Die Zeiteninsel im Jahr 2017

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. Was lange erhofft und worauf zielstrebig hingearbeitet wurde, ist nun endlich Realität geworden: Der Bau hat begonnen! Anlass genug einmal kurz inne zu halten und auf das Jahr zurück zu schauen – gleichwohl wir ja über die meisten Ereignisse im Blog aktuell berichtet haben.

Nach umfänglichen Vorarbeiten seit dem Sommer 2016 konnte im ersten Halbjahr 2017 ein Architektenwettbewerb für das zukünftige Besucherzentrum durchgeführt werden. Aus einem Bewerberfeld von 70(!) teils internationalen Architekturbüros wurden 20 Teilnehmer bestimmt, von denen schließlich 18 Beiträge eingereicht wurden. Daraus wählte das Preisgericht am 2. Juni zwei Preisträger. Mit dem 1. Preis wurde der Entwurf des Stuttgarter Büros Birk, Heilmeyer und Frenzel Architekten prämiert, der nun auch zur Umsetzung gelangen wird. Das ungewöhnliche Bauwerk bedient sich einer modernen Architektursprache unter Verwendung des traditionellen Baustoffes Holz. Es setzt auf seine Weise einen starken eigenen Akzent, ordnet sich dennoch bestens in die besondere landschaftliche Situation zwischen kommunalem Bauhof und dem Museumsgelände ein und zudem ohne den eigentlichen Hauptdarstellern des Museums – den Modellgebäuden auf der Insel – den Rang abzulaufen. Aktuell laufen die Planungen der inneren Gestaltung und die Auftragsvergaben für die Fachplanungen Statik, Energetik und Versorgung.

Kurz darauf wurde am 19. Juni die erste Baumaßnahme auf der Zeiteninsel selbst begonnen. Das originalgroße Modell eines Langhauses der Rössener Kultur entstand in der Station Jungsteinzeit am nördlichen Ende der Insel. Nach äußerst zügigem Bauverlauf bei überwiegend günstigem Sommerwetter konnte bereits am 9. August das Richtfest begangen werden. Der eindrucksvolle Bau, der zünftige Richtspruch der Zimmerleute und reichlich Essen und Trinken versetzten die zahlreichen Gäste in Hochstimmung.

Bis zum Einbruch des Winters war auch die zum größten Teil mit Langstroh vorgesehene Dacheindeckung erfolgt, lediglich der Bereich über dem offenen Vorraum, der mit Lindenrinde gedeckt werden soll, ist nur provisorisch mit Planen bedeckt. Somit ist das gut 34 m lange und bis zu 7 m hohe und breite Haus im Rohbau fertig gestellt und weithin sichtbar. Um das in diesem Herbst in besonders großen Mengen vom Himmel gefallene Regenwasser aus dem Haus herauszuhalten, wurde ein Drainagegraben gezogen, der wohl erst im Frühjahr vervollständigt und geschlossen werden kann. Dann sollen auch der restliche Dachteil eingedeckt und im Sommer schließlich die Lehmarbeiten an Wänden und Fußboden ausgeführt werden. Das entstandene Bauwerk ist aber bereits jetzt sehr eindrucksvoll und fachlich sehr gut gelungen, wie auch der wissenschaftliche Beirat in seiner Tagung am 29. November feststellte.

Bereits seit 2016 laufen die Planungen für die nächsten Modellbauten in der Station „Römische Kaiserzeit“ und die Infrastruktur „Parkplatz und Zuwegung mit Allna-Brücke“. Erstere befinden sich inzwischen im Genehmigungsverfahren und letztere kurz vor der Erteilung der zahlreich erforderlichen Ausnahmegenehmigungen. Die Ausschreibungen für das Germanengehöft sind veröffentlicht, so dass bei gutem Verlauf die Bauarbeiten im zeitigen Frühjahr 2018 beginnen könnten. Damit werden wir im zweiten Jahr der Bauphase auch gleich das zweite Langhaus (und noch kleinere Nebengebäude) errichten und damit einen weiteren „7-Meilen-Schritt“ tun. Möge der Bau ebenso glücklich verlaufen und gut gelingen wie der erste!

Parallel zur angelaufenen baulichen Realisierung wurde von der Genossenschaft mit Unterstützung des Fördervereins wieder ein interessantes Veranstaltungsprogramm angeboten. Neben unserer jährlichen Hauptveranstaltung, die am 17./18. Juni unter dem zur Baumaßnahme passenden Motto „Steinzeit erleben“ stattfand, wurden 8 Workshops und Seminare angeboten sowie fünf Gruppenführungen auf dem Gelände durchgeführt. Besonders zu erwähnen sind auch zwei Projekttage mit Marburger Schulen, die zusätzlich zu unserem Saison-Dauerprojekt „Schulacker der Grundschule Niederweimar“ stattfanden – und erstmals zwei Kindergeburtstage! Zu guter Letzt wurde eine Matinee im Marburger Cineplex zum Filmstart „Der Mann aus dem Eis“ von der AG Lebendige Archäologie zur umfassenden Information über die Jungsteinzeit und das Projekt genutzt.
Die zahlreichen Samstags-Einsätze freiwilliger Helfer auf dem Gelände haben ja schon Tradition und sind für die Gestaltung und Pflege der Zeiteninsel enorm wichtig – allen Teilnehmern wie auch allen Förderern sei ein ganz herzliches Dankeschön ausgesprochen!

Auch für das kommende Jahr 2018 bereiten wir wieder ein vielseitiges Programm vor: Höhepunkt wird die Veranstaltung am 13. Mai unter dem Titel „Geschichte(n) erleben“ sein, bei der erneut zahlreiche Darsteller und Archäotechniker spannende Erkenntnisse zu vielfältigen Themenbereichen des Lebens in der Vorgeschichte anschaulich und „begreifbar“ vermitteln werden.

Genießen Sie nun die Muße der hoffentlich ruhigen Tage zum Jahresausklang und vielleicht noch einmal unsere Bilder in den Blog-Beiträgen des abgelaufenen Jahres 2017!
Das Team der Zeiteninsel wünscht allen Freunden und Förderern ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2018! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen auf der Insel!

Text: Andreas Thiedmann

Advertisements

Steinzeitjäger vor und auf der Leinwand

Großer Besucherandrang herrschte am Sonntag 3.12.2017 zur Sektmatinee „Der Mann aus dem Eis“ im Foyer des 2. OG im Cineplex Kino Marburg. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AG Lebendige Archäologie des Fördervereins hatten zahlreiche Exponate und Objekte zur Jungsteinzeit mitgebracht und im Foyer vor dem Kinosaal ausgelegt. Darunter Nachbauten nahezu aller Ausrüstungsgegenstände von Ötzi, das Kupferbeil, diverse Messerklingen, Werkzeuge, rekonstruierte Kleidung der Jungsteinzeit, Schmuck, Nahrung, Garn- und Seilherstellung durch Pflanzenfasern, Bienenhaltung – ja sogar ein Fellboot und Reusen waren vorhanden. Zeigen, erklären, demonstrieren –  Wissen, Handwerk und Lebensweise wurde ausführlich und anschaulich einem sehr interessierten Publikum nahe gebracht.


Zum Filmstart des Films „Der Mann aus dem Eis“ mit Jürgen Vogel, der eine fiktive Geschichte um die Umstände des Todes von Ötzi hoch oben in den Alpen erzählte, kam es zu der gemeinsamen Aktion von Cineplex und Zeiteninsel.
Trotz des spontanen Wintereinbruchs kamen zahlreiche Interessierte, so dass sogar unsere eigenen Erwartungen an Zuspruch mehr als erfüllt wurden.

P1060300Vielen Dank an alle Beteiligten, Besucherinnen und Besucher für eine sehr gelungene Aktion!

Text: Sonja Guber

Arbeitseinsatz im Dezember und erstes Herdfeuer im Rössener Langhaus

Es handelte sich um einen besonderen Arbeitseinsatz am ersten Samstag im Dezember: Wir wurden nicht nur von Jugendlichen der JUKO Marburg e.V. tatkräftig unterstützt, es sollte auch zum ersten Mal ein Herdfeuer im rekonstruierten Rössener Langhaus angezündet und anschließend mit Suppe, Grillwurst und Co gefeiert werden!

Dick eingepackt fanden sich am Morgen die verschiedenen Gruppen und strömten auf das winterlich verschneite Gelände.Header (2)Die beim vorherigen Arbeitseinsatz geschnürten Weidenbündel verwendeten einige Aktive als Flechtmaterial für die Wände im Eingangsbereich des jungsteinzeitlichen Hauses. Die Flechtwände bekommen im nächsten Jahr noch einen Lehmbewurf, der anschließend glatt verstrichen bzw. verschmiert wird. Im Teamwork konnten die Wände bis zum Mittagessen ein großes Stück hochgeflochten werden.

Gleichzeitig galt es im Rössenhaus zumindest einen Teil der überstehenden Ähren des Strohdaches zu kürzen. So sollte verhindert werden, dass sich möglicherweise Funken der geplanten Feuerstelle im Stroh verfangen. Aber auch außerhalb des Hauses werkelten die Freiwilligen fleißig: Größere Mengen Brennholz wurden gehackt und gestapelt und der Workshop-Bereich der Bronze AG winterfest gemacht.

Dann war es soweit: Um die Mittagszeit wurde die Feuerstelle im Rössener Haus eingerichtet und alle waren ein wenig aufgeregt. Das Feuer wurde natürlich auf steinzeitliche Art mit Hilfe von Markasit, Zunder und Feuerstein entfacht!

Das reichgedeckte Buffet mit Suppe, Fladen, Kuchen, Brötchen, Kaffee und Tee und die feierliche Rede von Andreas Thiedmann trugen zu einer besonderen Atmosphäre in der Mittagspause bei.

Frisch gestärkt wurde im Anschluss bis in den Nachmittag hinein weiter Holz gehackt und gestapelt, außerdem konnten die Flechtwerk-Arbeiten abgeschlossen werden.

 

Wir danken den vielen Helfern sehr herzlich für ihren Einsatz!

„Der Mann aus dem Eis“: Die Zeiteninsel bei der Sektmatinee am 3.12.2017 im Cineplex!

Wer schon immer einmal Ötzis Ausrüstung (oder zumindest originalgetreue Nachbauten!) in der Hand halten und steinzeitliche Handwerkstechniken und Werkzeuge ausprobieren wollte, kann dies im Rahmen der Sektmatinee am kommenden Sonntag im Cineplex Marburg tun! Hier besteht die Gelegenheit, die Mitglieder der AG Lebendige Archäologie und das Zeiteninsel-Projekt näher kennenzulernen und im Anschluss um 11:45 Uhr den Film über Ötzi, „Der Mann aus dem Eis“, anzuschauen.

Ötzi-Film

Weitere Informationen gibt es hier: https://www.cineplex.de/filmreihe/sektmatinee/668/marburg/

 

Arbeitseinsatz im November

Trotz der kühlen Temperaturen ließen sich die Freiwilligen auch im November nicht davon abbringen, gemeinsam auf dem Gelände der Zeiteninsel verschiedene Arbeiten zu verrichten. Gut gelaunt harkten die kleinen und großen Helfer das Stroh im Innenraum und im Außenbereich des Rössen-Hauses zusammen. Das nahm einige Zeit in Anspruch, doch die Zeiteninsulaner ließen sich davon nicht abschrecken. Die Dachdeckung des jungsteinzeitlichen Hauses ist mittlerweile fast abgeschlossen, die fehlenden Teile werden im kommenden Jahr durch Lindenbaumrinde gedeckt.

Einige Helfer schnitten längere Weidenzweige, die rings um die Insel wachsen. Diese wurden anschließend gebündelt und sollen im kommenden Jahr zum Flechten von Wänden dienen. Ein wenig Manpower erforderte das Hacken und Verräumen von Brennholz, das auf der Insel ja immer gut gebraucht werden kann.

Zur Mittagspause versammelten sich alle Aktiven im Holzhaus und hatten sich die große Familienpizza und den Kuchen wirklich verdient. Anschließend wurde fleißig bis in den Nachmittag hinein weiter gearbeitet, wobei sich die Sonne dann doch noch zeigte.

Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten!

Schulackerprojekt – Backtag

Vor knapp zwei Wochen war es soweit: Unser diesjähriges Schulacker-Projekt mit den Schülerinnen und Schülern der mittlerweile 4. Klasse der Grundschule Niederweimar fand mit dem gemeinsamen Backtag einen tollen Abschluss! Begleitet wurde es von den beiden Lehrerinnen Frau Janßen und Frau Schwarz.

Da die Ernte des Schulackers witterungsbedingt in diesem Jahr leider sehr mau ausfiel, verwendeten die Kinder zur Weiterverarbeitung in der Schule den Emmer, Einkorn und Dinkel, der im Rahmen des Projektes „Stadtacker“ in Gießen Ende August geerntet wurde. Sie scheuten keine Mühen: Nach dem Dreschen des Getreides wurde es anschließend mit Hilfe einer römischen Getreidemühle gemahlen.

Am Backtag, bei dem sich auch etliche Eltern eingefunden hatten, kneteten die Schülerinnen und Schüler aus dem selbstgemahlenen Mehl, sowie Wasser und Salz, einen Teig. Zugegebenermaßen war auch noch etwas gekauftes Emmer- und Dinkelmehl dabei, da die Menge sonst nicht ausgereicht hätte. Jeder durfte seinen eigenen Fladen formen, teilweise wurden diese sogar noch kunstfertig durch Eindrücke verziert. Für den Hunger zwischendurch gab es den Klassiker Stockbrot.

neu8Einige Kinder gingen dann unter der Anleitung der Biologin Astrid Wetzel auf die Insel, um hier frische Kräuter und Meerrettich zu sammeln. In Kombination mit Schmand ergab das einen leckeren Aufstrich. Bereits nach wenigen Minuten im Lehmbackofen waren die Fladen fertig gebacken und wurden von den Beteiligten unter großem Genuss verspeist.

Auch in diesem Jahr hat es uns wieder viel Freude bereitet, mit den Kindern und Lehrerinnen der Grundschule Niederweimar zusammenzuarbeiten.

Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden!

Workshops der offenen Bronzezeitwerkstatt im August und September 2017

Im August und September fand am jeweils ersten Wochenende eine offene Bronzezeitwerkstatt statt. Sechs bzw. sieben Teilnehmer fanden sich zusammen, um die notwendigen Arbeitsschritte für die Erstellung sogenannter `verlorener Formen´ für einen Bronzeguss zu erlernen oder zu vertiefen. Dafür wurden zunächst portionierte Brocken aus Bienenwachs in der Nähe der Feuerstelle erwärmt und grob in Form geknetet, bevor die Modelle immer detaillierteren Bearbeitungen unterzogen werden konnten – ein äußerst inspirativer Prozess, bei dem sich manch einer seine Ideen erst mit den Händen erarbeitete.

Parallel konnten einige der Teilnehmer, die Lehmformen aus den Kursen des Vorjahres dabei hatten, diese im offenen Feuer brennen, um die Formen zu härten und den Wachs auszuschmelzen. Im Vorfeld der Workshops mussten die Wände des Ofens, der über den Winter recht marode geworden war, restauriert werden. Die aus Lehm gebrannte Lochplatte über dem Grund des Ofens wurde komplett ersetzt. Im Nachhinein hätte sich ein Neubau des Ofens aber als sinnvoller erwiesen.

An beiden Terminen war zunächst unklar, ob am ersten Tag bereits ein Bronzeguss stattfinden konnte, da ein recht kräftiger Wind aus Richtung des Dünsbergs wehte und Regenschauer drohten. Zudem hatten sich beim Septembertreffen Nacktschnecken im Zuluftschacht des Ofens einquartiert, die verhinderten, dass dieser seine benötigten Temperaturen erreichte. Die Suche nach der `Fehlerquelle´ strapazierte ein wenig die Nerven, sie konnte aber schließlich behoben werden.IMG_0437Als der Wind dann in den frühen Stunden der ersten Abende nachließ, wurde der Ofen kurzentschlossen in Betrieb genommen. Neue Schmelztiegel wurden eingebrannt und die ersten Bronzegüsse durchgeführt – mit Erfolg! Das Öffnen der bis auf Handwärme herunter gekühlten Formen war genauso wie das Gießen an sich ein Gruppenerlebnis der besonderen Art! Insgesamt wurden an den beiden Terminen über dreißig Bronzegüsse durchgeführt, von denen sich nur zwei als sogenannte Fehlgüsse herausstellten. Ob der Ofen jedoch weitere Gießaktionen mitmachen wird, bleibt zu bezweifeln. Er soll neu gebaut werden.

Was nun aussteht, ist das Nachbearbeiten der Ergebnisse durch Entgraten mit Hammer und Meißel, sowie durch Schleifen und Polieren mit geeigneten Flusskieseln und Flintsteinen. Wundervolle Heimarbeit für die Herbst und Winterzeit.

 

Text: Boris Potschka

 

„Steinzeitbienen“ bekommen neue Behausung!

Seit etwa einem Jahr gibt es das Projekt zur prähistorischen Bienenhaltung auf der Zeiteninsel (hier nachlesbar oder auf www.immenzit.de/archäoimkerei/projekt) und seit diesem Frühjahr beherbergt die Insel „Steinzeitbienen“. Zwei Kunstschwärme wurden vom Bieneninstitut in Kirchhain für das Projekt zur Verfügung gestellt und einer in einen hohlen Baumstamm nach neolithischem Vorbild einquartiert und der zweite in eine moderne Beute mit ähnlichen Außenmaßen.

Nachdem die Bienen den hohlen Baumstamm innerhalb von knapp vier Wochen komplett mit Wabenwerk gefüllt hatten, musste eine neue Behausung her. Gleichzeitig kann dadurch auch das Wachs und der Honig (wenn vorhanden) geerntet werden. Eine andere Möglichkeit der Ernte besteht bei dem hohlen Baumstamm ohne weitere Öffnungen oder Zugriffsmöglichkeiten nicht. Also musste das gesamte Volk den alten Baumstamm verlassen und wurde in einen neuen, größeren hohlen Baumstamm umgesiedelt.

IMG_1307Der alte Baumstamm folgte in seinem Volumen einem Fund von einem neolithischen Siedlungsplatz am Bodensee (Arbon Bleiche III) und erwies sich als mögliche Bienenbehausung. In Arbon Bleiche III wurden zwei hohle Baumstämme sehr unterschiedlicher Größe gefunden. Es lässt sich spekulieren, für welchen imkerlichen Einsatz der kleinere hier getestete Baumstamm evtl. genutzt werden konnte.

Am 04.07.2017 war es also so weit: Das Bienenvolk wurde in die neue Behausung umgesiedelt. Verschiedene Versuche des Treibens der Bienen mit Rauch schlugen fehl, so dass wir uns entschieden haben, den neuen Baumstamm an den Platz des alten zu stellen (Bienen fliegen wieder zu ihrem bekannten Wohnplatz und somit Einflugloch zurück) und die Waben der alten Behausung auszuschneiden. Die Waben wurden vorsichtig abgelöst und die ansitzenden Bienen in den neuen Bienenstock abgefegt. Die restlichen Bienen, die bei der Aktion z.B. aufgeschreckt wurden etc. kehren irgendwann zu ihrem alten bekannten Flugloch zurück, so dass sich das Volk nach und nach in der neuen Behausung einfand.

Es bedarf dabei Ruhe und Geduld und ein Quäntchen Glück, da es für diesen Vorgang wichtig ist, dass sich die Bienenkönigin in der neuen Behausung befindet und nicht ausgerechnet sie aus Versehen noch irgendwo zurückgelassen wurde. Bei unserer Aktion haben wir die Königin leider nicht gesehen, jedoch zeigte das Verhalten der Bienen an, dass wir sie mit großer Wahrscheinlichkeit im neuen Baumstamm einlogiert hatten.

Text: Sonja Guber

Emmer, Einkorn und Dinkel für die Zeiteninsel

Vor Kurzem fand eine ganz besondere Ernteaktion im Gießener Stadtpark Wieseckaue statt: Der Gießener Bioladen „Klatschmohn“ und das Gartenamt hatten hier im Rahmen des Kooperationsprojektes „Stadtacker“ auf drei kleinen Parzellen von insgesamt 750 m² die alten Getreidesorten Emmer, Einkorn und Dinkel ausgesät. Die angebauten Ur-Formen unserer modernen Getreidearten fanden bereits in der Jungsteinzeit Verwendung. Und daraus ergab sich die Verbindung zur Zeiteninsel, die ja auch die Kultivierung und Verarbeitung vorgeschichtlicher Nutzpflanzen zum Gegenstand ihrer Arbeit gemacht hat.

 

Ein 15-PS-Traktor zog den noch hervorragend funktionierenden Mähbinder aus dem Jahr 1956 zum Ernteeinsatz. Der schnitt und schnürte das Getreide auch gleich in handliche Bündel – die Garben – und legte sie seitlich ab. Die Maschinen haben freundlicherweise die Landtechnikfreunde aus Niederwalgern zur Verfügung gestellt und in Gang gesetzt. Wir haben die Garben anschließend auf die Zeiteninsel gebracht. Sie sollen hier in steinzeitlicher Manier bis zum Verzehr weiter aufbereitet werden. Das Stroh soll für verschiedene kleinere Dachdeckungs-Vorhaben verwendet werden. Mit dieser gelungenen Aktion haben sich die Niederwälger Landtechnikfreunde und die Zeiteninsel auch in Gießen ein Stück weit bekannter gemacht.

Text: Andreas Thiedmann und Sarah Fräßdorf

Richtfest Rössen-Haus

Am Nachmittag des 9. August 2017 war es nun soweit: Wir konnten bei herrlichem Sommerwetter gemeinsam mit den Zimmerleuten um Markus Loges und Claus Amarell und über 50 Gästen das Richtfest für das Rössen-Haus feiern! Mittlerweile ist es schon von weither zu sehen und beeindruckt nicht nur durch seine Größe.

P1050622Bis kurz vor Beginn des Richtfestes werkelten die sehr versierten Zimmermänner und -frauen im strahlenden Sonnenschein noch fleißig am Dach des Hauses weiter. Freiwillige schmückten den Richtbaum mit bunten Bändern, Zimmermann Erik befestigte ihn anschließend auf dem Dach. Dann standen Tische und Bänke mit bester Sicht auf die Baustelle und alles war für den Imbiss vorbereitet.

Für viele der allmählich eintreffenden Gäste war es sicherlich ein besonderer Moment, da sie seit langer Zeit die Entwicklung des Projekts begleiten.

Gegen 16:30 Uhr machten sich die 10 Zimmerleute bereit und sangen zunächst ein traditionelles Zimmermanns-Lied. Anschließend kletterten sie zum First hinauf, wo zunächst der Richtbaum gerade gerichtet wurde. Dann verlas Claus Amarell traditionsgemäß von ihm selbst zum gegebenen Anlass verfasste Verse, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Darin würdigte er zum einen die Besonderheiten der Baustelle inkl. schwankenden Wetterglücks und bedankte sich zum anderen für die fortwährende Unterstützung seines Teams während der nun fast achtwöchigen Bauzeit.

Ab und an unterbrach Claus seine Rede, um mit den Kollegen reihum einen kräftigen Schluck aus dem Tonbecher zu nehmen. Dieser Becher wurde zum Schluss vom Dach geworfen und zerbrach, womit der Segen für das Haus gesichert werden soll. Von Seiten des Bauherrn und der Projektleitung dankten Bürgermeister Peter Eidam und Andreas Thiedmann dem Zimmererteam für ihren unermüdlichen Einsatz und die ausgezeichnete handwerkliche Leistung sowie die gute Abstimmung unter allen Beteiligten.

Beim anschließenden Richtschmaus waren sich bei zünftigem Rehgulasch und stilgerechtem „Emmer-Bier“ alle einig: Die Zimmerleute hatten trotz teilweise schwieriger Wetterbedingungen sehr gute und schnelle Arbeit geleistet und es war eine gelungenes erstes Richtfest auf der Zeiteninsel.

In den kommenden Wochen folgt nun noch die Fertigstellung des Rohbaus, dann die teilweise Dacheindeckung mit Langstroh. Die endgültige Fertigstellung ist im nächsten Jahr zu erwarten. Wir werden im Blog darüber berichten!