten, diese im offenen Feuer brennen, um die Formen zu härten und den Wachs auszuschmelzen. Im Vorfeld der Workshops mussten die Wände des Ofens, der über den Winter recht marode geworden war, restauriert werden. Die aus Lehm gebrannte Lochplatte über dem Grund des Ofens wurde komplett ersetzt. Im Nachhinein hätte sich ein Neubau des Ofens aber als sinnvoller erwiesen.

An beiden Terminen war zunächst unklar, ob am ersten Tag bereits ein Bronzeguss stattfinden konnte, da ein recht kräftiger Wind aus Richtung des Dünsbergs wehte und Regenschauer drohten. Zudem hatten sich beim Septembertreffen Nacktschnecken im Zuluftschacht des Ofens einquartiert, die verhinderten, dass dieser seine benötigten Temperaturen erreichte. Die Suche nach der `Fehlerquelle´ strapazierte ein wenig die Nerven, sie konnte aber schließlich behoben werden.IMG_0437Als der Wind dann in den frühen Stunden der ersten Abende nachließ, wurde der Ofen kurzentschlossen in Betrieb genommen. Neue Schmelztiegel wurden eingebrannt und die ersten Bronzegüsse durchgeführt – mit Erfolg! Das Öffnen der bis auf Handwärme herunter gekühlten Formen war genauso wie das Gießen an sich ein Gruppenerlebnis der besonderen Art! Insgesamt wurden an den beiden Terminen über dreißig Bronzegüsse durchgeführt, von denen sich nur zwei als sogenannte Fehlgüsse herausstellten. Ob der Ofen jedoch weitere Gießaktionen mitmachen wird, bleibt zu bezweifeln. Er soll neu gebaut werden.

Was nun aussteht, ist das Nachbearbeiten der Ergebnisse durch Entgraten mit Hammer und Meißel, sowie durch Schleifen und Polieren mit geeigneten Flusskieseln und Flintsteinen. Wundervolle Heimarbeit für die Herbst und Winterzeit.

 

Text: Boris Potschka

 

Was man alles aus Feuerstein machen kann…

Anfang Juni trafen sich 12 Teilnehmer zu einem Workshop der besonderen Art: „Steine schlagen“.

Veranstaltungen bei denen Archäotechniker die Herstellung von Werkzeugen aus Feuerstein demonstrieren, haben immer eine besondere Anziehungskraft für das Publikum. Vielleicht werden hier unsere Urinstinkte geweckt, denn wie das Entzünden von Feuer, ist die Herstellung einer Pfeilspitze beinahe ein „magischer“ Vorgang, der jahrelange Übung und ein tiefes Verständnis für den Aufbau des Steins voraussetzt.

Feuerstein (silex, flint) ist eine Art Kieselgestein, das vor 100 Millionen Jahren aus Kleinstlebewesen, wie Kieselalgen, in Hohlräumen eines Muttergesteins, meist Kreide, entstand. Es eignet sich gut zur Herstellung von Schneide-Werkzeugen, da es eine sehr hohe Dichte aufweist und scharfe Kanten hergestellt werden können.

Im Marburger Land gibt es keine natürlichen Vorkommen, hier mussten sich die Menschen mit anderen geeigneten Gesteinen wie Kieselschiefer oder Quarziten behelfen. Feuerstein von guter Qualität kommt an der Ostsee, in den Niederlanden und auch in Frankreich vor. Schon früh wurde er zu einer begehrten Handelsware und gelegentlich kann aufgrund von speziellen Merkmalen festgestellt werden, wo ein Feuerstein herstammt, der etwa an einem Rastplatz von Jägern und Sammlern gefunden wurde.

Es war uns erneut gelungen, den „Steinexperten“ Andreas Benke für einen Workshop zu gewinnen. Dieser begann am Samstag zunächst mit einer Einführung in die Technik des Aufschließens einer Feuersteinknolle mit Hilfe spezieller Schlagtechniken. Ziel war es, für die Anfänger Abschläge zu gewinnen, die dann weiter verarbeitet werden konnten und Erfahrung in der Bruchmechanik des Feuersteins zu gewinnen.

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Mit Feuereifer und viel Energie begannen die Teilnehmer nun die Feuersteinknollen zu zerlegen, so dass die Splitter nur so umherflogen. Lange Zeit hörte man nur das Schlagen von Stein auf Stein und alle waren sehr konzentriert bei der Sache.

Im Laufe des Tages wurde der Haufen von großen Feuersteinknollen immer kleiner und zum Tagesende hatten die Teilnehmer eine Ahnung davon, wie diese Technik grundsätzlich funktioniert. Auch dem Letzten war spätestens jetzt klar – so einfach ist die Sache nicht.

Zu Beginn des 2. Tages präsentierte Andreas Benke seine selbst hergestellten Werkzeuge, Repliken von archäologischen Funden und Waffen, wie verschiedene Pfeile und vor allem Pfeilspitzen und Dolche. Er gab auch eine kurze Einführung in die Typologie der Steingeräte der letzten 2,5 Mio. Jahre sowie einen kleinen Schlenker zur Herstellung von Birkenteer und seine Verwendung bei der Befiederung von Pfeilen.

Danach wurde das Tagesziel ausgegeben: die Herstellung von Pfeilspitzen. Dazu hatte Andreas Benke viele vorbereitete Abschläge mitgebracht, aus denen sich Pfeilspitzen einfacher herstellen lassen sollten, da ja das Aufschließen des Steins bereits erfolgt war.

Nach einer Einführung in die Flächenretusche, die zur Verdünnung bzw. Formgebung  notwendigeTechnik, versuchten sich die Teilnehmer in der Herstellung von Pfeilspitzen. Die Handhabung von Druck- und Schlaginstrumenten aus Kupfer, Geweih und Stein rückte nun in den Fokus, um mit Hilfe des sogenannten indirekten Schlags Retuschen erzeugen zu können.

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Zwischendurch erfolgte noch eine Vorführung zur Effektivität von diversen Steingeräten bei der Verarbeitung von organischem Material, wie etwa das Schneiden von Gras mit einer Sichel.

Im Verlauf des Kurses wies Andreas Benke immer wieder darauf hin, wie entscheidend der richtige Auftreffwinkel ist, um den gewünschten Effekt, sprich Retusche, Abschlag etc. zu erzielen.

Auch griff er den Teilnehmern bei ihren individuellen, teils ehrgeizigen Projekten, wie der Herstellung eines Beils, unter die Arme…und wie von Zauberhand entwickelten sich die gewünschten Formen durch gezielte Schläge.

Die Zeit verging im Flug und am Ende des Tages ging es dann auch noch um ganz andere Themen, zu denen Andreas Benke eine Fülle seines fundierten Wissens und seiner breit gestreuten Erfahrungen bereitwillig beisteuerte.

Wir danken sehr und hoffen auf einen weiteren Kurs im nächsten Jahr!

 

 

Welches Kräutlein wächst denn da?

Dieser Frage stellten sich die Teilnehmer der Kräuterwanderung auf der Zeiteninsel am vergangenen Sonntag.

Wenn im Frühling die Natur förmlich explodiert und wir uns nach der langen Winterpause nach frischen Kräutern sehnen, fühlen wir uns den Menschen der Vergangenheit, die ohne Ganzjahresangebot durch Supermärkte lebten, eng verbunden.

Auch auf dem Gelände der Zeiteninsel haben sich in den letzten Jahren viele essbare Kräuter, aber auch Färbepflanzen und Heilkräuter angesiedelt, die nun gesucht und geerntet werden sollten.

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Die Biologin Dr. Astrid Wetzel hatte großformatige Fotos der zu sammelnden Kräuter vorbereitet und an jeden Teilnehmer ein Foto mit einer Pflanze verteilt. Sie stellte die Aufgabe, die jeweilige Pflanze auf dem Gelände zu finden und zu ernten.

Zu jeder Pflanze wurde der Name „abgefragt“ und ihre  Bedeutung erklärt.

Dann ging es los und alle schwärmten aus. Die Teilnehmer mit Ortskenntnis hatten die Brennnesseln und den kleinen Wiesenknopf schnell gefunden, aber es gab auch Kräuter, die etwas kleiner und unauffälliger sind. Da fiel die Suche und Bestimmung schon schwerer.

Nachdem die Kräutersucher mit dem Spaten noch Meerrettich und wilde Möhre geerntet hatten, trugen  sie alle Kräuter nach Sorten zusammen und besprachen sie  gemeinsam. Es ging vor allem darum, welche Teile der Pflanze verwendet werden können und wie die unterschiedlichen Kräuter riechen bzw. schmecken.

Interessant war es zu sehen, dass der Standort der jeweiligen Pflanze eine große Auswirkung auf ihr Aussehen hat. So kann dieselbe Pflanze sehr unterschiedlich aussehen, wie am Beispiel der Vogelmiere zu erkennen war.

Es wurden alle Kräuter gemeinsam bestimmt, außerdem behandelte Astrid Wetzel noch weitere Pflanzen, die auf der Zeiteninsel wachsen und andere Verwendungsmöglichkeiten bieten. Danach ging es an die Verarbeitung der gesammelten Kräuter. Die Teilnehmer hackten – durch einen kurzen Gewitterguss unterbrochen – die Kräuter fein und verarbeiteten sie zu köstlichen Smoothies mit Kokosmilch oder zu Kräuterquark und Pesto.

Das Ergebnis war sehr lecker und nachdem der Regen sich verzogen hatte, saßen alle  noch lange beisammen und genossen die wärmende Frühlingssonne.

Vielen Dank an Dr. Astrid Wetzel – wir haben wieder viel gelernt.

Wie stellten die jungsteinzeitlichen Bauern vor 4500 Jahren ihre Keramikgefäße her?

Mit dieser Frage beschäftigten sich am vergangenen Wochenende die Kursteilnehmer des Workshops „Keramik der Rössener Zeit“ unter der Anleitung von Archäo-Technikerin Susanne Gütter.

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Nach einer kurzen Einführung präsentierte Susanne Gütter neben Repliken auch Originalfunde aus der Rössener Zeit, die bei Ausgrabungen im Lahntal gefunden wurden. Anhand der Scherben erklärte Frau Gütter anschaulich, wie die Menschen in der Jungsteinzeit den Ton aufbereiteten, die Keramik aufbauten und auf welche Art und Weise sie diese verzierten.

Die Teilnehmer konnten sich anschließend überlegen, welche Art von Gefäßen sie herstellen wollten, denn danach richtete sich die Vorbereitung des Tons mit der entsprechenden Magerung mit Sand und / oder gemahlenem Quarzgrus, welcher natürlich erst hergestellt werden musste.

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So lernten die Beteiligten den kompletten Herstellungsprozess bis zum fertigen Gefäß kennen und schärften ihren Blick für die Beschaffenheit der gefundenen Gefäßscherben.

Nachdem der Quarzgruß mit Schiebemühlen fein gemahlen worden war, wurde dieser mit Sand und Ton vermischt und untergearbeitet.

Mit Abschluss dieser ersten Herstellungsschritte  konnten sich die Keramikinteressierten vorbereitete Zeichnungen von Gefäßen anschauen und mit der Fertigung von Schüsseln, Kumpfen, Töpfen usw. beginnen.

Die Herstellung der Gefäße erfolgte in der Technik der „Aufbaukeramik“. Diese beinhaltet, dass das Gefäß bzw. die Gefäßwandung durch  gleichmäßig geformte Rollen, die angelegt und dann miteinander verstrichen werden, entsteht. Um dem Ton etwas Stabilität zu geben, kann zu Beginn in einer Form gearbeitet werden.

Die Teilnehmer merkten schnell, wie sehr die Witterung den Prozess der Keramikherstellung beeinflusst, denn bei sonnigem und windigem Wetter trocknet der Ton sehr schnell aus und verändert seine Beschaffenheit. Daher muss er zügig bearbeitet und zwischendurch immer wieder mit Wasser angefeuchtet werden.

Diese Temperaturschwankungen führten letztendlich zu Rissen in den Gefäßen, also wurde  bereits am ersten Tag die Werkstatt von draußen ins Innere des Holzhauses verlegt.

Zum Ende des ersten Kurstages hatte jeder bereits mindestens ein Gefäß hergestellt.

Glücklicherweise beruhigte sich am zweiten Kurstag  das Wetter, so dass zunächst wieder draußen an der frischen Luft gearbeitet wurde. Nun begann bei den meisten der „Feinschliff“:

Die hergestellten Gefäße mussten mit Hilfe von glatten Steinen poliert und / oder mit komplizierten Strich- und Stichmustern nach Originalfunden verziert werden.

Dazu suchten sich die Beteiligten  Werkzeuge wie Knochen, Muscheln, Steinklingen oder Hölzchen heraus, die in etwa den Mustern der Originale glichen.

Am Ende des zweiten Tages war eines klar – die Menschen der Jungsteinzeit hatten bereits ein hohes Niveau der Keramikherstellung erreicht. Den Kursteilnehmern hat es sehr viel Freude gemacht, die einzelnen Schritte der Herstellung eines Keramikgefäßes nachzuvollziehen und so einen kleinen Blick in diese Welt zu erhalten.

Nun müssen die Erzeugnisse einen Trocknungsprozess durchlaufen, um  anschließend im September in einem Meilerbrand haltbar gemacht zu werden.

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Wir danken Susanne Gütter für dieses inspirierende Wochenende.

Fotos: Meike Schuler-Haas und Sarah Fräßdorf