Kursprogramm April bis Juli 2021

Vor kurzem konnten wir die Planungen für unsere Veranstaltungen im Zeitraum April bis Juli 2021 abschließen und freuen uns sehr, Ihnen diese nun präsentieren zu dürfen! Informationen zur Kursanmeldung finden Sie ganz unten. Falls sich Änderungen oder Veranstaltungsverschiebungen aufgrund der derzeit noch nicht abschätzbaren pandemischen Lage ab April ergeben sollten, geben wir Ihnen selbstverständlich Bescheid.

Das diesjährige Kursprogramm startet mit der Bronzewerkstatt am 10.-11. April (10-17 Uhr). Im Rahmen des Angebotes erhalten Sie die Gelegenheit, nach Wunsch eigene Bronzeobjekte zu fertigen und werden hierbei von den drei sachkundigen Kursleitern Thomas Groß, Boris und Philipp Potschka unterstützt und angeleitet. Die Kosten für das Wochenende betragen 80 Euro. Falls Sie im April keine Zeit haben sollten, gibt es einen weiteren Termin für die Werkstatt, den 19.-20. Juni.

Am 17.-18. April (10-17 Uhr) möchte Sie Michael Wagner in die Kunst des Bogenbaus einführen. Sie erfahren, welche Arbeitsschritte für die Herstellung eines Bogens erforderlich sind und stellen an diesem Kurswochenende einen eigenen Bogen her. Eine Teilnahme ist ab einem Alter von 14 Jahren möglich und kostet 140 Euro zzgl. etwa 40-55 Euro Materialkosten. Diese sind vor Ort zu entrichten.

Eine ganze Woche lang, vom 19.-25. April (10-17 Uhr), können Sie bei der Errichtung einer Flechtwerkdoppelwand mit anschließendem Lehmverputz im Bronzezeit-Haus auf der Zeiteninsel mitwirken. Holz und Lehm sind die ältesten Baustoffe der Menschheit und kommen auch bei der Errichtung der Zeiteninsel-Modellbauten zum Einsatz. Die Kosten betragen pro Tag 30 Euro, eine mindestens zweitägige Teilnahme ist erforderlich. Anleiten werden Irene Staeves und Wulf Hein.

Der Lehmbauer Peter Knodel möchte in seinem Kurs, der vom 29.-30. Mai (10-17 Uhr) stattfindet, mit den Vorteilen, Techniken und auch Anwendungsmöglichkeiten des vielfältig einsetzbaren Baustoffes Lehm bekannt machen. Dies wird ganz praktisch beim Wandaufbau in einem der Zeiteninsel-Gebäude geschehen. Die Kosten belaufen sich auf 60 Euro.

In welcher Technik aus Weidenzweigen Körbe entstehen erfahren Sie am 30. Mai (10-16 Uhr) von Andreas Spira. Nach einer kurzen Einführung in das Thema Weide wird mit Hilfe einer schrittweisen Anleitung in traditioneller Flechtmethode aus ungeschälter und geschälter Weide ein kleiner bis mittlerer Korb geflochten. Die Teilnahmegebühr liegt bei 65 Euro inkl. Material.

Am 10.-11. Juli ist dann schließlich ein Kurs zum Thema Feuersteinbearbeitung (10-17 Uhr) unter der Leitung des erfahrenen Steinschlägers Andreas Benke geplant. Er wird den Teilnehmenden die verschiedenen Feuerstein-Bearbeitungstechniken vorführen und natürlich auch auf archäologische Funde eingehen. Anschließend greifen Sie selbst zur Feuersteinknolle und ein eigenes Steingerät her. Die Kosten betragen 120 Euro inkl. Material.

Fördervereinsmitglieder erhalten eine Ermäßigung der Teilnahmegebühr von 5 Euro. Für die Kurse anmelden können Sie sich direkt über ein Formular auf der Zeiteninsel-Homepage unter https://www.zeiteninsel.de/lern-erlebnisort/kursprogramm-1/ Sie können uns aber auch eine Email mit den nötigen Informationen an info@zeiteninsel.de schreiben oder aber nutzen das Anmeldeformular, welches der Druckversion des Veranstaltungsflyers beigefügt ist. Die Flyer liegen ab der kommenden Woche in der Tourist-Information Marburg aus.

Koch-Challenge Pfahlbauten

Im Januar starteten die prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen die Webseite PalaFitFood, anlässlich des diesjährigen Jubiläums 10 Jahre Pfahlbauten in der UNESCO-Welterbeliste. Wir kennen die Pfahlbauten vor allem aus dem Pfahlbau-Museum in Unteruhldingen. Die Pfahlbauten (palafittes) standen am oder im Wasser und wurden während der Jungsteinzeit (5000 bis 2200 v. Chr.) und der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) gebaut.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Auf der Webseite von PalaFitFood werden nicht nur Zutatenlisten von der Steinzeit bis zur Bronzezeit gezeigt, sondern im Laufe des Jahres werden hier nach und nach Rezepte eingestellt, die zeigen, was man zur damaligen Zeit mit den vorhandenen Zutaten kochen konnte. Darüber hinaus werden archäologische Hintergründe erklärt und auch Funde und Fundstellen präsentiert. Die Webseite bietet eine Fülle an Informationen und ist sehr zu empfehlen.

Durch archäobotanische Funde von verkohlten oder anders konservierten Speiseresten, ist bekannt, welche Zutaten in die steinzeitlichen Kochtöpfe gewandert sind, aber welche Gerichte gekocht oder gebraten wurden, ist nur in Ausnahmefällen geklärt.

Die fünf Archäolog*innen, die hinter dem Projekt stehen, haben sich eine spannende monatliche Koch-Challenge für 2021 ausgedacht. Anfang jeden Monats wird eine Zutatenliste veröffentlicht, mit einem thematischen Schwerpunkt und dann kann das kreative Kochen beginnen. Die erprobten Rezepte können eingesendet werden und die besten Rezepte schaffen es auf die Webseite. Aktuell läuft die Februar-Challenge: https://palafitfood.com/koch-challenge/

Mitglieder der AG Lebendige Archäologie waren sofort von der Idee fasziniert an dieser Koch-Challenge teilzunehmen. Unter Corona-Bedingungen war dies eine Herausforderung, denn es konnte nicht gemeinsam auf dem Gelände der Zeiteninsel gekocht werden. Also teilten sich die Köche nach den einzelnen Komponenten des Gerichtes auf und produzierten in der heimischen Küche. Zum Start hatte die Gruppe so viele Ideen, dass aus einem Rezept gleich ein ganzes Menü wurde.

In der Januar-Challenge ging es vor allem Darum, dass in der Winterzeit wenig frische Zutaten zur Verfügung stehen. Dadurch stehen vor allem Zutaten, die gelagert werden können, wie Getreide oder Trockenfleisch im Fokus. Jetzt ist auch klar, dass Kühe damals im Winter keine Milch gaben.

Unsere Rezepte haben es auf die Webseite geschafft!

Auch das Rezept zum Dörrfleisch fand Anklang! Es ist wirklich sehr zu empfehlen.

Vielen Dank an die Köchinnen und Köche der AG Lebendige Archäologie für diese kreativen Rezepte. Die Mitglieder der AG werden sich auch in den kommenden Monaten der Herausforderung stellen und weiter an der Koch-Challenge teilnehmen.

Wir sind gespannt auf die weiteren Ergebnisse.

Das Menü in der Gesamtansicht

Fotos und Text: Meike Schuler-Haas

„1 wird 3“ Fundraising mit Hebelwirkung

Für 2022 ist die Eröffnung der Zeiteninsel im Vollbetrieb mit täglichen Öffnungszeiten und entsprechenden Einnahmen geplant. „Aber schon im Vorfeld müssen professionelle Strukturen für einen erfolgreichen Museumsstart geschaffen werden“, erklärt Zeiteninsel-Initiator und Vorstandsmitglied Dr. Andreas Thiedmann. Das reicht von der Einrichtung des Insel-Zentrums und der Zeitstationen über ein Vermittlungskonzept, Beschilderung, Multimedia bis zum Personal des Museums-Teams. 

Um die dafür nötigen finanziellen Mittel aufzubringen, starten der Zeiteninsel Förderverein e. V. sowie die Zeiteninsel Genossenschaft die Aktion „1 wird 3“. Dabei soll eine Spendenaktion für und von Privatpersonen, Vereinen, Clubs, Kirchen- oder Nachbarschaftsgemeinden die Grundlagen legen. 

Jeder privat gespendete Euro wird von der Gemeinde Weimar, der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf gemeinsam um einen zweiten Euro ergänzt. Den dritten Euro steuert der Zeiteninsel Förderverein und die Unterstützung des Landes Hessen aus Sondermitteln von Staatsministerin Angela Dorn bei.  

Jeder privat gespendete Euro erbringt im Endergebnis also die dreifache Summe. „Fundraising mit Hebelwirkung“ nennt das Vorstandskollege Dr. Richard Laufner. Landrätin Kirsten Fründt, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Bürgermeister Peter Eidam haben neben dem finanziellen Beitrag des „2. Euro“ auch die Schirmherrschaft über „1 wird 3“ übernommen.

„Wir starten mit „1 wird 3“ mit der klaren Perspektive auf das Jahr 2021, in dem die Weichen für die weitere Strukturentwicklung gestellt werden sollen“, erklären Thiedmann und Laufner. Schon vor dem offiziellen Start wurden bereits erste Spendenzusagen in vierstelliger Höhe gemacht.

Spender:innen überweisen die individuell gewünschte Summe auf das Konto des Fördervereins Zeiteninsel – Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land e. V. – unter dem Stichwort „1 wird 3“
Sparkasse Marburg-Biedenkopf IBAN: DE 78 5335 0000 0027 0038 50  BIC: HELADEF1MAR 

Kontakt: richard.laufner@zeiteninsel.de und andreas.thiedmann@zeiteninsel.de 

„Leidenschaft und Kreativität“ auf der Zeiteninsel

Staatsministerin Dorn überreichte Förderbescheid 

Bei bestem Spätsommerwetter hat am Donnerstag (10.9.) Staatsministerin Angela Dorn vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, auf dem archäologischen Freilichtmuseum Zeiteninsel den Förderbescheid für den Bau des Multifunktionsgebäudes „Insel-Zentrum“ übereicht.

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Wir möchten Sie herzlich zu einer Zeiteninsel-Premiere einladen!

Am 30. August 2020 um 12 Uhr wird zum ersten Mal eine Lesung auf dem Museumsgelände stattfinden. Der Autor Steffen Ziegler reist mit Ihnen 2000 Jahre in die Vergangenheit.

Im heute mittelhessischen Raum sind nur noch wenige Kelten verblieben. So auch die Drudas Belana, deren Sohn Velent sich in das Römermädchen Luna verliebt. Doch die Wirren der Zeit reißen die beiden immer wieder auseinander. (Text: http://www.keltenkind.de)

Wichtig: Anders als sonst können Sie sich für diese Veranstaltung im Vorfeld nicht anmelden. Aufgrund der Corona-Sicherheitsbestimmungen ist die Anzahl der Teilnehmenden auf 30 P. begrenzt. Treffpunkt ist der Eingangsbereich der Zeiteninsel, Einlass ist zwischen 11.15 Uhr und 11.45 Uhr, Beginn 12 Uhr. Eintritt nach Ermessen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Die Innenausstattung des Rössenhauses

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Wir haben alle eine ziemlich genaue Vorstellung von dem was zum Inventar eines heutigen Haushalts gehört. Es wäre schön, wenn wir dies genauso auf die Inneneinrichtung eines Rössener Haushaltes vor 6600 Jahren übertragen könnten. Bei den Ausgrabungen in Niederweimar hat man anhand von Pfostenspuren zwar die Gebäudegrundrisse rekonstruieren können, der Innenraum war aber weitestgehend Fund-leer.

Deshalb stellt sich zu Recht die Frage: Was wissen wir zur Inneneinrichtung eines solchen Gebäudes aus der Jungsteinzeit, was ist archäologisch belegt?

Es gäbe die Möglichkeit den Innenraum als leere Scheune darzustellen. Wir haben uns für eine andere Herangehensweise entschieden und wollen flexibel auf archäologische Ausgrabungen reagieren. Die Einrichtung wird dann entsprechend erweitert oder wieder verändert. In den letzten Monaten sind so mehrere Einrichtungsgegenstände von Torsten Jäger gebaut worden.

Fenster: Das Haus wurde mit Fensteröffnungen gebaut. Eine Möglichkeit, diese Fensteröffnungen (vor allem im Winter) zu verschließen, ist die Verwendung von Rohhaut auf Holzrahmen. Auf den Bildern ist zu sehen wie Andreas Thiedmann und Torsten Jäger diese Ziegenrohhaut durch abschaben herstellen. Die fertige Rohhaut ist sehr stabil und benötigt einen starken Rahmen, da sie sich beim Trocknen sehr stark zusammenzieht. Die fertige Rohhaut lässt das Sonnenlicht sehr schön in den Innenraum leuchten und bietet einen guten Windschutz.

 

Bänke: Es wurden bisher keine Sitzmöglichkeiten bei Ausgrabungen gefunden. Gefundene tönerne Idole aus der Kultur der Linearbandkeramik (der ältesten bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit) sind allerdings auf Sitzmöbeln dargestellt worden und dienen als Vorbild. Man könnte kritisch argumentieren und sagen, dass die Sitzmöbel Göttern und Idolen vorbehalten waren und Menschen diese nicht benutzt haben. Die hier nachgebauten Sitzbänke sind aus Eichen und Eschenholz mit Beinen aus Erle. Bei der Herstellung wurde darauf geachtet, dass nur Handwerkzeuge wie Dechsel und Stemmwerkzeuge verwendet wurden. Die Stämme wurden gespalten und abgelängt. Die Sitzfläche mit dem Dechsel geglättet. Die Löcher für die Beine wurden auf der Unterseite mit Stemmwerkzeugen hergestellt. Insgesamt sind so acht Bänke entstanden.

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Wangenthron: Die Idee einen Wangenthron zu bauen, stammt ebenfalls von der Darstellung eines Linearbandkeramischen Idols. Dieses Idol wurde auf so einem Thron dargestellt. Alleine die Herstellung war sehr aufwändig und dauerte ungefähr fünf Arbeitstage. Der Wangenthron ist entsprechend auch nicht als Alltagsgegenstand zu bewerten. Im Rössenhaus dient er als Sitzmöbel für das Oberhaupt der Familie und bekommt einen zentralen Platz am tragenden Innenpfosten des hinteren Raumteils. Als Holz wurde Weide benutzt.

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Bett: Im hinteren Teil des Hauses wurde ein Bett gebaut. Es gibt hierzu keine Funde. Meine Überlegung zur Begründung war Folgende: warum sollen wir annehmen, dass Menschen die ein so riesiges Haus gebaut haben auf dem Boden schlafen. Im Winter war der Lehmboden kalt und feucht. Aus diesem Grund wurden zwei große Erlenstämme ins Haus bewegt. In diese Stämme wurde eine Nut gestemmt auf die dicke handbehauene Eichenbohlen aufgelegt wurden.

 

 

 

Text: Torsten Jäger Bilder: Torsten Jäger, Meike Schuler-Haas

Abenteuer Gewichtswebstuhl Teil 1

Die Zeitstationen auf der Zeiteninsel wachsen immer weiter, das Museumsprojekt entwickelt sich und eine Gruppe von Textilfreunden hat sich zusammen gefunden, um in drei Zeitstationen nach und nach Gewichtswebstühle zu errichten, damit später die passenden Textilien hergestellt werden können.

Doch am Anfang steht erst einmal die Recherche: Welche Zeitepoche hatte welche Stoffe? Welche Fasern wurden verwendet? Wie sahen Gewichtswebstühle aus? Wie funktionieren sie? Welche Funde gibt es in unserer Region? In den Wintermonaten hatten wir Zeit uns intensiv vorzubereiten und wir entschieden uns zunächst einen ersten „Baumarkt“-Webstuhl zu bauen, um das System zu verstehen. Dieser Webstuhl kann später in der Vermittlungsarbeit mit Besucher:innen eingesetzt werden.

Wir beschlossen den ersten, an Belegen orientierten, Webstuhl für die Bronzezeit-Station zu bauen, da hier gerade das Wohnhaus im Bau ist und wir hierzu schon die meisten Grundlagen hatten. Wir entschieden uns für eine Kette aus Leinengarn mit einer schmalen Gewebeanfangskante und gesponnener Wolle unserer Zeiteninsel-Schafe. Es soll ein Textil in sogenannter Leinwandbindung entstehen.

In einem ersten Schritt bauten wir uns einen Schärbock, bestellten Leinengarn und eine unserer Mitstreiterinnen brachte ihr Wissen ein, da sie an einem Kurs zum Weben am Gewichtswebstuhl bei der Textilexpertin Marled Mader teilgenommen hatte. Zur Textilgruppe gehört auch ein professioneller Weber, was ein großes Glück ist.

Im Frühjahr trafen wir uns zum ersten Mal zum Schären der Kette und es verging noch sehr viel Zeit mit Diskussionen und Versuchen, so dass wir erst 20 cm der Kette aufgezogen hatten, bevor dann aufgrund von Corona die lange Pause kam. In der Zwischenzeit konnten wir unseren ersten Versuch überdenken, so dass wir am letzten Samstag mit neuen Ideen an den Start gingen.

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Diesmal wurde der Schärbock auf zwei Holzböcke platziert und in zwei Metern Entfernung eine Spulen-Station eingerichtet. Auf der anderen Seite stand in zwei Metern Entfernung ein weiterer Bock. So konnten wir mit drei Personen innerhalb von sechs Stunden eine 1 m breite Kette schären. Innerhalb dieser sechs Stunden haben wir immer wieder Abläufe angepasst oder verändert, wie z. B. die Leinenfäden anzufeuchten, weil sie bei Sonne und Wind und der Beanspruchung durch den Webkamm immer wieder ausfaserten.

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Es ging uns bei diesem ersten Schären einer Kette zunächst um die Technik, d. h. wir hatten moderne Eisengewichte zur Spannung eingehängt und nutzen einen Webkamm, der in der Bronzezeit noch nicht bekannt war.

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Wir haben durch diesen Tag enorm viel gelernt und werden bei der nächsten Kette schon vieles anders machen, z. B. eine einfache Litze verwenden statt des Webkammes, da dadurch das Garn nicht so ausfasert. Beim Schären die Witterung beachten: warmer Sonnenschein ist zwar schön, aber nicht gut für das Garn. Wir haben noch viel zu Lernen und freuen uns auf diese spannende Reise.

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Nun wird der Gewichtswebstuhl fertig gestellt, die Webgewichte aus Ton hergestellt und gebrannt, dann die Kette angebracht und spätestens zur Veranstaltung im Oktober wollen wir etwas her zeigen können.

Fotos und Text: Meike Schuler-Haas

Unsere Veranstaltungen im zweiten Halbjahr 2020

Auch wenn wir alle Veranstaltungen Corona-bedingt bis einschließlich Mai absagen mussten, waren wir hinter den Kulissen nicht untätig. Wir haben für Euch ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm zusammengestellt und freuen uns auf die Workshopleiter:innen, die zu uns kommen werden.

Am 16. August laden wir Kinder und eine Begleitperson von 14 bis 17 Uhr zu einem Nachmittag in der Steinzeit ein: Hier wird Schmuck nach „Steinzeit-Art“ unter Anleitung von Monika Mosburger gefertigt. Außerdem stellen die Teilnehmenden kleine Tonschalen mit der Töpferin Brigitte Schmitz her.

Eine Zeiteninsel-Premiere wird es am 30. August um 12 Uhr geben: Die erste Lesung findet im jungsteinzeitlichen Haus statt! Steffen Ziegler nimmt Sie mit auf eine Reise in das Mitteleuropa vor 2000 Jahren: Viele Kelten haben sich dem Druck der einwandernden Germanen gebeugt und sich in den Schutz des römischen Reiches geflüchtet. Im heute mittelhessischen Raum sind nur noch wenige Kelten verblieben. So auch die Drudas Belana, deren Sohn Velent sich in das Römermädchen Luna verliebt. Doch die Wirren der Zeit reißen die beiden immer wieder auseinander. Nach der Lesung besteht die Möglichkeit, ein Buch oder Hörspiel zu erwerben. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Am 5. und 6. September kommen Textilbegeisterte auf ihre Kosten. Marled Mader bietet die Gelegenheit, das Arbeiten am Gewichtswebstuhl ein ganzes Wochenende lang Schritt für Schritt bis zum Anweben ganz praktisch kennenzulernen.

Armreife und Anhänger, Beile und Gürtelschnallen aus Bronze entstehen im Rahmen der beiden offenen Bronzewerkstätten, die am 12. und 13. September sowie am 26. und 27. September ganztägig stattfinden werden. Das Team um Boris und Philipp Potschka und Thomas Groß leitet an bei der Umsetzung.

Am 13. September von 10 bis 16 Uhr wird Andreas Spira die Grundlagen des Weidenkorbflechtens vermitteln, so dass jede:r Teilnehmende am Ende einen eigenen kleinen Korb mit nachhause nehmen kann.

Wir freuen uns auch sehr, dass Stephan Lück in diesem Jahr wieder einen jeweils eintägigen Schmiedekurs am 17./18. Oktober anbieten wird. Dieses Mal werden Messer nach eisenzeitlichem Vorbild und eine Fibel entstehen.

Am 24. und 25. Oktober findet das letzte Angebot des diesjährigen Veranstaltungsprogrammes statt. Meike Schuler-Haas lädt alle Textil-Fans und die, die es noch werden wollen, zu einem Grundlagenkurs zum Thema Historisches Brettchenweben ein. Hier wird vor allem die Köpertechnik vermittelt.

Zur Anmeldung für die vorgestellten Kurse gibt es mehrere Möglichkeiten: Auf unserer Homepage findet Ihr das Anmeldeformular unter https://www.zeiteninsel.de/lern-erlebnisort/kursprogramm/anmeldeformular/. Ihr könnt uns aber auch eine Email mit den nötigen Informationen an info@zeiteninsel.de schicken oder aber Ihr nutzt das Anmeldeformular, welches dem gedruckten Veranstaltungsflyer beigefügt ist.

Die Flyer liegen ab Ende Juni beispielsweise in der Tourist-Information und in der Stadtbücherei Marburg aus. Das Veranstaltungsprogramm ist ab sofort auch auf der Homepage unter https://www.zeiteninsel.de/lern-erlebnisort/kursprogramm-1/ zu finden.

 

Es geht wieder los! Unser Schulackerprojekt in 2020

Auch in diesem Jahr arbeiten wir wieder mit der Grundschule Niederweimar zusammen und kümmern uns gemeinsam mit zwei dritten Klassen, ihren Klassenlehrerinnen und einer Referendarin um eine Ackerfläche auf der Zeiteninsel. Im März erhielten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Doppelstunde bereits einen ersten Einblick: Welche Getreidesorten gab es schon in der Jungsteinzeit? Welche Auswirkungen besaß der Ackerbau auf das Leben der Menschen bzw. wie bestimmte er ihren Jahresablauf? Und wie verarbeitete die Steinzeit-Familie ihre Ernte? Diese Fragen und vieles mehr konnten hier beantwortet werden. Anschließend war Ende März eigentlich ein Besuch der Zeiteninsel zur Vorbereitung der Anbaufläche geplant, auf den sich die Kinder schon sehr gefreut hatten. Durch die Corona-Pandemie und die folgende Schließung aller Schulen kam es jedoch anders.

Netterweise boten die Klassenlehrerinnen Antje und Ulrike und die Referendarin Davina ihre Unterstützung an, so dass wir Ende März bei schönstem Frühlingswetter, natürlich nur jeweils zu zweit und mit „Sicherheitsabstand“, gemeinsam den Acker bearbeiteten. Wir entfernten den hartnäckigen „Halben Gaul“ (Ampfer) sowie die wuchernden Brennnesseln und gruben den Boden mit vereinten Kräften um. Im Vorfeld hatten wir uns entschieden, in diesem Jahr zwei „Steinzeit-Getreide“ auszusäen: Nacktgerste und Emmer. Ersteres heißt übrigens so, weil es nahezu spelzenfrei ist. Nachdem das Feld in zwei Teile eingeteilt wurde, zogen wir die Furchen, in die dann jeweils einige Getreidekörner gelegt wurden, um diese anschließend wieder zu verfüllen. Jetzt musste das Feld nur noch einmal kräftig gegossen werden.

Wir hoffen sehr, dass die Kinder bald wieder zu uns auf die Zeiteninsel kommen können, um im Verlauf der kommenden Monate ihren Acker zu pflegen und das Wachstum der Pflanzen in einem Lerntagebuch zu dokumentieren. Die sehr positive Resonanz der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass sie viel Freude hieran hatten. Durch die praxisorientierte Herangehensweise erhalten sie nicht nur Zugänge zu geschichtlichen Themen, sondern können u. a. nach Abschluss des Projektes auch die Verarbeitungsschritte vom Korn zum Brot sowie den Aufwand, der dahinter steckt, anschaulich, da selbst ausprobiert, nachvollziehen.