Ein Wochenende mit der Köpertechnik

Auch in diesem Jahr fand wieder ein Workshop zum Historischen Brettchenweben mit der bekannten Textilspezialistin Sylvia Crumbach vom Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen statt.
Sechs interessierte Teilnehmer stellten sich der Herausforderung, in nur zwei Tagen die Grundlagen des Brettchenwebens zu erlernen.

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Brettchenweben mit Sylvia Crumbach

Ende Oktober war es endlich wieder soweit: Die bekannte Archäotechnikerin Sylvia Crumbach nahm die Reise ins Marburger Land auf sich, um im Rahmen eines Workshops in die Technik des Brettchenwebens einzuführen. Insgesamt acht Frauen nahmen das Angebot wahr und trafen sich im schönen Ambiente des Dorfgemeinschaftshauses von Kehna in der Gemeinde Weimar.

Sylvia Crumbach, Mitarbeiterin des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen und Textilexpertin, betonte bereits in ihrer Einleitung, dass es ihr wichtig sei, nicht nur die Technik des Brettchenwebens zu vermitteln, sondern auch auf die historischen Zusammenhänge und Hintergründe hinzuweisen.
Und so begann der erste Tag nicht direkt mit dem praktischen Teil, erst wurde es theoretisch: Sylvia Crumbach berichtete von den ersten Brettchengeweben, die entdeckt wurden, sprach über das Aussterben der Technik im späten Mittelalter und der Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert sowie dem Implementieren dieser Technik als „urdeutsche Volkskunst“ in der Zeit des Nationalsozialismus.

20181027_124514_SnapseedNach einer kurzen Pause ging es dann weiter mit dem Erlernen des Schreibens von Musterbriefen, hierzu mussten die Teilnehmerinnen erst einmal nachvollziehen, wie das Drehen der Brettchen funktioniert und sie ein Muster in der Köpertechnik erstellen können. Denn diese sollten sie an diesem Wochenende kennen lernen. Sylvia Crumbach musste sehr sorgfältig jeden einzelnen Musterbrief Korrektur lesen, damit es keine Webfehler im Muster gibt.
Den restlichen Nachmittag verbrachten die Kursteilnehmerinnen nun mit dem Schreiben ihrer Webbriefe. Alle wollten hiermit schnell fertig werden, damit das Weben endlich beginnen konnte.
Am nächsten Morgen ging es dann mit frischer Kraft und Konzentration daran, die Kettfäden auf die Webstühle aufzuziehen. Hier arbeiteten wir in Zweierteams, um die Kette im sogenannten „endlosen Aufzug“ zu spannen. Zunächst werden erst eine helle sowie eine dunkle Farbe ausgesucht und festgelegt, wie breit der Rand des Gewebes werden soll. Nach dem Treffen der Auswahl richteten die Teilnehmerinnen alle Webstühle fertig ein und der große Moment, auf den alle solange gewartet hatten, war da: Es ging los mit dem Weben nach dem Musterwebbrief, den wir am gestrigen Tag hergestellt hatten.

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Über dem Raum schwebte eine konzentrierte Ruhe, alle bemühten sich ihre Webbriefe in das Material umzusetzen. Hier merkte man schnell, wer bereits Erfahrung im Brettchenweben hatte und wer sich erst in diese Technik einfinden musste. Wenn man zu locker webt, ziehen sich Muster in die Länge. Man darf nicht vergessen, den Schussfaden einzulegen und muss darauf achten, in welcher Reihe man in seinem Musterbrief war.„Die Karten werden es dir weisen“ kam dann die Auskunft von Sylvia Crumbach – und wenn man das System durchschaut hatte, war es auch so.
Spätestens jetzt hatten alle verstanden, dass dies eine hochkomplizierte Technik ist und wir im Grunde erst am Lack gekratzt hatten.

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Unser Resümee des zweiten Tages: Wir brauchen dringend weitere Unterweisung und viel Übung.
Einen großen Dank an Sylvia Crumbach, die mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen die Teilnehmerinnen in die ersten Grundlagen des Brettchenwebens eingewiesen hat!
Und vielen Dank auch an die Gemeinde Weimar, die uns ermöglichte, das Dorfgemeinschaftshaus zu nutzen.

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Text und Fotos Meike Schuler-Haas

Ein Wochenende mit einem der besten Steinschläger Deutschlands

Auch in diesem Jahr ist es uns gelungen Andreas Benke, einen der besten „Steinschläger“ Deutschlands, für einen Workshop auf der Zeiteninsel zu gewinnen.

Wer die Veranstaltung „Geschichte(n) erleben“ Rückschau: Großveranstaltung „Geschichte(n) erleben“ am 13. Mai im Mai besucht hat, konnte Andreas Benke bereits in Aktion erleben und sich bei ihm über die Kunst der Feuersteinbearbeitung informieren. Hier kann auch der Bericht über den Kurs im vergangenen Jahr nachgelesen werden.

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Am letzten Juni-Wochenende trafen sich 13 Interessierte auf der Zeiteninsel, um zu erfahren und zu lernen, wie mit den Werkstoffen Feuerstein, Obsidian und auch Glas Erzeugnisse wie Klingen, Faustkeile oder Pfeilspitzen hergestellt werden können. Der Kurs war für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet.

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Am ersten Tag führte Andreas Benke in die Beschaffenheit des Materials und die Grundtechniken ein, um zunächst einfache Abschläge zu gewinnen, die dann weiter verarbeitet werden können. Es ging vor allem erst einmal darum, ein Gefühl für den Stein zu gewinnen. Die Kursteilnehmer erhielten große Feuersteinknollen von der Ostsee und dann konnte es losgehen. Von weitem schon war nun das Klopfen von Schlagsteinen oder Geweihenden, im Fachjargon „pöckern“, zu hören. Im Grunde begannen die Teilnehmer nun „in der Altsteinzeit“ und arbeiteten sich dann bis zum Ende des Workshops zur Mittelsteinzeit vor.

In der Mittagspause ergriffen die Kursteilnehmer die Gelegenheit, um das Gelände der Zeiteninsel zu besichtigen. Das im vergangenen Jahr errichtete Langhaus der Jungsteinzeit Richtfest Rössen-Haus, stand dabei natürlich im Fokus.

Am Nachmittag ging es dann mit frischen Kräften erneut ans Werk und zum Tagesende hatte jeder Teilnehmer bereits eine kleine Ausbeute von Faustkeilen oder Klingen zur Seite gelegt. Außerdem gab es eine kleine Einführung zum Thema „Feuer machen“ von Andreas Benke.

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Am nächsten Tag standen die Wünsche der Kursteilnehmer im Mittelpunkt, wie ein eigenes Ötzimesser, Pfeilspitzen oder Sicheln herzustellen.

Es wurden weitere Techniken, wie z. B. das Abdrücken mit Stäben, deren Ende mit einem Dorn aus Kupfer versehen sind, gezeigt, wodurch die Kursteilnehmer in die Lage versetzt wurden, feine Retuschen am Feuerstein anzubringen.

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Interessant waren auch die Versuche von zwei Kursteilnehmern mit dem Werkstoff Glas zu experimentieren. Ein Flaschenboden ist hierfür gut geeignet und heraus kam eine schöne Pfeilspitze.

Ein dem Material Glas sehr ähnlicher Werkstoff ist Obsidian (vulkanisches Glas). Fundstellen von Obsidian sind in Europa vor allem bekannt aus Island und Italien, wo noch heute aktiver Vulkanismus vorkommt. Die Verbreitung von Obsidian über weite Entfernungen ist bereits seit der Steinzeit belegt, allerdings eher selten. Am bekanntesten sind Obsidianklingen der Azteken.

Andreas Benke hatte einen rötlichen und einen schwarzen Knollen Obsidian mitgebracht. Daran konnten die Kursteilnehmer den Unterschied der Materialien ausprobieren.

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Alle Kursteilnehmer waren sich einig: sie haben viel gelernt, hatten eine tolle Zeit und wollen im nächsten Jahr wieder kommen.

Wir danken Andreas Benke wieder einmal für ein inspirierendes Wochenende.

 

Text und Bilder: Meike Schuler-Haas

Was man alles aus Feuerstein machen kann…

Anfang Juni trafen sich 12 Teilnehmer zu einem Workshop der besonderen Art: „Steine schlagen“.

Veranstaltungen bei denen Archäotechniker die Herstellung von Werkzeugen aus Feuerstein demonstrieren, haben immer eine besondere Anziehungskraft für das Publikum. Vielleicht werden hier unsere Urinstinkte geweckt, denn wie das Entzünden von Feuer, ist die Herstellung einer Pfeilspitze beinahe ein „magischer“ Vorgang, der jahrelange Übung und ein tiefes Verständnis für den Aufbau des Steins voraussetzt.

Feuerstein (silex, flint) ist eine Art Kieselgestein, das vor 100 Millionen Jahren aus Kleinstlebewesen, wie Kieselalgen, in Hohlräumen eines Muttergesteins, meist Kreide, entstand. Es eignet sich gut zur Herstellung von Schneide-Werkzeugen, da es eine sehr hohe Dichte aufweist und scharfe Kanten hergestellt werden können.

Im Marburger Land gibt es keine natürlichen Vorkommen, hier mussten sich die Menschen mit anderen geeigneten Gesteinen wie Kieselschiefer oder Quarziten behelfen. Feuerstein von guter Qualität kommt an der Ostsee, in den Niederlanden und auch in Frankreich vor. Schon früh wurde er zu einer begehrten Handelsware und gelegentlich kann aufgrund von speziellen Merkmalen festgestellt werden, wo ein Feuerstein herstammt, der etwa an einem Rastplatz von Jägern und Sammlern gefunden wurde.

Es war uns erneut gelungen, den „Steinexperten“ Andreas Benke für einen Workshop zu gewinnen. Dieser begann am Samstag zunächst mit einer Einführung in die Technik des Aufschließens einer Feuersteinknolle mit Hilfe spezieller Schlagtechniken. Ziel war es, für die Anfänger Abschläge zu gewinnen, die dann weiter verarbeitet werden konnten und Erfahrung in der Bruchmechanik des Feuersteins zu gewinnen.

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Mit Feuereifer und viel Energie begannen die Teilnehmer nun die Feuersteinknollen zu zerlegen, so dass die Splitter nur so umherflogen. Lange Zeit hörte man nur das Schlagen von Stein auf Stein und alle waren sehr konzentriert bei der Sache.

Im Laufe des Tages wurde der Haufen von großen Feuersteinknollen immer kleiner und zum Tagesende hatten die Teilnehmer eine Ahnung davon, wie diese Technik grundsätzlich funktioniert. Auch dem Letzten war spätestens jetzt klar – so einfach ist die Sache nicht.

Zu Beginn des 2. Tages präsentierte Andreas Benke seine selbst hergestellten Werkzeuge, Repliken von archäologischen Funden und Waffen, wie verschiedene Pfeile und vor allem Pfeilspitzen und Dolche. Er gab auch eine kurze Einführung in die Typologie der Steingeräte der letzten 2,5 Mio. Jahre sowie einen kleinen Schlenker zur Herstellung von Birkenteer und seine Verwendung bei der Befiederung von Pfeilen.

Danach wurde das Tagesziel ausgegeben: die Herstellung von Pfeilspitzen. Dazu hatte Andreas Benke viele vorbereitete Abschläge mitgebracht, aus denen sich Pfeilspitzen einfacher herstellen lassen sollten, da ja das Aufschließen des Steins bereits erfolgt war.

Nach einer Einführung in die Flächenretusche, die zur Verdünnung bzw. Formgebung  notwendigeTechnik, versuchten sich die Teilnehmer in der Herstellung von Pfeilspitzen. Die Handhabung von Druck- und Schlaginstrumenten aus Kupfer, Geweih und Stein rückte nun in den Fokus, um mit Hilfe des sogenannten indirekten Schlags Retuschen erzeugen zu können.

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Zwischendurch erfolgte noch eine Vorführung zur Effektivität von diversen Steingeräten bei der Verarbeitung von organischem Material, wie etwa das Schneiden von Gras mit einer Sichel.

Im Verlauf des Kurses wies Andreas Benke immer wieder darauf hin, wie entscheidend der richtige Auftreffwinkel ist, um den gewünschten Effekt, sprich Retusche, Abschlag etc. zu erzielen.

Auch griff er den Teilnehmern bei ihren individuellen, teils ehrgeizigen Projekten, wie der Herstellung eines Beils, unter die Arme…und wie von Zauberhand entwickelten sich die gewünschten Formen durch gezielte Schläge.

Die Zeit verging im Flug und am Ende des Tages ging es dann auch noch um ganz andere Themen, zu denen Andreas Benke eine Fülle seines fundierten Wissens und seiner breit gestreuten Erfahrungen bereitwillig beisteuerte.

Wir danken sehr und hoffen auf einen weiteren Kurs im nächsten Jahr!

 

 

Die „offene Bronzezeit-Werkstatt“ ist eröffnet

Wie bereits im Vorfeld angekündigt fand am zweiten Aprilwochenende der erste Workshop „Offene Bronzezeit-Werkstatt“ statt.

Nachdem sich am Samstagmorgen der Frost der vergangenen Nacht in schönsten Sonnenschein verwandelt hatte, konnte es losgehen.

Im Anschluss an eine kurze allgemeine Einführung, in der die Teilnehmer Grundsätzliches zum Thema Wachsmodell und Lehmform gelernt haben, wurde die konkrete Realisierung der einzelnen Werkstücke besprochen. Die Teilnehmer hatten auch noch einmal die Möglichkeit in den, von den Kursleitern mitgebrachten, Fachbüchern nachzuschlagen und bereits fertige Werkstücke einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
So wurden die einzelnen Wachsstücke über dem Lagerfeuer erwärmt und grob in Form gebracht, was bei manchem mehr, bei anderen weniger Aufwand erforderte. Zwischendurch wurde die Arbeit immer wieder für ein nettes Gespräch unterbrochen und es stellte sich schnell eine gemütliche Atmosphäre unter allen Beteiligten ein.

Gegen Nachmittag konnten auch schon die ersten fertigen Bienenwachsmodelle vorgezeigt werden und sowohl Kursteilnehmer als auch Leiter staunten nicht schlecht. Die erste Schicht der Lehmform wurde aufgetragen und das Modell zum Trocknen bei Seite gelegt. So hatten die meisten Teilnehmer noch genug Zeit um mit einem weiteren Modell zu beginnen.
Nach getanem Tageswerk konnte in gemütlicher Runde noch gegrillt werden und der Abend klang sehr gemütlich aus.

Am nächsten Morgen entschieden sich einige Kursteilnehmer erst einmal für ein ausgiebiges Frühstück im Cafe Zeitlos, das direkt am Gelände der Zeiteninsel gelegen ist.

Frisch gestärkt konnte also in den zweiten Tag gestartet werden. Die meisten Teilnehmer waren inzwischen an ihrem zweiten oder dritten Modell angelangt und es stellte sich ein stetiger Wechsel zwischen Wachsmodellieren und Formenlehmen ein.
Am Abend bekamen alle Kursteilnehmer noch genügend angemischten Lehm eingepackt, um ihre Formen daheim vollenden zu können. Einige haben sich auch direkt für den kommenden Termin angemeldet und werden dann ihre Formen brennen und gießen können.

Bericht von Stefan Heeb – einem der beiden Kursleiter der Bronzezeit-Werkstatt.

Bronzeguss-Wochenende

Vom 18. bis 20. Juli 2014 veranstaltete die AG Lebendige Archäologie auf der Zeiteninsel einen Workshop zum Thema Bronzeguss.

Wir durften dazu nun schon zum zweiten Mal die Experten Ralf Gössling und Stefan Heeb (genannt ‚Bronze-Bruce‘) bei uns begrüßen. Es entwickelte sich wieder zu einem sehr informativen und lehrreichen Wochenende für uns alle. Wir hatten insgesamt ca. 30 Teilnehmer und Besucher – herzlichen Dank noch einmal an Alle!

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Keramik Workshop

Am vergangenen Wochenende trafen sich sieben Mitglieder der AG Lebendige Archäologie mit Susanne Gütter, Mitglied des Fördervereins und Grabungstechnikerin der HessenArchäologie zu einem Workshop zum Thema „Keramik aus der Umgebung der Zeiteninsel durch alle Zeiten und Versuch der Rekonstruktion“.

Susanne Gütter hat selbst an den Ausgrabungen im Bereich des Kieswerks Niederweimar mitgewirkt und arbeitet seit 15 Jahren „nebenbei“ an Keramik-Rekonstruktionen. Besuchern unserer Veranstaltungen ist sie bereits bekannt durch ihren wunderbaren Keramikstand, an dem sie ihre Rekonstruktionen präsentiert hat.

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