Den Bienen ein Zuhause bauen

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Unter der Leitung von Dr. Sonja Guber und Monika Mosburger fand am 12. und 13. Oktober in Argenstein auf der Zeiteninsel ein Rutenstülperbau Kurs statt.
Fünf interessierte Teilnehmer*innen nahmen bei schönstem Wetter an diesem Kurs teil.
Nach einer Einführung in die Prähistorische Imkerei, lernen die Teilnehmenden eine prähistorische Bienenbehausung, einen Rutenstülper aus Weidenruten, zu bauen.

Erste Schritte
Zuerst schneidet man Weidenruten von 0,5 – 1,5 cm Dicke ab. Die dickeren Weidenruten (ca. 1 – 1,5 cm) verwendet man als Staken (senkrechte gestellt), die Dünneren zum Flechten. Eine ungerade Anzahl von Weidenruten werden oben mit einem Seil z. B. aus Hanf oder Sisal zusammengebunden.
Danach flicht man die ersten Reihen der dünneren Ruten drum herum.
Anfänger sollten fünf Stück wählen und später Staken hinzufügen. Wer sich traut kann es auch gleich mit 15 Stück versuchen.

Fitzen
Nun geht es an´s Fitzen.
Die Fitze gehört zu den gewundenen Geflechten, wie zum Beispiel die Kimme. Die Weiden werden abwechselnd, verdreht eingeflochten. Das sorgt für mehr Stabilität und man kann weitere Staken zwischen den gefitzten Weiden stecken, um den Korb zu vergrößern.

Korb vergrößern und Form geben
Am besten stellt man dazu den Rutenstülper auf den Kopf.
So kann man mehr Druck auf die Weiden geben. Abwechselnd wird gefitzt, geflochten und bei Bedarf eine Stake eingefügt.
Ist die passende Größe der Behausung erreicht, werden die Staken umgeknickt und eingeflochten. Zum Schluss bilden die eingeschlagenen Staken das Randgeflecht.

Der Lehmputz
Für eine kuschelige Isolierung sorgt ein Lehmputz aus einem Lehm-Stroh-Gemisch.
Der Lehmputz wird in die Ritzen geschmiert und am Schluss kommt der „Fassadenanstrich“ nur mit Lehm, dünn aufgetragen und liebevoll glatt gestrichen.
Zum Finale werden zwei Querstreben ca. 15 cm unterhalb der Spitze ein geschoben und außen abgeschnitten. Dort werden die Bienen ihre Waben bauen.

Ein paar Wochen gut durchtrocknen lassen und die Bienen können im Frühling ihre neue Behausung besiedeln.

Kursteilnehmer

Die stolzen Bienen-Eigenheim-Erbauer

Text und Fotos: Simone Bergande

Summ Summ Summ

Imkerei und Archäologie? Wo ist da die Verbindung? Gab es prähistorische Imkerei in Mitteleuropa? Diesen Fragen ging die Archäologin und Imkergesellin Dr. Sonja Guber in einer Themenführung am vergangenen Samstag auf der Zeiteninsel nach. Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer (vorwiegend mit imkerlichem Vorwissen) scheuten nicht das ungemütlich herbstliche Wetter und begaben sich auf die spannende Entdeckungsreise in die Frühzeit der Imkerei.

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Beginnend bei der Mittelsteinzeit um 9000 v. Chr. wurde die Spurensuche nach der prähistorischen Imkerei in Mitteleuropa von hinten aufgerollt, um abschließend bei den Germanen der frühen Römischen Kaiserzeit um die Zeitenwende zu landen. Für die Mittelsteinzeit zeugen Felsbilder aus dem heutigen Spanien vom „Honigjagen“. Für die Jungsteinzeit, Bronzezeit und Römische Kaiserzeit können konkrete Funde von Bienenbehausungen auf den Gebieten der heutigen Schweiz und Deutschland angeführt werden. In jede Zeitstellung wurde kurz eingeführt und anschließend die imkerlichen Funde mit einem Poster vorgestellt, erläutert und sogleich mit den anwesenden Imkerinnen und Imkern diskutiert.

 

In der Station der Jungsteinzeit wurden zusätzlich Nachbildungen gefundener Klotzbeuten vorgestellt, die im nächsten Jahr mit Bienen besiedelt werden sollen. Auch hier bestand reges Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich über die tatsächliche „Bienentauglichkeit“ der prähistorischen Beuten auszutauschen. Bereits für die Jungsteinzeit gibt es konkrete Nachweise in Form von Wachsanhaftungen an Keramikfunden, dass nicht nur Honig sondern auch Wachs geerntet und verwendet wurde. In der Bronzezeit kommt es zu einer kulturtechnischen Neuerung, die auf ein imkerliches Management schließen lässt: das Wachsausschmelzverfahren im Kontext des Bronzegusses. Erneut ist es das Wachs, welchem eine besondere Bedeutung zukommt, und nicht – worauf bei uns heute der Fokus liegt – der Honig.

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Ein erstes „Zeiteninsel-Bienenvolk“ ist bereits auf der Insel angekommen. An seinem Standort wurde anschließend kurz Station gemacht und vorgeführt, wie die langschmalen Waben der Bienen im Inneren einer jungsteinzeitlichen Klotzbeute aussehen könnten. Da man in die tatsächlichen Klotzbeuten nicht hineinschauen kann, gibt es ein „Schauvolk“ in einer modernen Holzbeute mit modifizierten Rähmchen, die die Größe der jungsteinzeitlichen Waben imitieren sollen. Dies wird zukünftig vor allem für ein imkerlich unerfahrenes Publikum einen spannenden Einblick ins Bienenvolk ermöglichen.

 

Zum Abschluss gab es noch eine Verköstigung von Bienenprodukten, die im Kontext einer prähistorischen Imkerei zu sehen sind: Honiglimonade mit Mädesüß, Haselnuss-Honig-Krokant und Presshonig. Die Technik des Honigschleuderns konnte bei den prähistorischen Beutenformen natürlich nicht angewendet werden. Der Honig musste gepresst werden und erhält dadurch andere Inhaltsstoffe und einen anderen Geschmack.

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Die Themenführung machte alle Anwesenden neugierig darauf, wie dieses Projekt zur prähistorischen Imkerei auf der Zeiteninsel im nächsten Frühjahr weitergehen wird.

Text: Dr. Sonja Guber      Fotos: Meike Schuler-Haas