Arbeitseinsatz und Start des Schulackerprojektes

An diesem frühlingshaften März-Samstagvormittag trafen sich wieder die Aktiven der Zeiteninsel zu ihrem monatlichen Arbeitseinsatz und außerdem begann das diesjährige Schulackerprojekt mit der Grundschule Niederweimar.

Die Kinder der beiden 3. Klassen wurden von ihren Lehrerinnen Frau Janßen und Frau Schwarz begleitet und auch in diesem Jahr waren viele hilfsbereite Eltern mit dabei, um in einem ersten Schritt den Zaun des Ackers mit neuen Weidenruten wieder in Stand zu setzen und die Beete von Unkraut zu befreien und aufzulockern für die baldige Aussaat.

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Es war also viel los auf dem Gelände – überall boten sich dem Beobachter Anblicke quirliger Aktivitäten.

Im Service-Bereich wurde ein neuer Materialcontainer aufgebaut, um dem immer größer werdenden Fundus an technischen Geräten und Materialien sicher unterzubringen, beim Grubenhaus bekam der Lehmbackofen ein Dach aus dem kürzlich geernteten Schilf (wir berichteten).

Am Schulacker wurden die geschnittenen Weiden vorsortiert, dicke Äste auf ein Maß zurechtgesägt, damit sie noch als Pfosten dienen können und anschließend wurden die Weidenruten in den alten Zaun eingeflochten.

Auf den Beeten tummelten sich Eltern und Kinder mit Hacken und Rechen, um das Unkraut zu beseitigen, Regenwürmer wurden sorgsam geborgen und nach der Bearbeitung wieder im Beet ausgesetzt. Für die Kinder war es eine spannende Tätigkeit, aber auch das Spielen am Wasser und auf dem Gelände kam nicht zu kurz.

Nach zwei Stunden war die Arbeit bereits getan und alle waren sich einig – es war ein guter Start in die neue Saison.

Sobald die Erde sich erwärmt hat und der Boden etwas abgetrocknet ist, werden die Schüler sich erneut auf der Zeiteninsel treffen, um die verschiedenen Getreidesorten auszusäen.

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Auf der Insel selbst war eine Abordnung von Eltern und Kindern dabei den neuen römisch-germanischen Garten einzuzäunen. Erst wurden Pfosten angespitzt und dann in den Boden geschlagen, wonach auch hier ein Weidengeflecht angebracht wurde. Ein Törchen wurde auch aus Weidengeflecht hergestellt.

Wagemutig wurde in verschiedenen Bereichen des Gewässers abgestorbene Pflanzenteile, angeschwemmtes Holz und Müll beseitigt, zum Glück gab es die tolle Wathose, denn das Wasser ist doch noch ziemlich kalt.

Auch im Bereich der Bronzezeit-Station tut sich etwas. Hier sind Aktive dabei für die kommende Saison Konstruktionen zum Schutz vor Wind und Wetter zu bauen, damit sich die Teilnehmer der Bronzezeit-Werkstatt der Herstellung ihrer Gerätschaften in Ruhe widmen können. In der zweiten Jahreshälfte wird alles bereit sein für die nächsten Bronzeguß-Workshops.

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In der Mittagszeit wurden die fleißigen Helfer mit einem leckeren Gemüseeintopf und Gulasch verwöhnt, so ließ es sich in der zweiten Tageshälfte mit frischem Schwung weiter arbeiten.

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Der Vier-Pfosten-Speicherbau wurde auch heute weiter vorangetrieben. Nachdem nun die Giebelwand fertig vorbereitet ist, wurden die Verbindungen für die Seitenwände ausgestemmt.

Wir bedanken uns für diesen schönen, arbeitsreichen Tag bei allen Helfern und vor allem bei den Schülern, Eltern und Lehrern der Grundschule Niederweimar für ihren tollen Einsatz.

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Fotos: Meike Schuler-Haas, Anke Udelhoven und Boris Potschka

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16722661_10154141683621817_5411793676278257447_oDa für das Museumsprojekt immer mal wieder Reet (häufig aber botanisch nicht zutreffend auch als Schilf bezeichnet) zur Dacheindeckung gebraucht wird, waren am Freitag, 10. Februar, einige Freiwillige in einem Feuchtgebiet bei Fronhausen-Hassenhausen unterwegs mit Sicheln und Sensen, um Reet zu schneiden.

Dazu hatten wir sowohl vom landwirtschaftlichen Pächter wie von der Naturschutzbehörde dankenswerterweise grünes Licht bekommen.

Da der Boden noch gefroren war, war jetzt der richtige Zeitpunkt dem Reet zu Leibe zu rücken, das ja mit Vorliebe mit den Füßen im Feuchten steht. Dass dennoch der eine oder andere verdeckte Wassergraben für nasse Füße sorgte, blieb nicht aus.

Bis zur Dämmerung hatten wir genug Reet geschnitten, zu Garben gebunden und verladen. Nun warten die Bündel auf den nächsten Arbeitseinsatz auf der Zeiteninsel, um dann als Dacheindeckung unsere Lehmbacköfen vor dem Regen zu schützen.

Vielen Dank an die freiwilligen Helfer für diese tolle Aktion!

 

Erster Arbeitseinsatz auf der Zeiteninsel

Mit einer tatkräftigen Gruppe von Freiwilligen haben wir am Samstag den Auftakt zur Saison 2017 begonnen.

Morgens trafen sich mehr als 10 Personen, um auf dem Gelände der Zeiteninsel zu arbeiten.

Es gab bei trockenem Wetter und fast frühlingshaften Temperaturen so Einiges zu tun:

Eine Gruppe bewaffnete sich mit Ast- und Heckenscheren und erntete Weidenruten für die Einzäunung des Schulackers und weiterer Projekte. Da die Weiden sich am Uferrand des Geländes sehr wohl fühlen, kam hier Einiges an Material zusammen.

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Eine zweite Gruppe kümmerte sich um die „Holzverarbeitung“. Wir hatten im Herbst einige Holz-Sachspenden erhalten, die nun zersägt, gespalten und aufgesetzt werden mussten. Die Lagerfeuer sollen ja auch in diesem Jahr brennen.

Mit zwei Männern an den Kettensägen und einem „Holzspalter“ ging es hier ganz schön zur Sache, da flogen die Scheite. Fleißige Helfer stapelten bis ins letzte Eckchen des Unterstandes Holz.

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Die dritte Gruppe kümmerte sich um das Projekt Vierpfosten-Speicherbau, was im vergangenen Jahr begonnen und dann zur Seite gelegt worden war, weil andere Projekte wichtiger waren. Aber nun ging es hier voran, da wurden Pfostenlöcher gestemmt und gezapft und wie von Zauberhand entstand die Giebelwand des Gebäudes.

Das Wetter war uns wohlgesonnen, erst als die Arbeiten vollendet waren, setzte ein leichter Regen ein.

Wir freuen uns schon auf den nächsten Einsatz und bedanken uns bei allen Freiwilligen, die uns heute so tatkräftig unterstützt haben.

Archäologisches Langzeitexperiment auf der Zeiteninsel

Im Rahmen einer Kooperation führt das Vorgeschichtliche Seminar der Philipps-Universität Marburg auf dem Gelände der Zeiteninsel – Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land ein Langzeitexperiment zur Lagerung von Getreide in Silogruben durch. Das Experiment wird gefördert von der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Die Einlagerung von Getreide in Silogruben ist über den gesamten Zeitraum der produktiven Lebensweise in der Vor- und Frühgeschichte bekannt und zählt zu den wohl wichtigsten, langfristigen Speichermethoden. Dies betrifft nicht nur Saatgetreide sondern auch Getreide, das im fortgeschrittenen Winter verarbeitet werden sollte. Während die ablaufenden, taphonomischen Prozesse für Gruben mit senkrechten Wänden, wie sie bspw. aus der Bandkeramischen Kultur bekannt sind, relativ gut experimentell untersucht sind, fehlen Untersuchungen zu Kegelstumpfgruben, wie sie in zahlreichen jüngeren Komplexen auftreten (Lüning 2000, 173). Lediglich zu zylindrischen Gruben wurde in den 1970er Jahren ein Experiment auf der Butser Ancient Farm durchgeführt (Reynolds 1979).

Im Oktober und November 2016 wurden auf dem Gelände der Zeiteninsel insgesamt sechs Speichergruben für Getreide angelegt. Ziel des Versuches ist es, die Langzeitauswirkung auf das eingelagerte Getreide zu untersuchen. Die Gruben sollen in verschiedenen Zeitabständen archäologisch ausgegraben werden, wobei das Hauptaugenmerk auf der Befundgenese liegt. Ein weiterer Gesichtspunkt ist der Einfluss des biogeographischen Milieus auf das Getreide. Aus wärmeren Klimazonen sind Einlagerungen von bis zu 50 Jahren Dauer dokumentiert (Seheer 2000). In dem hier durchgeführten Experiment soll das wieder ausgegrabene Getreide stichprobenartig nach verschiedenen Gesichtspunkten untersucht werden. Besonders die Belastung mit Schimmelpilzen und der Schädlingsbefall sind dabei von Interesse. Auch die Keimfähigkeit des Getreides nach längerer Bodenlagerung soll dokumentiert werden.

Die sechs Gruben wurden gemeinsam mit Teilnehmern eines einführenden Seminares zur Experimentellen Archäologie angelegt. Hierbei wurde zuerst ein zylindrischer Schacht mit ca. 60 cm Durchmesser und 100 cm Tiefe angelegt.

Danach wurden die unteren beiden Drittel zu einem Kegelstumpf ausgearbeitet, bis der Bodendurchmesser bei ca. 100 cm lag. Nachdem die Gruben fertiggestellt waren, erfolgte die Verfüllung mit Getreide. Hierfür wurde Bio-Gerste verwendet, die vom Naturland-Betrieb Matthias Happel in Weimar erworben wurde. Insgesamt wurden ca. 1,3 Tonnen Gerste eingebracht.

Diese wurde in einigen der Gruben locker eingeschüttet, in anderen durch Treten und Stampfen verdichtet. Ob dies einen Einfluss auf die Erhaltung des Getreides hat, gehört ebenfalls zu den Fragestellungen des Experiments. Waren die Gruben bis etwa 20 cm unter der Mündung verfüllt, wurde eine Schicht aus dem Grubenaushub eingebracht und verdichtet. Ziel war ein möglichst luftdichter Abschluss des eingelagerten Getreides.

Die anfangs ausgestochenen Rasensoden wurden wieder eingesetzt und die Spalten und Risse ebenfalls mit Material aus dem Aushub aufgefüllt. In den kommenden Wochen erfolgte eine regelmäßige Kontrolle der Gruben. Hierbei war festzustellen, dass die obertägigen Setzungserscheinungen sich sehr in Grenzen hielten und nur bei wenigen Gruben signifikant sichtbar wurden. Entstehende Risse wurden entsprechend abgedichtet. Bereits nach zwei Wochen hatten einzelne Körner der Gerste, die auf der Oberfläche ausgefallen waren, begonnen zu keimen.

Im Idealfall sollte die äußere Schicht des Getreides, die in unmittelbarem Kontakt zum Erdboden steht, beginnen zu keimen bzw. zu schimmeln. Durch diese ablaufenden, biogenen Prozesse sollte der Restsauerstoff aus der Grube entzogen und so ein anaerobes Milieu gebildet werden, das mögliche Zersetzungsprozesse unterbindet. Diese Reaktion sollte nach Verbrauch des Restsauerstoffes unterbrochen sein, woraus sich eine luftdichte Lagerung des innenliegenden Getreides ergibt. Durch die zu erwartende, verfilzte Schicht aus gekeimtem, unbrauchbar gewordenem Getreide wird gleichzeitig das Eindringen von Wasser, Schadnagern und Insekten sowie Bakterien und Pilzen erschwert.

Die erste Ausgrabung einer der angelegten Gruben soll in der ersten Jahreshälfte 2017 erfolgen. Bis dahin sei allen Beteiligten und Unterstützern herzlich gedankt.

 

Fotos und Text: Dr. Daniel Scherf, Vorgeschichtliches Seminar der Philipps-Universität Marburg

Summ Summ Summ

Imkerei und Archäologie? Wo ist da die Verbindung? Gab es prähistorische Imkerei in Mitteleuropa? Diesen Fragen ging die Archäologin und Imkergesellin Dr. Sonja Guber in einer Themenführung am vergangenen Samstag auf der Zeiteninsel nach. Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer (vorwiegend mit imkerlichem Vorwissen) scheuten nicht das ungemütlich herbstliche Wetter und begaben sich auf die spannende Entdeckungsreise in die Frühzeit der Imkerei.

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Beginnend bei der Mittelsteinzeit um 9000 v. Chr. wurde die Spurensuche nach der prähistorischen Imkerei in Mitteleuropa von hinten aufgerollt, um abschließend bei den Germanen der frühen Römischen Kaiserzeit um die Zeitenwende zu landen. Für die Mittelsteinzeit zeugen Felsbilder aus dem heutigen Spanien vom „Honigjagen“. Für die Jungsteinzeit, Bronzezeit und Römische Kaiserzeit können konkrete Funde von Bienenbehausungen auf den Gebieten der heutigen Schweiz und Deutschland angeführt werden. In jede Zeitstellung wurde kurz eingeführt und anschließend die imkerlichen Funde mit einem Poster vorgestellt, erläutert und sogleich mit den anwesenden Imkerinnen und Imkern diskutiert.

 

In der Station der Jungsteinzeit wurden zusätzlich Nachbildungen gefundener Klotzbeuten vorgestellt, die im nächsten Jahr mit Bienen besiedelt werden sollen. Auch hier bestand reges Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich über die tatsächliche „Bienentauglichkeit“ der prähistorischen Beuten auszutauschen. Bereits für die Jungsteinzeit gibt es konkrete Nachweise in Form von Wachsanhaftungen an Keramikfunden, dass nicht nur Honig sondern auch Wachs geerntet und verwendet wurde. In der Bronzezeit kommt es zu einer kulturtechnischen Neuerung, die auf ein imkerliches Management schließen lässt: das Wachsausschmelzverfahren im Kontext des Bronzegusses. Erneut ist es das Wachs, welchem eine besondere Bedeutung zukommt, und nicht – worauf bei uns heute der Fokus liegt – der Honig.

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Ein erstes „Zeiteninsel-Bienenvolk“ ist bereits auf der Insel angekommen. An seinem Standort wurde anschließend kurz Station gemacht und vorgeführt, wie die langschmalen Waben der Bienen im Inneren einer jungsteinzeitlichen Klotzbeute aussehen könnten. Da man in die tatsächlichen Klotzbeuten nicht hineinschauen kann, gibt es ein „Schauvolk“ in einer modernen Holzbeute mit modifizierten Rähmchen, die die Größe der jungsteinzeitlichen Waben imitieren sollen. Dies wird zukünftig vor allem für ein imkerlich unerfahrenes Publikum einen spannenden Einblick ins Bienenvolk ermöglichen.

 

Zum Abschluss gab es noch eine Verköstigung von Bienenprodukten, die im Kontext einer prähistorischen Imkerei zu sehen sind: Honiglimonade mit Mädesüß, Haselnuss-Honig-Krokant und Presshonig. Die Technik des Honigschleuderns konnte bei den prähistorischen Beutenformen natürlich nicht angewendet werden. Der Honig musste gepresst werden und erhält dadurch andere Inhaltsstoffe und einen anderen Geschmack.

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Die Themenführung machte alle Anwesenden neugierig darauf, wie dieses Projekt zur prähistorischen Imkerei auf der Zeiteninsel im nächsten Frühjahr weitergehen wird.

Text: Dr. Sonja Guber      Fotos: Meike Schuler-Haas

Ein „Knochenjob“

Die Materialien Knochen, Mammut-Elfenbein und Geweih waren schon in der Steinzeit gebräuchlich für die Herstellung von Speerspitzen, Nadeln, Schmuck und Kunstgegenständen.

 

Ein berühmtes Kunstwerk ist der aus einem Mammut-Stoßzahn geschnitzte „Löwenmensch“, der vor ca. 40 000 Jahren auf der Schwäbischen Alb in einer Höhle deponiert wurde.

Der Archäo-Techniker Wulf Hein, der von diesem Löwenmenschen auf möglichst originale Weise eine Replik hergestellt hatte, war am vergangenen Wochenende bei der Zeiteninsel zu Gast für einen Workshop der besonderen Art: „Knochen-Bearbeitung mit steinzeitlichen Werkzeugen“. Zu diesem Kurs hatten sich 10 interessierte Teilnehmer angemeldet, die zwei Tage lang in die Techniken der Steinzeit eintauchen wollten.

Wulf Hein brachte diverse Materialien zum Schnitzen mit: Rentierknochen, Reh- und Hirschknochen, Stücke vom Mammut-Stoßzahn und Knochen vom Elch.

Zum Schnitzen wurden direkt vor Ort Steinwerkzeuge aus Feuerstein für die Teilnehmer – je nach Bedarf – hergestellt. Es war sehr interessant, zu sehen, wie für jede spezielle Tätigkeit das passende Werkzeug hergestellt und nach Abnutzung wieder geschärft werden konnte. So entstanden Sägen, Schaber, Stichel und Bohrer aus Abschlägen.

Zu Beginn des Kurses präsentiere Wulf Hein Repliken von Gegenständen aus Knochen und alle waren voller Bewunderung für die Tierdarstellungen und die Knochenflöte.

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Nun konnten die Teilnehmer selbst wählen, welchen Gegenstand sie herstellen wollten. Dann wurden entsprechend Knochen verteilt und besprochen wie diese weiter bearbeitet werden sollten. Wulf Hein riet dazu die Knochen anzufeuchten bzw. während der Bearbeitung immer wieder zu wässern; so lassen sie sich wesentlich leichter mit dem Feuerstein in Form bringen.

Für die Herstellung einer Knochennadel werden zunächst zwei Rillen parallel auf dem Knochen angelegt unddscn3853_snapseed diese dann durchgesägt, danach wird das Stück an den Enden abgesägt.

Aus dem langen Knochenspan wird nun eine Nadel herausgefeilt, doch zunächst wird das Loch für die Öse gebohrt. Knochennadeln sind seit ca. 40 000 Jahren in Europa nachgewiesen. Sie haben allerdings erst seit ca. 20 000 Jahren ein Nadelöhr.

Knochennadeln wurden bevorzugt aus dem Mittelfußknochen des Rentiers hergestellt.

Das Öhr entsteht durch beidseitiges Bohren und Einschneiden. Mit Hilfe eines Sandsteines wird die Spitze zugefeilt. Wenn eine Knochennadel nahe dem Ende abbrach, konnte sie nachgearbeitet und dann weiter genutzt werden.

Schön ist die Aufbewahrung von Nadeln in einem Behälter aus Knochen oder Geweih.

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Zwei Teilnehmer entschieden sich eine Knochenflöte herzustellen. Das originale Vorbild stammt aus Grubgraben in Österreich und ist ca. 20 000 Jahre alt.

Die Flöte wurde aus dem Scheinbeinknochen eines Rentiers hergestellt. Zuerst wurden die beiden Gelenkköpfe oben und unten abgesägt und die Schnittkanten mit Hilfe eines Sandsteines geglättet.

Dann wurden drei Löcher in den Knochen gebohrt, pro Loch benötigte eine Teilnehmerin ca. eine Stunde. Danach wurde das Mundstück dünn abgeschliffen und am Ende des Tages konnte ein erster musikalischer Test erfolgen.

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Ein weiteres „musikalisches“ Highlight war die Herstellung von Schwirrern durch zwei Teilnehmer.

Ein Schwirrer oder Schwirrgerät ist eines der ältesten Instrumente zur Erzeugung von Tönen. Es ist schon seit der Altsteinzeit bekannt, jedoch unklar, wozu es diente: als Musikinstrument, als Gerät zur Nachrichtenübertragung oder im religiösen Kontext?

Hierfür muss eine längliche Knochenplatte aus dem Knochen herausgearbeitet werden, die an beiden Enden oval zugespitzt wird. Für das Befestigen der Schnur wird noch ein Loch gebohrt und die herausgearbeitete Fläche eignet sich gut zum Anbringen eines Musters durch Einritzungen, die mit Holzkohle eingefärbt werden können.

In der Teilnehmergruppe wurden zwei Schwirrer hergestellt, die beide hervorragend funktionieren. Das weckte zum Schluss des Tages den einen oder anderen Wunsch zur Nachahmung, obwohl die Hände durch die ungewohnten Tätigkeiten doch recht arg beansprucht waren.

Am zweiten Tag ging es dann auch gleich voller Tatendrang weiter mit Bohren, Sägen und Polieren, die Teilnehmer hatten sich wieder viel vorgenommen.

Im Laufe des Tages kamen immer wieder interessierte Zuschauer vorbei, die sich über die Inhalte und vor allem die Ergebnisse des Workshops informieren wollten.

Es wurden Schmuckstücke aus Mammutelfenbein hergestellt und sofort fiel den Akteuren der Unterschied zu Knochen auf – das Material ist viel härter und lässt sich schwieriger bearbeiten – da dauert das Durchbohren einer Perle dann doch gleich über vier Stunden.

Während der Arbeit kamen Diskussionen über den Arbeitsalltag in der Steinzeit auf, über Arbeitsteilung, Spezialisierung usw. Durch das Arbeiten mit steinzeitlichen Materialien und Methoden bekommt man einen anderen Blick auf die Herstellung von Gegenständen wie Pfeilspitzen oder Nadeln.

Das Thema Fischfang muss auf der Zeiteninsel, direkt am Wasser gelegen, auch aufgegriffen werden und so stellte eine Teilnehmerin einen Angelhaken her und ein Teilnehmer schnitzte eine kleine Querangel aus einem Knochenrest.

 

Eine andere Teilnehmerin schnitzte aus Mammutelfenbein ein Frauenidol, nach dem Vorbild der „Venus von Gönnersdorf“, ca. 15 000 Jahre alt.

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Mühselig war die Herstellung von Speer- bzw. Harpunenspitzen, die auch zunächst aus dem kompletten Knochen als „Platte“ herausgearbeitet werden mussten, bevor dann mit der Feinarbeit des Zuspitzens begonnen werden konnte. Diese Projekte dauerten die kompletten zwei Tage des Workshops.

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Einige Teilnehmer stellten Ahlen oder Pfrieme aus Knochen her. Dieses Allround-Werkzeug zum Stechen von Löchern in weichere Materialien ist z.B. notwendig, um Leder für das Nähen mit der Knochennadel vorzubereiten, denn die Spitze einer Knochennadel ist in ihrer Stabilitädscn3880t nicht mit einer heutigen Nähnadel zu vergleichen.

Auch „Ötzi“ hatte eine solche Knochenahle bei sich.

Am Ende des zweiten Tages waren viele Objekte fertiggestellt und andere noch in der Fertigungsphase – die Teilnehmer wollen in jedem Fall „dranbleiben“ und weiter mit dem Material Knochen/Geweih arbeiten.

Wir danken Wulf Hein für diesen inspirierenden Kurs, seine Erfahrung und sein Wissensschatz, auch über die Knochenbearbeitung hinaus, hat uns sehr motiviert und wir hoffen, ihn auch im kommenden Jahr wieder für einen Workshop auf der Zeiteninsel gewinnen zu können.

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Fotos: Meike Schuler-Haas und Anke Udelhoven

Grubenbrand durchgeführt

Auch in diesem Jahr trafen sich die Teilnehmer der Keramik-Workshops, um die hergestellte Keramik (wir berichteten Workshop Keramik der Rössener Zeit) zu brennen.

In diesem Jahr wollten wir einen Grubenbrand durchführen. Die Brenngrube war bereits vorhanden. Wir stellten nur einen Absatz in der Grubenwand wieder her, auf dem wir die getrocknete Keramik zum Vorwärmen aufreihen konnten. Dafür wurde zunächst in der Grube ein kontrolliertes Vorfeuer entfacht, das auf der Grubensohle ein Glutbett entstehen ließ. Der Wind blies beständig über unsere recht tiefe und geschützte Grube und ließ uns leicht die bereits entstandene Hitze in der Grube unterschätzen. So mussten wir das Glutbett noch eine ganze Weile abkühlen lassen, bevor die richtige Temperatur zum Einsetzen der vorgewärmten Keramik erreicht war.

Die rund 30 Gefäße wurden nun sorgfältig auf Steinen, alten Dachziegeln u. ä. über die Glut gesetzt, ohne mit dieser direkten Kontakt zu haben. Um wie bei den Originalfunden im Inneren eine dunkle Farbe zu erzielen, füllten wir viele der Gefäße mit Heu und verschlossen sie beim Einsetzen mit anderen Töpfen, da das Heu nicht verbrennen, sondern in den Gefäßen unter Sauerstoffmangel nur verschwelen sollte.

Nun wurde vorsichtig das Feuer aufs Neue entfacht und ganz langsam durch gut platziertes Holz beim Nachlegen als Feuerring in der Grube der Keramik angenähert.

Der Brand wurde so lange weiter gezügelt geführt bis die Farbe der Keramik sich änderte. Erst nach dieser mehrstündigen Aufheizphase legten wir das Brennholz schließlich auch vorsichtig zwischen und über die Gefäße, die nun direkt im Zentrum der Flammen der größten Hitze ausgesetzt wurden.

Wir wollten einen reduzierenden Brand durchführen, um eine Schwarzfärbung der Keramik zu erreichen. Daher wurde das Feuer über den nun glühenden Gefäßen mit Hilfe von Laub, Stroh, Grasschnitt erstickt. Nachdem sich starker Qualm entwickelt hatte, deckten wir die Grube mit einer Erdschicht ab.

Aus unseren Erfahrungen der letzten Brände heraus beschlossen wir diesmal noch länger zu warten, bis die Keramik abgekühlt war…und so wurde die Grube erst nach drei Tagen geöffnet.

Doch das Feuer hatte in den unbewachten Stunden nach dem Abdecken doch noch seinen Weg durch die Abdeckung gefunden und war noch einmal aufgeflammt. Durch dieses Nachbrennen waren in einigen Bereichen wieder sauerstoffreiche Flammen an die Gefäße gekommen und haben eine durchgehende Reduzierung des Brandes verhindert, wodurch die gewünschte vollständige Schwarzfärbung der Keramik zwar nicht durchgehend gelang, sie hat aber interessante Farbschattierungen erhalten.
Unsere Grube hat die Hitze nach dem Bedecken mit Erde noch so enorm gespeichert, dass die Stücke durch die lange Brenndauer sehr hart gebrannt waren.

Diesmal gab es zum Glück nur wenige Verluste, was uns sehr freut.

Nun müssen wir wieder in die Produktion gehen, damit wir auch im kommenden Jahr genügend Material für einen Brand haben – dafür haben wir uns als Ziel gesetzt, Erfahrungen mit einem Meilerbrand zu sammeln.

Text: Susanne Gütter / Meike Schuler-Haas  Fotos: Meike Schuler-Haas

 

Neues Holzhaus

Freiwillige Helfer haben während der letzten Wochen ein modernes Blockbohlenhaus auf dem Gelände der Zeiteninsel errichtet. Es soll in den nächsten Jahren für Besprechungen während der Bauphase, für Workshops und AG-Treffen sowie als Didaktik-Raum genutzt werden können.

Beim nächsten Arbeitseinsatz erhält das neue Holzhaus mit einem Anstrich noch den letzten Schliff.

Für die Einrichtung benötigen wir nun noch einen stabilen Tisch und Stühle.

Wir freuen uns, dass nun auch bei nicht so gutem Wetter die Möglichkeit besteht, sich auf dem Gelände zusammen zu finden.

Unser Dank gilt all denen, die sich am Fundamentieren und beim Aufbauen des Hauses so tatkräftig und ausdauernd beteiligt haben!

Fotos: Dennis Moch und Meike Schuler

Spinnen mit der Handspindel

Ziel dieses Workshops war die Herstellung einer eigenen Handspindel nach archäologischen Vorbildern der verschiedenen Zeiten, die auf der Zeiteninsel vertreten sind.

Die Kursleiterin Meike Schuler-Haas hatte einige Funde aus der Region mitgebracht, zuvor gefertigte Repliken und Fotos von archäologischen Funden.

Die Kursteilnehmerinnen konnten sich nun aussuchen nach welcher Vorlage sie ihre eigenen Spinnwirtel aus Ton herstellen wollten.

Im nächsten Schritt wurde der Umgang mit dem Material Ton erläutert und schon konnte es losgehen mit dem Kneten und Verarbeiten des Tons.

Wichtig bei der Herstellung von Wirteln ist die Gleichmäßigkeit der Form sowie die exakte Zentrierung des Loches für den Spinnstab, damit später keine Unwucht entsteht.

Die Teilnehmerinnen hatten an der Herstellung der Wirtel viel Freude und Elan, so dass am Ende des Tages vielfältige Formen mit unterschiedlicher Verzierung durch Muschelabdrücke u. ä. vorlagen.

 

Nachmittags wurde ein Feuer entzündet und die getöpferten Wirtel um das Feuer zum Trocknen platziert, um dann später in die Glut gestellt zu werden.

Am Ende wurde der Brand mit Erde abgedeckt, um dem Feuer den Sauerstoff zu entziehen. Dadurch sollte eine Schwarzfärbung der Keramik erzeugt werden.

Der zweite Tag unseres Workshops begann mit der Bergung der gebrannten Spinnwirtel aus dem Feldbrand. Der Brand war erfolgreich, nur drei wurden beschädigt und einer blieb verschollen.

Durch den, am Vorabend einsetzenden Regen, waren die Wirtel allerdings nicht genügend durchgebrannt, so dass wir sie erneut brennen mussten.

Nun ging es vor allem darum, Spinnstäbe zu schnitzen und diese an die verschiedenen Wirtel anzupassen. Dann wurden die Wirtel getestet auf ihren Schwung, ihre Lauffähigkeit und die Handhabung.

Wir haben viel gelernt und sind uns sicher, wir werden noch mehrere Spinnwirtel selbst herstellen und sind stolz auf unsere Unikate.